Aktivist zwangseingewiesen
Der Aktivist Dmitry Vorobyovsky wurde am Abend des 6. Mai aus seinem Haus abgeholt und in eine psychiatrische Klinik der Region Woronesch zwangseingewiesen. Dort unterzog man ihn gegen seinen Willen psychiatrischer Behandlung. Seine Anwältin durfte ihn erst am Morgen des 8. Mai besuchen. Dmitry Vorobyovsky ist bisher noch keinem Richter vorgeführt worden.
Appell an
GENERALSTAATSANWALT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
Yurii Yakovlevich Chaika
Prosecutor General’s Office
ul. B. Dmitrovka, d.15a
125993 Moscow GSP- 3
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Prosecutor General / Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt)
Fax: (007) 495 987 5841 oder (007) 495 692 1725
STAATSANWALT DER REGION WORONESCH
Nikolai Shishkin
394006 Voronezh
Pereulok Krasnoarmeisky 12 B
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Prosecutor / Sehr geehrter Herr Staatsanwalt)
E-Mail: prokuratura-vrn@yandex.ru
CHEFARZT DER NEUROLOGISCHEN KLINIK DER REGION WORONESCH
Voronezh Regional Neurological Dispensary
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Head Doctor / Sehr geehrter Chefarzt)
Fax: (00 7) 473 271 2104
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S. E. Herrn Vladimir M. Grinin
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@russische-botschaft.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 20. Juni 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, EMAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Die Inhaftierung von Dmitry Vorobyovsky verstößt gegen russisches Recht und internationale Standards. Daher bitte ich Sie, für seine sofortige Freilassung zu sorgen, sollte er nicht unverzüglich einem Richter oder einer Richterin vorgeführt und die Gründe für seine Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik überprüft werden.
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Ich möchte Sie daran erinnern, dass Personen nur dann einer psychiatrischen Zwangsbehandlung unterzogen werden dürfen, wenn sie eine schwerwiegende psychische Erkrankung aufweisen und es wahrscheinlich ist, dass sie eine Gefahr für sich selbst oder andere darstellen.
- Stellen Sie bitte sicher, dass eine Untersuchung zu den Umständen der Festnahme von Dmitry Vorobyovsky durchgeführt wird, bei der sich Sanitäter als Mitarbeiter eines Gasversorgungsunternehmens ausgegeben haben. Leiten Sie bitte zudem eine Untersuchung zu der Inhaftierung von Dmitry Vorobyovsky in einer psychiatrischen Einrichtung und der Verabreichung von Medikamenten gegen seinen Willen ein, und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Urging the authorities to immediately bring Dmitry Vorobyovsky before a judge and examine the grounds for his forcible detention at the psychiatric hospital, or release him immediately as he is being detained in violation of Russian law and international standards.
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Reminding the authorities that involuntary psychiatric treatment should only be used in cases of severe mental illness when it is likely that that person will cause immediate or imminent harm to themselves of others.
- Demand an investigation into the circumstances of his detention by paramedics claiming to be gas workers and of his detention at a psychiatric institution, and into the involuntary administration of drugs, and bring anyone found responsible to account.
Sachlage
Dmitry Vorobyovsky ist in der Stadt Woronesch bekannt für seine regelmäßigen Protestaktionen zur Unterstützung politischer Gefangener und gegen die Regierungspolitik. Er hat seiner Anwältin gesagt, dass am 6. Mai gegen 17 Uhr einige Männer an seiner Haustür klopften und angaben, von seinem Gasanbieter zu sein. Als er dann die Tür öffnete, stellte sich jedoch heraus, dass es sich um Sanitäter der neurologischen Klinik in Woronesch handelte. Die Männer nahmen ihn unter Anwendung von Gewalt fest und brachten ihn in die psychiatrische Klinik. Dort angekommen, fixierte man ihn drei Stunden lang an einem Bett, injizierte ihm gegen seinen Willen eine unbekannte Substanz und verabreichte ihm Tabletten. Die Ärzt_innen der Klinik geben an, nicht zu wissen, wer die Einweisung veranlasst hat. Es ist kein Vorfall bekannt, der zu der psychiatrischen Zwangsbehandlung geführt haben könnte. Als die Anwältin von Dmitry Vorobyovsky ihn am 8. Mai besuchte, war er ruhig und rational. Dennoch wird ihm nicht erlaubt, die Klinik zu verlassen. Es ist unklar, welche mutmaßlichen medizinischen Gründe der Inhaftierung und Zwangsbehandlung zugrunde liegen und welche Medikamente man ihm verabreicht hat.
Laut russischem Recht darf niemand ohne richterliche Anordnung länger als 48 Stunden festgehalten werden. Als die Anwältin von Dmitry Vorobyovsky den örtlichen Staatsanwalt um Unterstützung bat und seine Freilassung forderte, sagte man ihr, dass man aufgrund des Feiertags am 9. Mai (Tag des Sieges) nichts unternehmen könne. Möglicherweise ist Dmitry Vorobyovsky aufgrund seiner offenen Kritik an der Regierungspolitik inhaftiert worden, was einen Verstoß gegen sein Recht auf freie Meinungsäußerung darstellen würde. Darüber hinaus verstößt seine anhaltende Inhaftierung ohne richterliche Anordnung gegen russisches Recht und internationale Standards.