Frauenrechtlerin festgenommen

Veranstaltung der Kampagne für Gleichberechtigung

Veranstaltung der Kampagne für Gleichberechtigung

Die Frauenrechtlerin Fatemeh Masjedi ist am 28. Januar festgenommen worden, als sie von Qom nach Teheran unterwegs war. Ihr derzeitiger Haftort ist nicht bekannt. Amnesty befürchtet, dass man sie festgenommen hat, damit sie die sechsmonatige Haftstrafe antritt, zu der man sie verurteilt hat. Grund ist das Sammeln von Unterschriften für eine Petition, die das Ende der rechtlichen Diskriminierung von Frauen im Iran fordert.

Appell an

RELIGIONSFÜHRER
Ayatollah Sayed ’Ali Khamenei

The Office of the Supreme Leader
Islamic Republic Street – End of Shahid Keshvar Doust Street
Tehran, IRAN
E-Mail: über die Website
http://www.leader.ir/langs/de/index.php?p=letter

OBERSTE JUSTIZAUTORITÄT DER PROVINZ QOM
Hamzeh Khalili, Office of the Head of the Judiciary
PO Box 184-37195, Azadegan Square,
Shahid Abedi Boulevard
Qom, IRAN
E-Mail: ryasat@dadgostariqom.ir oder über die Website: http://www.dadgostariqom.ir/tabid/85/Default.aspx (Persisch)

Sende eine Kopie an

LEITER DER STAATLICHEN MENSCHENRECHTSBEHÖRDE
Mohammad Javad Larijani
High Council for Human Rights
c/o Office of the Head of the Judiciary
Pasteur St, Vali Asr Ave., south of Serah-e Jomhouri
Tehran 1316814737, IRAN
E-Mail: info@humanrights-iran.ir
(Betreff: FAO Mohammad Javad Larijani)

BOTSCHAFT DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN
S.E. Herrn Alireza Sheikh Attar
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030-8435 3535
E-Mail: iran.botschaft@t-online.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Persisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 14. März 201 keine Appelle mehr zu verschicken.

Sachlage

[img_assist|nid=17225|title=Fatemeh Masjedi|desc=© privat|link=none|align=left|width=92|height=130]Fatemeh Masjedi ist ein Mitglied der Kampagne Eine Million Unterschriften (auch bekannt als Kampagne für Gleichberechtigung), eine basisdemokratische Initiative, die sich für ein Ende der Diskriminierung von Frauen im iranischen Recht einsetzt. Am 29. Dezember 2010 wurde sie zusammen mit Maryam Bidgoli aufgefordert, innerhalb von drei Tagen bei den Gefängnisbehörden in Qom vorstellig zu werden, um eine sechsmonatige Freiheitsstrafe anzutreten. Doch die beiden Frauen blieben vorerst auf freiem Fuß, nachdem sie Rechtsmittel gegen ihre Verurteilung und das Strafmaß eingelegt hatten. Amnesty International befürchtet, dass auch Maryam Bidgoli nun jederzeit inhaftiert werden könnten.

Beide Frauen waren bereits am 7. Mai 2009 festgenommen worden, weil sie Unterschriften für die Beendigung der rechtlichen Diskriminierung von Frauen im Iran gesammelt hatten. Damals kamen sie nach zwei Wochen in Haft wieder frei. Am 29. August 2010 verurteilte sie die Abteilung 2 des Revolutionsgerichts in Qom zu einer einjährigen Gefängnisstrafe wegen "Verbreitung von Propaganda gegen die Regierung für eine feministische Gruppe (die Kampagne), und zwar durch Verteilen einer Petition und Sammeln von Unterschriften für diese Petition, in der eine Änderung von Gesetzen gefordert wird, die Frauen diskriminieren; und wegen Veröffentlichung von Materialien zur Unterstützung einer feministischen Gruppe, die sich gegen das System richtet". Diese Freiheitsstrafe wurde im Berufungsverfahren durch die Abteilung 3 des regionalen Berufungsgerichts auf sechs Monate reduziert.

