Migranten erneut in Gefahr

Unbekannte Männer haben Schüsse auf eine provisorische Kantine für MigrantInnen in Huehuetoca im Bundesstaat México abgegeben. Zuvor mussten ehrenamtliche MitarbeiterInnen im Zuge von Gewalt und Drohungen eine Migrantenherberge in Lechería im selben Bundesstaat schließen. MigrantInnen und die MenschenrechtlerInnen, die sich im Bundesstaat México für sie einsetzen, befinden sich in großer Gefahr.

Appell an

INNENMINISTER
Dr. Alejandro Poiré Romero
Secretaría de Gobernación
Bucareli 99, 1er. piso
Col. Juárez, Delegación Cuauhtémoc
México D.F., C.P.06600, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Minister / Estimado Señor Secretario / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES MÉXICO
Eruviel Avila Villegas
Lerdo Poniente Numero 300
Primer Piso, Puerta 216
Palacio Del Poder Ejecutivo
Colonia Centro, CP 50000
Toluca, Estado de México, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Governor / Estimado Gobernador / Sehr geehrter Gouverneur)
Fax: (00 52) 722 276 0046
E-Mail: cnm@gem.gob.mx

Sende eine Kopie an

ORGANISATION FÜR DIE RECHTE VON MIGRANTiNNEN
Dimensión Pastoral de la Movilidad Humana
Email: movilidad.humana@yahoo.com.mx

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S.E. Herrn Francisco N. González Díaz
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@mexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 7. September 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte Sie bitten, in Absprache mit den Betroffenen umgehend wirksame Maßnahmen zum Schutz der Ange-stellten, ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und MigrantInnen in der San-José-Kantine für MigrantInnen und der provisorischen Kantine in Lechería zu ergreifen.

  • Ich fordere Sie auf, eine vollständige und unparteiische Untersuchung des Angriffs auf die San-José-Kantine für MigrantInnen sowie der Vorfälle, die zur Schließung der Migrantenunterkunft San Juan Diego geführt haben, durchzuführen, und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

  • Ich bitte Sie zudem, die Arbeit der Migrantenunterkunft und der provisorischen Kantinen zu unterstützen. Dies beinhaltet unter anderem die Verlegung der Migrantenherberge San Juan Diego an einen sicheren Ort sowie das Ergreifen von Maßnahmen, um die Diskriminierung von MigrantInnen zu beenden.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to provide effective protection to staff, volunteers and migrants at the San José migrants’ canteen in Huehuetoca, and the temporary canteen in Lechería, in strict accordance with their wishes.

  • Urging for a full and impartial investigation into the incidents that led to the closure of the San Juan Diego shelter and the attack on the San José migrants’ canteen, and for those responsible to be held to account.

  • Urging the State authorities to support the migrants’ shelter and the temporary canteens, including through the relocation of the San Juan Diego shelter to a safe place and tackling discrimination against migrants.

Sachlage

Am 7. Juli kam es vor der Migrantenherberge San Juan Diego zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen MigrantInnen und BewohnerInnen der örtlichen Gemeinde. Ausgelöst worden war diese Auseinandersetzung von Personen, die nicht in der Herberge wohnen oder arbeiten. Die Polizei ließ sich nicht blicken und verstieß somit gegen die Verpflichtung des Staates, Schutzmaßnahmen für die Herberge zu ergreifen. Im Zuge der Auseinandersetzung sperrten örtliche EinwohnerInnen die Straßen ab und bedrohten die Leitung der Migrantenherberge. Zwei Tage später mussten die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen die Herberge schließen, da sie weiterhin Feindseligkeiten und gewalttätigen Übergriffen vonseiten der lokalen Bevölkerung ausgesetzt waren und keinen wirksamen staatlichen Schutz erhielten. Sie richteten daraufhin zwei provisorische Kantinen ein, um die MigrantInnen mit Essen und humanitärer Hilfe zu versorgen: die San-José-Kantine für MigrantInnen in Huehuetoca und eine weitere Kantine in Lechería.

Am 21. Juli gab eine Gruppe bewaffneter Männer zwischen 2 und 3 Uhr morgens Schüsse auf die San-José-Kantine für MigrantInnen ab. Etwa zur selben Zeit wurden drei MigrantInnen eigenen Angaben zufolge von mehreren Personen verfolgt, die auch auf sie schossen.

Die für die Migrantenherberge San Juan Diego zuständigen MenschenrechtsverteidigerInnen haben sich bereits mehrfach mit den Behörden des Bundesstaates getroffen, unter anderem auch mit dem Gouverneur. Die Behörden haben ihr Versprechen, die Verlegung der Herberge zu unterstützen, damit die MigrantInnen in einem sicheren Umfeld humanitäre Hilfe erhalten können, nicht gehalten. Der Bürgermeister von Huehuetoca soll den MigrantInnen die Schuld an dem Angriff auf die San-José-Kantine für MigrantInnen gegeben haben. Seiner Ansicht nach wollten sie damit auf ihre Situation aufmerksam machen.

[EMPFOHLENE AKTIONEN]

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte Sie bitten, in Absprache mit den Betroffenen umgehend wirksame Maßnahmen zum Schutz der Ange-stellten, ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und MigrantInnen in der San-José-Kantine für MigrantInnen und der provisorischen Kantine in Lechería zu ergreifen.

