Philippinen: Haft für Journalistin und Gemeindemitarbeiterin
Die philippinische Aktivistin Marielle Domequil (undatiertes Foto)
© Photo courtesy of Altermidya
Am 22. Januar wurden die Journalistin Frenchie Mae Cumpio und die Gemeindearbeiterin Marielle Domequil wegen angeblicher Terrorismusfinanzierung zu Haftstrafen von 12 bzw. 18 Jahren verurteilt. Sie sind bereits seit dem 7. Februar 2020 inhaftiert. Zuvor hatte die Regierung ihre Büros in Tacloban durchsucht. Die beiden Frauen haben Berufung gegen ihre Verurteilung eingelegt. Ihr Antrag auf Freilassung gegen Kaution wurde am 16. Februar abgelehnt. Frenchie Mae Cumpio und Marielle Domequil gehören zusammen mit drei weiteren Personen zu den "Tacloban 5", die bei Razzien festgenommen wurden. Der Menschenrechtsverteidiger Alexander Philip "Chakoy" Abinguna ist ebenfalls seit 2020 inhaftiert. Sein Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Marissa Cabaljao und Mira Legion wurden im Jahr 2020 gegen Kaution freigelassen. Amnesty International fordert die philippinischen Behörden auf, Alexander Philip "Chakoy" Abinguna, Frenchie Mae Cumpio und Marielle Domequil unverzüglich und bedingungslos freizulassen und die Verfolgung der "Tacloban 5" sofort zu beenden.
Bitte setzt euch für Alexander Philipp Abinguna, Frenchie Mae Cumpio und Mariel Domiquil ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Appell an
Präsident
Ferdinand Marcos Jr.
President of the Republic of the Philippines
Malacañang Palace
JP Laurel Street
Manila
PHILIPPINEN
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik der Philippinen
I.E. Frau Irene Susan Natividad
Luisenstr. 16
10117 Berlin
Fax: 030-873 2551
E-Mail: info@philippine-embassy.de; berlin.pe@dfa.gov.ph
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie höflich auf, die Strafverfolgung der "Tacloban 5" durch die sofortige Einstellung der Anklagen gegen sie zu beenden und sicherzustellen, dass Alexander Philipp Abinguna, Frenchie Mae Cumpio und Mariel Domiquil sofort und bedingungslos freigelassen werden.
- Bitte beenden Sie die gefährliche und bisweilen tödliche Praxis des "Red-Tagging" (Diffamierung als Terrorist*innen/Kommunist*innen) und sorgen Sie für ein sicheres und förderliches Umfeld für Journalist*innen, Aktivist*innen, humanitäre Helfer*innen und Menschenrechtsaktivist*innen, damit sie ihrer wichtigen Arbeit ohne Angst vor Belästigung, Einschüchterungen und Kriminalisierung nachgehen können.
Sachlage
Die Journalistin Frenchie Mae Cumpio, die Gemeindearbeiterin Marielle Domequil und der Menschenrechtsverteidiger Alexander Philip "Chakoy" Abinguna sind immer noch willkürlich inhaftiert. Alexander Philip "Chakoy" Abinguna, Frenchie Mae Cumpio und Marielle Domequil gehören zu den sogenannten "Tacloban 5", die im Februar 2020 bei mutmaßlich rechtswidrigen Razzien in ihren Büros in Tacloban festgenommen wurden und sich seitdem in Haft befinden. Am 22. Januar 2026 wurden Frenchie Mae Cumpio und Marielle Domequil wegen angeblicher Terrorismusfinanzierung zu Haftstrafen von 12 bzw. 18 Jahren verurteilt. Vom Vorwurf des illegalen Besitzes von Schusswaffen und Sprengstoff wurden sie freigesprochen. Die beiden Frauen beantragten bis zum Ausgang ihres Berufungsverfahrens die Freilassung gegen Kaution. Dies wurde jedoch am 16. Februar abgelehnt. In dem Verfahren gegen Alexander Philip "Chakoy" Abinguna wegen illegalen Besitzes von Schusswaffen und Sprengstoff gibt es keine nennenswerten Fortschritte.
Sechs Jahre willkürliche Inhaftierung sind ein Hohn auf die Gerechtigkeit. Die "Tacloban 5" hätten gar nicht erst inhaftiert werden dürfen. Bei den Polizeirazzien im Jahr 2020, die zu ihrer Festnahme führten, soll es zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein, u. a. waren bei der Durchsuchung ihrer Zimmer keine Zeug*innen anwesend und Beweise wie Schusswaffen und Sprengstoff sollen dort platziert worden sein. Soweit bekannt, hat es keine wirksamen Untersuchungen zu diesen Vorwürfen gegeben.