Hintergrundinformation

Hintergrund

[img_assist|nid=17226|title=Maryam Bidgoli|desc=© privat|link=none|align=left|width=100|height=130]Die Kampagne Eine Million Unterschriften, auch als Kampagne für Gleichberechtigung bekannt, ist eine basisdemokratische Initiative, die aus einem Netzwerk engagierter Menschen besteht, die sich für ein Ende der Diskriminierung der Frau im iranischen Gesetz einsetzen. Die Kampagne gibt freiwilligen Helferinnen ein Training in Rechtsfragen. Diese reisen dann im Land herum und werben für die Kampagne. Sie sprechen mit Frauen bei ihnen zuhause und an öffentlichen Orten über ihre Rechte und die Notwendigkeit rechtlicher Reformen. Die Freiwilligen zielen auch darauf ab, eine Million Unterschriften von iranischen Staatsangehörigen zu sammeln, um mit dieser Petition das Ende der rechtlichen Diskriminierung von Frauen im Iran zu fordern. Zahlreiche Aktivist_innen wurden wegen ihrer Aktivitäten für die Kampagne für Gleichberechtigung festgenommen oder drangsaliert, manche während sie Unterschriften für die Petition sammelten.

Dies ist das erste Mal, dass ein iranisches Gericht entschieden hat, dass die Kampagne eine Gruppe sei, die "die nationale Sicherheit stört". In allen vorherigen Fällen waren Personen, die in Verbindung mit dem Sammeln von Unterschriften für die Kampagne wegen Sicherheitsverstößen unter Anklage standen, entweder in erster oder zweiter Instanz freigesprochen worden. Auf dieser Grundlage hatten Fatemeh Masjedi und Maryam Bidgoli eine gerichtliche Überprüfung ihres Falls gefordert.

In Artikel 19 der iranischen Verfassung ist die Gleichstellung aller iranischen Staatsbürger_innen festgeschrieben. Artikel 21 fordert die Wahrung der Rechte von Frauen und Artikel 26 gestattet das "Bilden von Parteien, Gesellschaften, politischen oder beruflichen Vereinigungen … vorausgesetzt, sie verstoßen nicht gegen die Prinzipien der Unabhängigkeit, Freiheit und nationalen Einheit, gegen die Kriterien des Islam oder die Grundlagen der Islamischen Republik." Mitglieder der Kampagne Eine Million Unterschriften haben stets darauf hingewiesen, dass ihre Aktivitäten voll und ganz im Einklang mit iranischem Recht stehen.

EMPFOHLENE AKTIONEN
SCHREIBEN SIE BITTE E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte gern die Gründe für Fatemeh Masjedis Festnahme und ihren derzeitigen Haftort erfahren und Sie höflich auffordern, ihr umgehend Zugang zu ihrer Familie und ihrer anwaltlichen Vertretung zu gewähren.

  • Sollte man sie festgenommen haben, damit sie ihre sechsmonatige Haftstrafe antritt, fordere ich Sie nachdrücklich auf, sie umgehend und bedingungslos freizulassen. Denn in diesem Fall ist sie eine gewaltlose politische Gefangene, die sich nur deshalb in Haft befindet, weil sie ihre Rechte auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit wahrgenommen hat. Zu diesen Rechten gehört auch der Einsatz für die Menschenrechte wie in diesem Fall das Sammeln von Unterschriften für eine Petition, in der das Ende der Diskriminierung der Frauen im iranischen Recht gefordert wird.

  • Ich appelliere an Sie, Maryam Bidgoli nicht zu inhaftieren, da sie sonst ebenfalls eine gewaltlose politische Gefangene wäre.

  • Ich möchte Sie daran erinnern, dass das friedliche Sammeln von Unterschriften für eine Petition zur Änderung von Gesetzen kein Verbrechen ist, sondern vielmehr unter das Recht auf freie Meinungsäußerung fällt. Dieses wiederum wird in Artikel 19 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte garantiert, dessen Vertragsstaat der Iran ist.