Aserbaidschan: Sorgen um die Gesundheit von Bahruz Samadov
Der aserbaidschanische Wissenschaftler und Aktivist Bahruz Samadov (undatiertes Foto)
© Privat
Der Wissenschaftler Bahruz Samadov wurde im Februar 2026 in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Dort werden ihm seit über einem Monat die Medikamente verweigert. Sein geistiger und körperlicher Zustand haben sich in der Haft erheblich verschlechtert.
Setzt euch für die Freilassung von Bahruz Samadov ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Präsident
Ilham Aliyev
President of Azerbaijan
19 Istiqlaliyyat Street
Baku AZ1066
ASERBAIDSCHAN
Sende eine Kopie an
Botschaft der Republik Aserbaidschan
S. E. Herrn Nasimi Aghayev
Klingelhöferstraße 20
10785 Berlin
Fax: 030-219 161 52
E-Mail: berlin@mission.mfa.gov.az
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie auf, Bahruz Samadov sofort und bedingungslos freizulassen.
- Stellen Sie bis zu seiner Freilassung sicher, dass er Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung hat, und unter Haftbedingungen festgehalten wird, die internationalen Standards entsprechen. Unabhängige Beobachter*innen und eine Ombudsperson für Menschenrechte müssen Bahruz Samadov in der Haft besuchen dürfen.
- Ich fordere Sie außerdem auf, die allgemeinen Repressalien gegen friedliche Kritiker*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen in Aserbaidschan zu beenden.
Sachlage
Es besteht große Sorge wegen der Inhaftierung des Forschers und Friedensaktivisten Bahruz Samadov und den Bedingungen, unter denen er im Umbaki-Gefängnis festgehalten wird.
Am 23. Juni 2025 wurde Bahruz Samadov wegen der konstruierten Anklage des "Hochverrats" zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach Angaben seiner Freund*innen und seiner Familie hat sich sein körperlicher und geistiger Zustand im Gefängnis im letzten Jahr verschlechtert. Er hat schon zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen.
Im Februar 2026 wurde Bahruz Samadov in das Umbaki-Gefängnis verlegt, ein Hochsicherheitsgefängnis, das für seine schlechten Haftbedingungen bekannt ist. Bahruz Samadov befindet sich im Hungerstreik, nachdem er ein Rechtsmittel gegen die Verlegung verloren hat, durch die er nun 70 Kilometer von seiner einzigen lebenden Verwandten, seiner 83-jährigen Großmutter Zibeyda Osmanova, entfernt ist. Er darf nur zwei Telefonate pro Woche zu führen. Den Gefängnishof kann Bahruz Samadov im Umbaki-Gefängnis überhaupt nicht nutzen. Er darf maximal zwei Stunden pro Tag einen ein Meter großen Balkon betreten. Der Zugang zu Fernsehen und Radio wird ihm verweigert.
Am 27. Februar besuchte ein medizinisches Team des Justizministeriums Bahruz Samadov auf Ersuchen seines Rechtsbeistands. Die Ärzt*innen verschrieben ihm mehrere Medikamente, die er jedoch mehr als einen Monat lang nicht erhielt. Ende Februar sah er zum letzten Mal einen Arzt. Auch kein*e Vertreter*in der Ombudsstelle für Menschenrechte hat Bahruz Samadov nach der Verlegung besucht, obwohl Bahruz Samadov auf den Zugang zu Medikamenten gedrängt hatte.
Hintergrundinformation
Bahruz Samadov, Doktorand an der Karlsuniversität in Prag, ist seit Langem ein lautstarker Kritiker der Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan und ein Befürworter des Friedens im Südkaukasus. Seit er 2020 eine "Anti-Kriegs-Erklärung der aserbaidschanischen linken Jugend" mitunterzeichnete, wird er von den aserbaidschanischen Staatsmedien, Expert*innen und Behördenvertreter*innen wegen seiner Friedensaufrufe öffentlich als Verräter beschimpft. Er wurde am 21. August 2024 bei einem Besuch in Baku festgenommen und gemäß Paragraf 274 des Strafgesetzbuchs wegen "Hochverrats" angeklagt.
Seine Familie und sein Rechtsbeistand konnten ihn nach seiner Festnahme zwei Tage lang nicht erreichen. Eine Freilassung gegen Kaution wurde ihm verweigert, und der Antrag seiner Rechtsbeistände, ihn für die Dauer der Untersuchungshaft unter Hausarrest zu stellen und ihm den Kontakt zu seiner Familie zu ermöglichen, wurde abgelehnt.
Die gegen Bahruz Samadov erhobenen Vorwürfe beruhen auf seinem friedlichen Einsatz für Dialog und Frieden mit dem Nachbarland Armenien und seiner Kritik an der Vertreibung der armenischen Bevölkerung aus der abtrünnigen Region Bergkarabach, die Aserbaidschan zwischen 2020 und 2023 mit militärischer Gewalt unter eigene Kontrolle gebracht hat. Beiträge, die er in angesehenen internationalen Medien wie OC Media, Eurasianet und OpenDemocracy veröffentlicht hatte, befassten sich mit Menschenrechtsthemen und friedlichen Lösungen für den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan; gleiches galt für seine Beiträge in den Sozialen Medien.
Der Friedensaktivist wird aus politischen Gründen verfolgt – es liegen keine glaubwürdigen Beweise gegen ihn vor. Der Prozess fand praktisch hinter verschlossenen Türen statt: Nur einige wenige Personen, darunter seine Großmutter (seine engste noch lebende Verwandte) sowie einige Freund*innen und Aktivist*innen, durften bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal anwesend sein.
Die Staatsanwaltschaft forderte eine 16-jährige Haftstrafe, woraufhin Bahruz Samadov im Juni 2025 fünf Tage lang in den Hungerstreik trat. Nach Angaben seiner Großmutter hatte er auch versucht, sich im Gewahrsam das Leben zu nehmen, wurde aber durch das Eingreifen eines anderen Inhaftierten daran gehindert. Sein Rechtsbeistand und Aktivist*innen vor Ort äußern seither große Sorge bezüglich seines geistigen und körperlichen Zustands.
Die langen Haftstrafen gegen Bahruz Samadov und den Wissenschaftler Igbal Abilov auf der Grundlage konstruierter Vorwürfe scheinen darauf abzuzielen, akademische Kritik zu unterdrücken und die Auseinandersetzung mit politisch sensiblen Themen zu verhindern.