China: Journalistin in Lebensgefahr

Days
:
Std
:
Min
Profilaufnahme einer jungen Frau aus China in dunkler Kleidung.

Bürgerjournalistin Zhang Zhan

Das Leben der Bürgerjournalistin Zhang Zhan ist in Gefahr. Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich in erschreckender Geschwindigkeit. Sie wurde am 31. Juli wegen starker Mangelernährung in ein Krankenhaus eingeliefert. Ihr Gewicht liegt unter 40 kg und sie hat Schwellungen an den Beinen und Füßen. Ihre Mutter durfte seit Februar das erste Mal mit ihr telefonieren und forderte sie auf, ihren Teil-Hungerstreik zu überdenken. Zhang Zhan möchte ihn aber trotz des hohen Gesundheitsrisikos weiterführen, als Zeichen ihrer Unschuld und als Protest gegen ihre Verurteilung. Der Zugang zu ihrer Familie und Rechtsbeiständen ihrer Wahl ist nicht gewährleistet. Zhang Zhan bleibt dem Risiko weiterer Folter und anderer Misshandlung ausgesetzt, insbesondere, wenn sie ihren Hungerstreik fortführt.

Setzt euch für Zhang Zhan ein!

Bereits bei "Mein Amnesty" registriert? Dann bitte hier anmelden.
Ich habe die Datenschutzhinweise zur Kenntnis genommen.
Meine Profildaten (Vorname, erster Buchstabe des Nachnamens) dürfen bei Aktionsteilnahme angezeigt werden.
Pflichtfelder

Dein Appell

In welcher Sprache möchtet du den Brief verschicken? Bitte auswählen

Sehr geehrter Herr Direktor,

ich schreibe Ihnen, um meiner großen Sorge um das Leben der Bürgerjournalistin Zhang Zhan (张展) Ausdruck zu verleihen, deren Gesundheitszustand sich in den letzten Monaten so dramatisch verschlechtert hat, dass sie kürzlich in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Als gewaltlose politische Gefangene, die nur deshalb inhaftiert wurde, weil sie friedlich ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen hat, hätte Zhang Zhan keinen einzigen Tag im Gefängnis verbringen dürfen.

Ich war zwar erleichtert, als ich hörte, dass Zhang Zhan am 2. August zum ersten Mal seit Anfang Februar 2021 wieder mit ihrer Mutter sprechen konnte, doch es war äußerst beunruhigend, von ihrem schlechten Gesundheitszustand zu erfahren. Nach Angaben der Behörden wurde Zhang Zhan am 31. Juli wegen schwerer Unterernährung ins Krankenhaus eingeliefert. Da Zhang Zhan weniger als 40 kg wiegt und an geschwollenen Beinen und Füßen leidet, bin ich zutiefst besorgt, dass sie in Ihrem Gewahrsam sterben könnte.

Zhang Zhan ist entschlossen, ihren teilweisen Hungerstreik fortzusetzen, um ihre Unschuld zu beteuern und gegen ihre Verurteilung zu protestieren. Es ist wichtig, dass sie nicht noch einmal gefoltert oder anderweitig misshandelt wird, wie sie es im Gefängnis des Neuen Bezirks Pudong erlebt hat. Zhang Zhan muss unbedingt regelmäßigen Zugang zu ihrer Familie und Rechtsbeiständen ihrer Wahl haben.

Ich fordere Sie daher dringend auf, Zhang Zhans Recht auf Gesundheit, Autonomie und freie Meinungsäußerung zu respektieren und sicherzustellen, dass sie umgehend und regelmäßig Zugang zu medizinischer Versorgung erhält. Stellen Sie sicher, dass Zhang Zhan bis zu ihrer Freilassung regelmäßigen und uneingeschränkten Zugang zu ihrer Familie und Rechtsbeiständen ihrer Wahl hat und nicht weiter gefoltert oder misshandelt wird. Ich fordere die sofortige und bedingungslose Freilassung von Zhang Zhan, da sie nur deshalb inhaftiert wurde, weil sie friedlich ihr Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Director Chen

I am writing to express grave concern for the life of citizen journalist Zhang Zhan (张展), whose health has deteriorated so dramatically over the last months that she has recently required hospitalization. A prisoner of conscience, imprisoned solely for peacefully exercising her right to freedom of expression, Zhang Zhan should not have spent a single day in prison.

