Aserbaidschan: Inhaftierter Wissenschaftler offenbar misshandelt

Das Foto zeigt Bahruz Samadov lächelnd vor dem Hintergrund eines Stadtpanoramas.

Die Haftbedingungen von Bahruz Samadov sind besorgniserregend. Der Wissenschaftler sitzt im Gefängnis, weil er sich für Frieden einsetzt. Er war viele Monate allein in einer Zelle und bekommt nicht die medizinische Hilfe, die er braucht.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Präsident, 

Ich schreibe Ihnen, um meine tiefe Besorgnis über den sich rapide verschlechternden körperlichen und psychischen Gesundheitszustand von Bahruz Samadov zum Ausdruck zu bringen. Der Wissenschaftler und Friedensaktivist ist im Hochsicherheitsgefängnis Umbaki willkürlich inhaftiert und ihm wird Berichten zufolge die benötigte medizinische Versorgung verweigert.

Die Art und Weise, wie er in Haft behandelt wird, gibt Anlass zu ernsthaften Bedenken hinsichtlich möglicher Folter und anderer Misshandlungen, und es sind dringend Maßnahmen erforderlich, um seine Gesundheit, seine Sicherheit und sein Wohlergehen zu schützen. Am 23. Juni 2025 wurde Bahruz Samadov wegen Hochverrats zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Am 25. September 2026 verletzte er sich nach einer Anhörung vor dem Obersten Gerichtshof, nachdem sein ungerechtfertigtes Urteil erneut bestätigt worden war. Der Friedensaktivist wird aus politischen Gründen verfolgt – es liegen keine glaubwürdigen Beweise gegen ihn vor.

Ich fordere Sie und Ihre Regierung auf, Bahruz Samadov sofort und bedingungslos freizulassen. Beenden Sie bis dahin seine Isolationshaft und sorgen Sie dafür, dass er sofort Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung hat, und unter Bedingungen festgehalten wird, die internationalen Standards entsprechen. Leiten Sie bitte umgehend eine wirksame Untersuchung seiner willkürlichen Strafverfolgung und seiner Behandlung in Haft ein. Stellen Sie die mutmaßlich dafür Verantwortlichen in fairen Verfahren vor Gericht. Ich fordere Sie außerdem auf, die Kriminalisierung von friedlichen Kritiker*innen insgesamt zu beenden..

Hochachtungsvoll

Dear President Aliyev,

I am writing to express grave concern for the rapidly deteriorating physical and mental health of Bahruz Samadov, a researcher and peace activist, who has been arbitrarily imprisoned for 15 years, and is reportedly being denied medical care he requires and subjected to prolonged solitary confinement at the high-security Umbaki Prison. His treatment in detention raises serious concerns about possible torture and other ill-treatment and he requires urgent intervention to protect his health, safety and well-being. In February 2026, Bahruz Samadov was transferred to Umbaki Prison, a high security facility, located approximately 70 kilometres from his grandmother, his only living close relative. He is reportedly confined to a dark, cramped cell without access to the prison yard. He was also denied his prescribed medications for more than a month and refused ophthalmological care despite a significant deterioration in his eyesight. His doctor reportedly attributed the deterioration to his detention conditions. On 25 September 2026, after the Supreme Court rejected all defence motions and upheld his conviction, Bahruz Samadov intentionally cut his right arm during a break in the hearing, saying: 'When words run out, you have to speak with blood.’ Bahruz Samadov has reportedly attempted to take his own life twice while in detention. He has also been held in solitary confinement as a punitive measure for two months and subjected to deliberate isolation during court hearings. Along with the denial of necessary healthcare, these circumstances may amount to torture, inhuman or degrading treatment or punishment.

I call on you and your government to release Bahruz Samadov immediately and unconditionally, and pending this, end his solitary confinement and ensure that he urgently receives the medical care he requires, and that he is held in safe and humane conditions. Conduct a prompt and effective investigation into his unfounded prosecution and his treatment in detention, and bring those suspected of responsibility to justice in fair proceedings. End the criminalisation of peaceful dissent. 