  • Ich fordere Sie auf, eine vollständige und unparteiische Untersuchung des Angriffs auf die San-José-Kantine für MigrantInnen sowie der Vorfälle, die zur Schließung der Migrantenunterkunft San Juan Diego geführt haben, durchzuführen, und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

  • Ich bitte Sie zudem, die Arbeit der Migrantenunterkunft und der provisorischen Kantinen zu unterstützen. Dies beinhaltet unter anderem die Verlegung der Migrantenherberge San Juan Diego an einen sicheren Ort sowie das Ergreifen von Maßnahmen, um die Diskriminierung von MigrantInnen zu beenden.

[APPELLE AN]

INNENMINISTER
Dr. Alejandro Poiré Romero
Secretaría de Gobernación
Bucareli 99, 1er. piso
Col. Juárez, Delegación Cuauhtémoc
México D.F., C.P.06600, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Minister / Estimado Señor Secretario / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES MÉXICO
Eruviel Avila Villegas
Lerdo Poniente Numero 300
Primer Piso, Puerta 216
Palacio Del Poder Ejecutivo
Colonia Centro, CP 50000
Toluca, Estado de México, MEXIKO
(korrekte Anrede: Dear Governor / Estimado Gobernador / Sehr geehrter Gouverneur)
Fax: (00 52) 722 276 0046
E-Mail: cnm@gem.gob.mx

KOPIEN AN
ORGANISATION FÜR DIE RECHTE VON MIGRANTiNNEN
Dimensión Pastoral de la Movilidad Humana
Email: movilidad.humana@yahoo.com.mx

BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S.E. Herrn Francisco N. González Díaz
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23-700
E-Mail: mail@mexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 7. September 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Angestellte, ehrenamtliche MitarbeiterInnen und BewohnerInnen der Migrantenunterkunft San Juan Diego in Lechería sind immer wieder zum Ziel von Beschimpfungen und Angriffen geworden. Teile der örtlichen Bevölkerung haben bereits mehrfach und mit Gewalt gegen die Existenz der Herberge protestiert. Diese Proteste entfachen nun aufs Neue. Zwar hat die Nationale Menschenrechtskommission Schutzmaßnahmen für die Herberge angeordnet, diese reichen jedoch nicht aus, um die Sicherheit aller Angestellten, ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und MigrantInnen der Herberge zu gewährleisten.

Am 30. Januar 2011 wurde die damalige Leiterin der Herberge, Guadalupe Calzada, darüber informiert, dass jemand plane, die Herberge niederzubrennen, die guatemaltekischen MigrantInnen zu ermorden und Guadalupe Calzada innerhalb von drei Tagen "wie einen Hund" zu töten. Es wird davon ausgegangen, dass die Drohungen von Schlepperbanden ausgingen, die in der Gegend aktiv sind und in der Herberge eine Gefährdung ihrer kriminellen Aktivitäten sehen. Die Behörden wurden über diese Drohungen in Kenntnis gesetzt und aufgefordert Schutzmaßnahmen zu ergreifen.
Am 13. August 2011 versammelte sich eine Gruppe von über 30 Menschen aus der Gemeinde Lechería vor der Migrantenunterkunft San Juan Diego und forderte deren Schließung. Sie drohten, die Unterkunft andernfalls niederzubrennen sowie die Einrichtung zu stürmen und die MigrantInnen eigenhändig herauszuholen.

Am 11. Dezember kam abermals eine Gruppe von etwa 80 BewohnerInnen der örtlichen Gemeinde Lechería zusammen, um die Schließung der Migrantenherberge San Juan Diego zu fordern. Sie protestierten, da die Herberge ihrer Ansicht nach Probleme in der Nachbarschaft verursache und Drogen- oder Menschenschmuggler anlocke. Einige der EinwohnerInnen von Lechería rissen vier provisorische Hütten ab, die sich die MigrantInnen entlang der Bahngleise, einige Meter entfernt von der Herberge gebaut hatten, und steckten die persönliche Habe mehrerer MigrantInnen in Brand. Laut Angaben des Herbergspersonals beschimpften einige Protestierende sie und versuchten sie zu schlagen.

Am 11. Juli richteten die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Migrantenherberge eine provisorische Kantine in einem Zelt unter einer Brücke in Lechería ein, um den wichtigsten humanitären Bedürfnissen der MigrantInnen gerecht zu werden. Am 21. Juli demonstrierten BewohnerInnen der örtlichen Gemeinde für die Beseitigung des Zelts.

Jedes Jahr versuchen hunderttausende Menschen aus mittel- und südamerikanischen Ländern ohne Visum über Mexiko in die USA zu gelangen. Viele von ihnen werden von den mexikanischen Einwanderungsbehörden inhaftiert und in ihre Heimatländer zurückgeführt. Amnesty International hat Mexiko kürzlich bereist, um Berichte über Menschenrechtsverletzungen an dieser Personengruppe zu prüfen. Bei dem Besuch fand Amnesty International heraus, dass viele MigrantInnen von Banden verschleppt werden und dies manchmal in Mittäterschaft mit lokalen BehördenvertreterInnen geschieht. Die Straflosigkeit bei Menschenrechtsverletzungen an MigrantInnen haben zu einem Anstieg dieser Verbrechen geführt, obwohl sich die Regierung verpflichtet hat, die Rechte von MigrantInnen zu schützen.

Amnesty International hat vor Kurzem eine Aktion ins Leben gerufen, um auf die Notlage aufmerksam zu machen, in der sich MigrantInnen während der Reise durch Mexiko befinden, und um dafür zu sorgen, dass den MigrantInnen die Hilfe geboten wird, die sie bei der Durchquerung des Landes dringend benötigen. Sie können sich unter http://sendsocks.org/ an der Aktion beteiligen.