Türkei 06. Februar 2018

TÜRKEI: NACH VERLÄNGERUNG DER UNTERSUCHUNGSHAFT FORDERT AMNESTY DIE SOFORTIGE FREILASSUNG VON TANER KILIÇ - PROTEST VOR TÜRKISCHER BOTSCHAFT

Wann:
Mittwoch, 7. Februar 2018
9:00 Uhr

Wo:
Vor der Botschaft der Türkei
Tiergartenstraße 19-21
10785 Berlin

Was:                           
Amnesty-Aktivisten protestieren mit Schildern und Bannern für die sofortige Freilassung des inhaftierten Amnesty-Vorstands Taner Kılıç.
In der vergangenen Woche hatte ein Gericht in Istanbul zuerst
Kılıçs Freilassung angeordnet, nur um diese Entscheidung keine 24 Stunden später wieder aufzuheben.

 

Berlin, 06.02.2018 – Der Vorstandsvorsitzende der türkischen Amnesty-Sektion sitzt seit acht Monaten in Untersuchungshaft. Nachdem ein Gericht in Istanbul am vergangenen Mittwoch seine Freilassung angeordnet hatte, wurde diese Entscheidung von demselben Gericht in einer 360-Grad-Wendung keine 24 Stunden später wieder revidiert. Kılıç wird weiterhin in einem Gefängnis in Izmir festgehalten.

Das offensichtlich politisch motivierte Verfahren gegen Taner Kılıç soll am 21. Juni weitergehen. Mit ihm sind auch zehn weitere Menschenrechtsverteidiger angeklagt. Zu ihnen gehören die Direktorin der türkischen Amnesty-Sektion İdil Eser und der deutsche Trainer Peter Steudtner, die gemeinsam mit acht weiteren Menschenrechtsverteidigern im Juli 2017 in Istanbul festgenommen worden sind. Inzwischen sind die #Istanbul10 wieder auf freiem Fuß.

Der Menschenrechtsanwalt und Amnesty-Vorstandsvorsitzende Taner Kılıç ist seit nunmehr 246 Tagen (Stand 06.02.) inhaftiert. Er wird be­schuldigt, Mitglied der Gülen-Bewegung anzuge­hören. Dieser Vorwurf beruht maßgeblich auf der Unter­stellung, er habe „ByLock“ – eine laut türkischen Behörden auch von Mit­gliedern der Gülen-Bewegung genutzte Messenger-App – auf sein Smartphone herunter­geladen und genutzt. Taner Kılıç bestreitet, die App je herunter­geladen oder verwendet zu haben.
Zwei unab­hän­gige forensische Unter­suchungen bestätigen außer­dem, dass es keinerlei Hinweise auf die Installation der App auf seinem Handy gibt. Unabhängig davon ist die Nutzung einer App kein glaubwürdiger Beweis für ein Strafvergehen.

Amnesty International ruft die türkischen Behörden auf, Taner Kılıç sofort freizulassen und alle Vorwürfe gegen ihn, İdil Eser sowie alle weiteren angeklagten Menschenrechts­verteidiger fallen zu lassen.

Für Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle.

Ausführliche Amnesty-Analysen mit den Untersuchungen zu den Anklageschriften, weitere Hintergrundinformationen sowie Bild- und Videomaterial finden Sie auf bit.ly/Amnesty_Eser_Kilic.

Mehr dazu