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 30.01.2027

Appell an

Ilham Aliyev
President of Azerbaijan 
19 Istiqlaliyyat Street
Baku AZ1066
ASERBAIDSCHAN

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Aserbaidschan
S. E. Herrn Nasimi Aghayev
Klingelhöferstraße 20
10785 Berlin

Fax: 030-219 161 52
E-Mail: berlin@mission.mfa.gov.az

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie und Ihre Regierung auf, Bahruz Samadov sofort und bedingungslos freizulassen. Beenden Sie bis dahin seine Isolationshaft und sorgen Sie dafür, dass er sofort Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung hat, und unter Bedingungen festgehalten wird, die internationalen Standards entsprechen. 
  • Leiten Sie bitte umgehend eine wirksame Untersuchung seiner willkürlichen Strafverfolgung und seiner Behandlung in Haft ein. Stellen Sie die mutmaßlich dafür Verantwortlichen in fairen Verfahren vor Gericht.
  • Ich fordere Sie außerdem auf, die Kriminalisierung von friedlichen Kritiker*innen insgesamt zu beenden.

Sachlage

Der Gesundheitszustand von Bahruz Samadov wird immer schlechter. Der Wissenschaftler und Friedensaktivist ist willkürlich im Hochsicherheitsgefängnis Umbaki inhaftiert. Dort war er immer wieder lange in Einzelhaft. Berichten zufolge bekommt er nicht die medizinische Versorgung, die er braucht. Seine Behandlung könnte Folter oder anderer Misshandlung gleichkommen. Seine Gesundheit, Sicherheit und sein Wohlergehen müssen dringend geschützt werden.

Am 23. Juni 2025 wurde Bahruz Samadov wegen angeblichen Hochverrats zu 15 Jahren Haft verurteilt, nachdem er sich friedlich für Frieden eingesetzt hatte. Am 25. September bestätigte der Oberste Gerichtshof das Urteil. Aus Protest gegen diese Entscheidung verletzte er sich anschließend selbst.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Seine Großmutter - die einzige noch lebende Verwandte von Bahruz Samadov - und sein Rechtsbeistand konnten ihn nach seiner Festnahme zwei Tage lang nicht erreichen. Eine Freilassung gegen Kaution wurde ihm verweigert, und der Antrag seiner Rechtsbeistände, ihn für die Dauer der Untersuchungshaft unter Hausarrest zu stellen wurde abgelehnt.

Im Februar 2026 wurde Bahruz Samadov in das Hochsicherheitsgefängnis Umbaki verlegt, das für seine schlechten Haftbedingungen bekannt ist. Berichten zufolge ist er in einer dunklen, engen Zelle eingesperrt, ohne Zugang zum Gefängnishof. Außerdem wurden ihm mehr als einen Monat lang seine verschriebenen Medikamente vorenthalten. Obwohl sich sein Sehvermögen deutlich verschlechtert hatte, wurde ihm eine augenärztliche Behandlung wochenlang verweigert. Als ihn im September endlich ein Augenarzt untersuchte, verschrieb dieser ihm lediglich Augentropfen und stellte fest, dass die Haftbedingungen für die Verschlechterung seines Zustands verantwortlich waren.

Am 23. Juni 2025 wurde Bahruz Samadov wegen Hochverrats zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine 16-jährige Haftstrafe gefordert, woraufhin Bahruz Samadov fünf Tage lang in den Hungerstreik trat. Nach Angaben seiner Großmutter hatte er auch versucht, sich im Gewahrsam das Leben zu nehmen, wurde aber durch das Eingreifen eines anderen Inhaftierten daran gehindert. Er wurde zwei Monate lang als Strafmaßnahme in Isolationshaft gehalten und während der Gerichtsverhandlungen bewusst isoliert. Zusammen mit der Verweigerung der notwendigen medizinischen Versorgung können diese Umstände Folter, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Bestrafung gleichkommen.

Am 25. September 2026, nachdem der Oberste Gerichtshof alle Rechtsmittel der Verteidigung zurückgewiesen und das Urteil bestätigt hatte, schnitt sich Bahruz Samadov während einer Verhandlungspause absichtlich in den rechten Arm. Er sagte: "Wenn die Worte versiegen, muss man mit Blut sprechen." 