While I was relieved to hear that Zhang Zhan was able to speak to her mother on 2 August, the first time since early February 2021, it was extremely upsetting to learn about her dire physical condition. According to the authorities, Zhang was admitted to hospital on 31 July due to severe malnutrition. With Zhang Zhan weighing less than 40 kg and suffering from swollen legs and feet, I am deeply concerned that she may die while in your care.

While Zhang is determined to continue her partial hunger strike to assert her innocence and protest her sentencing, it is important that she does not face any further incidents of torture and other ill-treatment as she experienced in Pudong New District Detention Centre. To that end, it is imperative that Zhang has regular access to her family and lawyers of her choice.

I therefore urge you to respect Zhang Zhan’s right to health, autonomy and expression, and ensure that she has prompt and regular access to medical attention. Pending her release, ensure that Zhang Zhan has regular, unrestricted access to her family and lawyers of her choice and is not subjected further to torture or other ill-treatment. Call for the release of Zhang Zhan immediately and unconditionally, as she has been imprisoned solely for peacefully exercising her human right to freedom of expression.

Yours sincerely,

Du möchtest die Botschaft lieber per Brief, Fax oder mit deinem eigenen E-Mail-Programm versenden?

Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.

Achtung: Aufgrund der Corona-Pandemie ist der internationale Postverkehr zurzeit eingeschränkt. Welche Länder betroffen sind, siehst du hier: Aktuelle Informationen zum Coronavirus

Bitte abschicken bis: 27.10.2021

Appell an

Chen Jianhua
Director of Shanghai Women’s Prison
No 1601, Zhangjing Road, Sijing Zhen,
Songjiang Qu, Shanghai 201601
VOLKSREPUBLIK CHINA

Sende eine Kopie an

Botschaft der Volksrepublik China
S. E. Herrn Ken Wu
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin

Fax: 030-27 58 82 21
E-Mail: presse.botschaftchina@gmail.com

 

Amnesty fordert:

Sachlage

Der Gesundheitszustand der Bürgerjournalistin Zhang Zhan hat sich in den letzten Monaten drastisch verschlechtert, so dass sie am 31. Juli wegen Mangelernährung in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Nach Angaben der Behörden wiegt sie weniger als 40 kg und leidet an Schwellungen an den Beinen und Füssen. Das Risiko, dass sie während der Haft stirbt, ist nicht ausgeschlossen.

Am 2. August durfte Zhang Zhan zum ersten Mal seit Anfang Februar mit ihrer Mutter sprechen, die sie gebeten hat, ihren Hungerstreik zu beenden. Trotz der Bitte ihrer Mutter ist sie entschlossen, den Hungerstreik teilweise fortzuführen, um gegen ihre Verurteilung zu protestieren und zu zeigen, dass sie unschuldig ist. Sie darf nicht erneut gefoltert und misshandelt werden, wie sie es im Gefängnis des Neuen Bezirks Pudong erlebt hat. Ihr muss unbedingt regelmäßiger Zugang zu ihrer Familie und Rechtsbeiständen ihrer Wahl gewährt werden. Als gewaltlose politische Gefangene, die nur deshalb inhaftiert wurde, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung friedlich wahrgenommen hat, hätte Zhang Zhan nicht einen einzigen Tag im Gefängnis verbringen dürfen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die ehemalige Anwältin Zhang Zhan ist eine Bürgerjournalistin und äußert sich zu politischen und menschenrechtlichen Belangen in China. Im Februar 2020 reiste sie nach Wuhan, damals das Zentrum des Covid-19-Ausbruchs in China. Sie berichtete auf Online-Plattformen wie WeChat, Twitter und YouTube über die Inhaftierung unabhängiger Reporter_innen und die Schikane der Familienangehörigen der Betroffenen.