Darüber hinaus erklärte das philippinische Berufungsgericht im November 2025 das Verfahren gegen Frenchie Mae Cumpio und Marielle Domequil für nichtig, da es keine ausreichenden Beweise dafür gebe, dass sie Mitglieder der bewaffneten Gruppe New People's Army seien, wie die Polizei im Rahmen ihrer Praxis der Diffamierung von Journalist*innen und Aktivist*innen (Red-Tagging) behauptet hatte. Das Gericht bezeichnete den Fall sogar als eine "voreilige Bezeichnung von Menschenrechtsverteidiger*innen als Terrorist*innen".
Hintergrundinformation
Gemeindejournalistin Frenchie Mae Cumpio; Mariel Domequil von den Landmissionaren der Philippinen; die Sprecherin des People Surge Network Marissa Cabaljao; Mira Legion, Mitglied der Bagong Alyansang Makabayan (Neue Patriotische Allianz) im Osten der Inselgruppe Visayas und Alexander Philip Abinguna, Nationalratsmitglied für die Menschenrechtsorganisation Karapatan. wurden bei zeitgleichen Durchsuchungen am 7. Februar 2020 in Tacloban festgenommen.
Berichten zufolge richtete das Durchsuchungsteam seine Schusswaffen auf die fünf Personen, bevor es sie aufforderte, ihre Zimmer zu verlassen, um dann die Durchsuchung ohne Zeug*innen durchzuführen. Die fünf gaben an, dass das Durchsuchungsteam Beweise platziert habe, darunter Schusswaffen und Sprengstoff, die angeblich auf ihren Betten gefunden wurden – eine Praxis der Sicherheitskräfte, die auf den Philippinen weithin dokumentiert ist, um Aktivist*innen aufgrund von nicht anfechtbaren Anschuldigungen festzunehmen und ihre Aktivitäten zu behindern.
Seit 2016, erst unter dem ehemaligen Präsidenten Rodrigo Duterte und heute unter der Regierung von Präsident Ferdinand Marcos Jr., sind Menschenrechtsverteidiger*innen und politische Aktivist*innen immer wieder Schikanen, Drohungen und Angriffen ausgesetzt, einschließlich rechtswidriger Tötungen. Viele dieser Menschenrechtsverteidiger*innen und Aktivist*innen gehören Organisationen an, die von der Regierung oder unbekannten Personen im Zuge des "Red-Tagging" beschuldigt wurden, eine Tarnung für kommunistische Gruppen zu sein, eine Anschuldigung, die sie wiederholt zurückgewiesen haben. In der sich verschlechternden Menschenrechtsbilanz der Philippinen wurde am 4. Juni 2020 der Bericht des UN-Menschenrechtsrats vorgestellt. Darin hieß es, dass "Menschenrechtsverteidiger*innen seit fast 20 Jahren verbale und tätliche Angriffe erleiden, bedroht und strafrechtlich verfolgt werden". Es wird auch die Praxis des "Red-Tagging" darin erwähnt, die "eine ernste Bedrohung der Zivilgesellschaft und der Meinungsfreiheit darstellt".
Trotz wiederholter Aufforderungen von UN-Mitgliedstaaten im Rahmen einer Überprüfung der philippinischen Menschenrechtslage im November 2022, diese Praxis zu beenden, wurde das "Red-Tagging" auch unter der Marcos-Regierung fortgesetzt. In verschiedenen Schulforen, an denen Angehörige der Sicherheitskräfte teilnahmen, wurden die Schüler*innen beispielsweise davor gewarnt, sich Jugendorganisationen anzuschließen, die von den Sicherheitskräften beschuldigt wurden, "Frontorganisationen" der Kommunistischen Partei der Philippinen und ihres bewaffneten Flügels, der Neuen Volksarmee, zu sein. Auch andere Zielgruppen und Einzelpersonen – darunter Journalist*innen, Mitarbeiter*innen in der Entwicklungszusammenarbeit, Anwält*innen, Aktivist*innen und indigene Völker – wurden weiterhin auf der Grundlage des Antiterrorgesetzes und des Gesetzes zur Verhinderung und Unterdrückung der Terrorismusfinanzierung (Terrorism Financing Prevention and Suppression Act) mit "Red-Tagging" versehen oder strafrechtlich verfolgt.