Bahruz Samadov, Doktorand an der Karlsuniversität in Prag, ist seit Langem ein lautstarker Kritiker der Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan und ein Befürworter des Friedens im Südkaukasus. Seit er 2020 eine "Anti-Kriegs-Erklärung der aserbaidschanischen linken Jugend" mitunterzeichnete, wird er von den aserbaidschanischen Staatsmedien, Expert*innen und Behördenvertreter*innen wegen seiner Friedensaufrufe öffentlich als Verräter beschimpft. Er wurde am 21. August 2024 bei einem Besuch in Baku festgenommen und gemäß Paragraf 274 des Strafgesetzbuchs wegen "Hochverrats" angeklagt. 

Die gegen Bahruz Samadov erhobenen Vorwürfe beruhen auf seinem friedlichen Einsatz für Dialog und Frieden mit dem Nachbarland Armenien und seiner Kritik an der Vertreibung der armenischen Bevölkerung aus der abtrünnigen Region Bergkarabach, die Aserbaidschan zwischen 2020 und 2023 mit militärischer Gewalt unter eigene Kontrolle gebracht hat. Beiträge, die er in angesehenen internationalen Medien wie OC Media, Eurasianet und OpenDemocracy veröffentlicht hatte, befassten sich mit Menschenrechtsthemen und friedlichen Lösungen für den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan; gleiches galt für seine Beiträge in den Sozialen Medien. 

Der Friedensaktivist wird aus politischen Gründen verfolgt – es liegen keine glaubwürdigen Beweise gegen ihn vor. Der Prozess fand praktisch hinter verschlossenen Türen statt: Nur einige wenige Personen, darunter seine Großmutter sowie einige Freund*innen und Aktivist*innen, durften bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal anwesend sein.

Der Oberste Gerichtshof bestätigte am 25. September 2026 im Rechtsmittelverfahren den Schuldspruch. Bei der Anhörung gab der Vorsitzende Richter bekannt, dass er zuvor in Khankendi (Stepanakert) in Bergkarabach gearbeitet hatte. Der Anwalt von Bahruz Samadov erhob daraufhin einen Befangenheitsantrag, der abgelehnt wurde. Bahruz Samadov hat sich am selben Tag während einer Pause in einer Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof mit einem scharfen Gegenstand mehrmals in den rechten Arm geschnitten. Er sagte anschließend: "Als Reaktion auf die Behandlung, die mir zuteilwird, auf den Staatsterror gegen mich, werde ich mit meinem eigenen Blut antworten." 

Am 20. Oktober 2026 besuchte ein Vertreter der aserbaidschanischen Ombudsstelle Bahruz Samadov in der Haftanstalt. In einer Erklärung im Anschluss an das Treffen bezeichnete sich Bahruz Samadov als gewaltlosen politischen Gefangenen. Ihm werde "wegen meiner Ansichten die Freiheit entzogen". Er erklärte, er überlebe nur dank des internationalen Drucks, warnte aber zugleich, dass die aserbaidschanischen Behörden gegenüber Reaktionen aus dem Ausland "zunehmend gleichgültig" würden.

Auch der Wissenschaftler Igbal Abilov wird verfolgt. Er wurde am 20. Mai 2025 vor dem Gericht für schwere Verbrechen in Lankaran wegen "Hochverrats" und "Anstiftung zum Hass zwischen ethnischen Gemeinschaften" zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Er gehört der ethnischen Minderheit der Talysch an und ist Mitbegründer der Nationalen Talysch-Akademie in Belarus. In diesem Rahmen setzt er sich seit Langem für den Erhalt der Sprache, Geschichte und Kultur der Talysch ein. Sein Prozess fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und verstieß gegen seine Verfahrensrechte. Die Vorwürfe gegen ihn scheinen sich auf seine langjährige wissenschaftliche Arbeit zur Sprache, Geschichte und kulturellen Identität der Talysch-Minderheit zu beziehen.

Die langen Haftstrafen gegen Bahruz Samadov und Igbal Abilov auf der Grundlage konstruierter Vorwürfe scheinen darauf abzuzielen, akademische Kritik zu unterdrücken und die Auseinandersetzung mit politisch sensiblen Themen zu verhindern.