Zhang Zhan verschwand am 14. Mai in Wuhan. Später wurde bekannt, dass sie mehr als 640 km entfernt bei der Polizei in Shanghai inhaftiert war.

Zhang Zhan trat im Juni 2020 in den Hungerstreik, um gegen ihre Inhaftierung zu protestieren und um ihre Unschuld zu beteuern. Obwohl sie die Absicht hatte, den Hungerstreik fortzusetzen, sollen Gefängnisbeamt_innen ihr gegen ihren Willen über einen Schlauch Nahrung verabreicht haben. An der Zwangsernährung sollen auch ihre Mithäftlinge beteiligt gewesen sein. Ihr Rechtsbeistand berichtete, dass sie körperlich sehr schwach sei und an Magenschmerzen und Schwindel leide und kaum gehen könne. Zhang Zhan musste Berichten zufolge als Strafe für ihren Hungerstreik mehr als drei Monate lang Tag und Nacht Hand- und Fußfesseln tragen.

Am 28. Dezember 2020 wurde die Bürgerjournalistin Zhang Zhan vor dem Volksgericht des Bezirks Pudong in Shanghai zu vier Jahren Haft verurteilt. Ihr wird vorgeworfen, "Streit angefangen und Ärger provoziert zu haben" (寻衅滋事罪), aufgrund ihrer Berichterstattung über Covid-19. Im April 2021 erhielt ihre Familie die Information, dass sie in das Frauengefängnis in Shanghai verlegt worden sei. Seit der Verlegung in das Gefängnis führte Zhang Zhan den Hungerstreik teilweise weiter, indem sie nur leichte Nahrungsmittel wie Kekse oder Mantou (kleine, gedämpfte Brötchen) isst.

Ihre Familie durfte sie bisher nicht besuchen. Die Besuchsanträge wurden jeweils ohne Angabe von Gründen abgelehnt.

Bürgerjournalist_innen waren die erste, wenn nicht einzige Quelle für unzensierte Informationen aus erster Hand zum Covid-19-Ausbruch in China. Es gibt nicht viele Bürgerjournalist_innen, da sie keine offizielle Akkreditierung erhalten können, diese aber benötigt wird, um berichten zu dürfen. Bürgerjournalist_innen sind in China ständigen Schikanen und Repressionen ausgesetzt, weil sie Nachrichten und Informationen verbreiten, die von der Regierung zensiert worden sind. Es liegen zahlreiche Berichte darüber vor, dass unabhängige Journalist_innen und Aktivist_innen von den Behörden drangsaliert wurden, weil sie in den Sozialen Medien Informationen über Covid-19 gepostet hatten. Hierzu zählt auch der Rechtsanwalt und Bürgerjournalist Chen Qiushi, der über behördliche Schikane berichtete, nachdem er Aufnahmen aus Krankenhäusern in Wuhan ins Internet gestellt hatte. Ebenso Fang Bin aus Wuhan, der kurzzeitig von den Behörden festgehalten wurde, nachdem er ein Video geteilt hatte, in dem Personen zu sehen sind, die mutmaßlich an Covid-19 gestorben sind.

Die Straftat "Streit angefangen und Ärger provoziert zu haben" (寻衅滋事罪) unter Paragraf 293 des chinesischen Strafrechts ist ein weit gefasster und vage formulierter Straftatbestand, der häufig eingesetzt wird, um gegen Aktivist_innen und Menschenrechtsverteidiger_innen vorzugehen. Dieser Straftatbestand fand ursprünglich nur Anwendung bei Störungen der öffentlichen Ordnung auf Plätzen, seit 2013 fallen darunter aber auch digitale Räume. Bei einem Schuldspruch drohen den Verurteilten bis zu fünf Jahre Haft.