Terminhinweis: Türkischer Menschenrechtsanwalt in Berlin
BERLIN, 27.02.2012 - Ercan Kanar arbeitet als Rechtanwalt in Istanbul und ist auf politisch motivierte Verfahren spezialisiert. Auf Einladung von Amnesty International berichtet er am 1. und 2. März in Berlin von der dramatischen Zunahme von Strafverfahren gegen Anwälte, Journalisten und Politiker. Den meisten wird vorgeworfen, Mitglied oder Unterstützer der KCK (Union der Gemeinschaften Kurdistans) zu sein oder linken Organisationen anzugehören. Unter den inhaftierten Intellektuellen sind der Verleger Ragıp Zarakolu, der seit Jahrzehnten Bücher zu Tabu-Themen veröffentlicht hat, und die Professorin Büşra Ersanlı.
Die Strafverfahren gegen diese Personen basieren auf schwammigen Straftatbeständen des Anti-Terror-Gesetzes. Sie verstoßen gegen rechtsstaatliche Grundsätze und das Recht auf ein faires Verfahren. Tatsächlich gibt es kein Land dieser Erde, in dem es so leicht ist, zum Terroristen erklärt zu werden, wie in der Türkei. Die Nachrichtenagentur AP fand in einer Untersuchung zu 66 Ländern heraus, dass in den letzten 10 Jahren insgesamt 35.117 Personen als Terroristen verurteilt wurden. Für die meisten Verurteilungen war die Türkei (12.897) verantwortlich, gefolgt in weitem Abstand von China (7.000).
Kanar war von 1990 bis 998 Vorsitzender der Zweigstelle des türkischen Menschenrechtsvereins IHD in Istanbul, von 1992 bis 1996 war er außerdem stellvertretender Vorsitzender des nationalen IHD. Im Januar 2012 hat er sich wegen der dramatischen Zunahme von Strafverfahren gegen Rechtsanwälte an der Gründung der "Plattform für das Recht auf Verteidigung", der mehrere Juristen-Vereine angehören, beteiligt.
Ercan Kanar wird am 2. März ab 19 Uhr auf einer öffentlichen Veranstaltung von Amnesty International sprechen (Havemannsaal des Hauses für Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin). Am 1. und 2. März steht er für Interviews zur Verfügung. Für Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an die Amnesty Pressestelle.