Künstler im Hungerstreik

Hossein Rajabian und Mehdi Rajabian

Hossein Rajabian und Mehdi Rajabian

Die iranischen Brüder Mehdi Rajabian und Hossein Rajabian traten am 8. September 2016 in einen Hungerstreik. Sie protestieren damit gegen die Weigerung der Behörden, einer Freilassung aus medizinischen Gründen zuzustimmen sowie deren Entscheidung, die Brüder in verschiedenen Abteilungen des Evin-Gefängnisses in Teheran unterzubringen. Der Gesundheitszustand der beiden gewaltlosen politischen Gefangenen hat sich verschlechtert.

Appell an:

(bitte senden Sie Ihre Appelle über die Botschaft)
RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed 'Ali Khamenei
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S. E. Herrn Ali Majedi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030–8435 3535
E-Mail: info@iranbotschaft.de

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT
Ayatollah Sadegh Larijani
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S. E. Herrn Ali Majedi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030–8435 3535
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Sende eine Kopie an:

PRÄSIDENT
Hassan Rouhani
über
BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S. E. Herrn Ali Majedi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030–8435 3535
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Arabisch, Englisch, Französisch, Spanisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. November 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

LUFTPOSTBRIEFE, E-MAILS UND FAXE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Lassen Sie Mehdi Rajabian und Hossein Rajabian bitte unverzüglich und bedingungslos frei, da sie allein wegen der Ausübung ihres Rechts auf Meinungsfreiheit bestraft werden.

  • Stellen Sie bitte unbedingt sicher, dass die beiden inhaftierten Männer entsprechend der Medizinethik Zugang zu jeglicher benötigten medizinischen Versorgung haben. Sorgen Sie bitte insbesondere dafür, dass Mehdi Rajabian die erforderlichen Medikamente erhält.

  • Ordnen Sie bitte unverzüglich eine unabhängige und unparteiische Untersuchung der Vorwürfe über Folter und anderweitige Misshandlungen an und stellen Sie die mutmaßlichen Verantwortlichen in fairen Verfahren vor Gericht, in denen nicht auf die Todesstrafe zurückgegriffen wird.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the Iranian authorities to immediately and unconditionally release Mehdi Rajabian and Hossein Rajabian, as they are being punished solely for exercising their right to freedom of expression.

  • Urging them to ensure that they have access to adequate medical treatment in compliance with medical ethics, including any specialist care they require, and that Mehdi Rajabian is provided with his essential medication.

  • Urging them to order a prompt, independent, impartial investigation into their allegations of torture and other ill-treatment, bringing to justice anyone suspected of responsibility in a fair trial without recourse to the death penalty.

Sachlage

Der Musiker Mehdi Rajabian und sein Bruder, der Filmemacher Hossein Rajabian, die am 4. Juni ihre dreijährige Haftstrafe angetreten haben, traten am 8. September in einen Hungerstreik. Sie protestieren gegen die Weigerung der Staatsanwaltschaft, einer Freilassung aus medizinischen Gründen zuzustimmen und gegen die Entscheidung der Behörden, die Brüder in verschiedenen Abteilungen des Gefängnisses unterzubringen. Diese Entscheidung wurde kurz vor Beginn des Hungerstreiks getroffen. Seitdem wurde es den Brüdern nicht erlaubt, sich zu sehen. Beide befinden sich in einem schlechten Gesundheitszustand. Vor seiner Inhaftierung wurde eine Kernspintomographie bei Mehdi Rajabian durchgeführt. Ein Neurologe sagte ihm daraufhin, dass er vermutlich unter Multipler Sklerose leide und eine weitere medizinische Versorgung, einschließlich diagnostischer Untersuchungen, benötige. Bis vor kurzem wurden Mehdi Rajabian die Medikamente verweigert, die er laut seinem Arzt benötigt, um das Auftreten von Symptomen der Multiplen Sklerose hinauszuzögern. Nachdem Mehdi Rajabian im Oktober 2013 nach seiner Festnahme von Sicherheitsbeamt_innen geschlagen worden war, leidet er außerdem unter Krampfanfällen. Am 10. September erlitt er einen weiteren Anfall und wurde in das Gefängniskrankenhaus gebracht. Vor seiner Haft litt Hossein Rajabian unter Nierenproblemen und starken fieberähnlichen Symptomen. Einige Stunden nach Beginn seines Hungerstreiks brachte man Hossein Rajabian für eine Blutuntersuchung in das Gefängniskrankenhaus. Eine Untersuchung ergab eine hohe Konzentration weißer Blutkörperchen. Daraufhin brachte man Hossein Rajabian an Händen und Füßen gefesselt in ein Krankenhaus außerhalb des Gefängnisses. Dort wurde er jedoch nicht angemessen medizinisch versorgt, bevor man ihn ins Gefängnis zurückbrachte.

Am 26. April 2015 wurden Mehdi Rajabian und Hossein Rajabian nach einem dreiminütigen Prozess vor einem Revolutionsgericht zu sechs Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt. Sie waren wegen ihrer künstlerischen Arbeit und „Beleidigung islamischer Heiligkeiten“ sowie „illegaler audiovisueller Tätigkeiten“ angeklagt worden. Ein Rechtsmittelgericht entschied später, dass sie drei Jahre der sechsjährigen Haftstrafe verbüßen müssen. Das Gericht setzte die restliche Haftstrafe für fünf Jahre zur Bewährung aus, vorbehaltlich ihres „guten Benehmens“. Ihr Prozess war grob unfair. Nach ihrer Festnahme im Oktober 2013 wurden die Brüder zwei Monate in Einzelhaft festgehalten. Sie sagten, dass man sie geschlagen und ihnen Elektroschocks versetzt habe, um sie zu „Geständnissen“ vor laufender Kamera zu zwingen. Ihre „Geständnisse“ wurden als Grundlage für ihre Verurteilung verwendet, obwohl die Brüder dem Richter erklärten, dass diese durch Folter und anderweitige Misshandlung entstanden seien. Sie hatten weder bei ihrer Festnahme noch während der Inhaftierung, dem Prozess oder dem Rechtsmittelverfahren Zugang zu einem Rechtsbeistand. Der Musiker Yousef Emadi, der gemeinsam mit Mehdi Rajabian und Hossein Rajabian vor Gericht stand, befindet sich weiterhin auf freiem Fuß.