Aserbaidschan: Sorgen um die Gesundheit von Bahruz Samadov

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Das Foto zeigt Bahruz Samadov lächelnd vor dem Hintergrund eines Stadtpanoramas.

Der aserbaidschanische Wissenschaftler und Aktivist Bahruz Samadov (undatiertes Foto)

Der Wissenschaftler Bahruz Samadov wurde im Februar 2026 in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Dort werden ihm seit über einem Monat die Medikamente verweigert. Sein geistiger und körperlicher Zustand haben sich in der Haft erheblich verschlechtert.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Präsident Aliyev,

der Wissenschaftler Bahruz Samadov wurde im Februar 2026 in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Dort werden ihm seit über einem Monat die Medikamente verweigert. Sein geistiger und körperlicher Zustand haben sich in der Haft erheblich verschlechtert.

Ich fordere Sie auf, Bahruz Samadov sofort und bedingungslos freizulassen.

Stellen Sie bis zu seiner Freilassung sicher, dass er Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung hat, und unter Haftbedingungen festgehalten wird, die internationalen Standards entsprechen. Unabhängige Beobachter*innen und eine Ombudsperson für Menschenrechte müssen Bahruz Samadov in der Haft besuchen dürfen.

Ich fordere Sie außerdem auf, die allgemeinen Repressalien gegen friedliche Kritiker*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen in Aserbaidschan zu beenden. 

Mit freundlichen Grüßen

Dear President Aliyev,                                                                         

I am writing to express my deep concern about the detention of researcher and peace activist Bahruz Samadov and the conditions under which he is being held at Umbaki Penitentiary Prison. 

On 23 June 2025, Samadov was sentenced to 15 years in prison on trumped-up charges of "high treason." According to his friends and family, his mental and physical health has deteriorated over the last year while in custody. He has twice attempted to commit suicide in prison.

In February 2026, Bahruz Samadov was transferred to Umbaki Penitentiary Prison, a high security facility known for its harsh conditions. Samadov has been on hunger strike having lost an appeal against the transfer, which places him 70 kilometres from his only living relative, his 83-year-old grandmother, Zibeyda Osmanova. He is permitted to make two phone calls every week. At Umbaki prison, Samadov is not permitted to access the prison yard at all. He is only allowed access to a one-metre balcony for no more than two hours a day. Access to television and radio have been taken away. 

On February 27, a medical team from the Ministry of Justice visited Samadov, following his lawyer’s request, and prescribed several medications, he did not receive them for more than a month. The last time a doctor visited him was at the end of February 2026. However, no representative from the Public Defender has visited Samadov after the transfer despite Samadov`s outcry for access to medicine.

I call on you to immediately and unconditionally release Bahruz Samadov. Pending his release, ensure that he has access to adequate health care, is held in prison conditions that meet international standards and that independent observers and the Public Defender are allowed to visit Bahruz Samadov in detention. I also call on you to end the broader reprisals against peaceful critics, journalists and activists.  

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 30.06.2026

Appell an

Präsident
Ilham Aliyev
President of Azerbaijan 
19 Istiqlaliyyat Street
Baku AZ1066
ASERBAIDSCHAN

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Aserbaidschan
S. E. Herrn Nasimi Aghayev
Klingelhöferstraße 20
10785 Berlin

Fax: 030-219 161 52
E-Mail: berlin@mission.mfa.gov.az


 

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie auf, Bahruz Samadov sofort und bedingungslos freizulassen.
  • Stellen Sie bis zu seiner Freilassung sicher, dass er Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung hat, und unter Haftbedingungen festgehalten wird, die internationalen Standards entsprechen. Unabhängige Beobachter*innen und eine Ombudsperson für Menschenrechte müssen Bahruz Samadov in der Haft besuchen dürfen.
  • Ich fordere Sie außerdem auf, die allgemeinen Repressalien gegen friedliche Kritiker*innen, Journalist*innen und Aktivist*innen in Aserbaidschan zu beenden. 

Sachlage

Es besteht große Sorge wegen der Inhaftierung des Forschers und Friedensaktivisten Bahruz Samadov und den Bedingungen, unter denen er im Umbaki-Gefängnis festgehalten wird. 

Am 23. Juni 2025 wurde Bahruz Samadov wegen der konstruierten Anklage des "Hochverrats" zu 15 Jahren Haft verurteilt. Nach Angaben seiner Freund*innen und seiner Familie hat sich sein körperlicher und geistiger Zustand im Gefängnis im letzten Jahr verschlechtert. Er hat schon zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen.

Im Februar 2026 wurde Bahruz Samadov in das Umbaki-Gefängnis verlegt, ein Hochsicherheitsgefängnis, das für seine schlechten Haftbedingungen bekannt ist. Bahruz Samadov befindet sich im Hungerstreik, nachdem er ein Rechtsmittel gegen die Verlegung verloren hat, durch die er nun 70 Kilometer von seiner einzigen lebenden Verwandten, seiner 83-jährigen Großmutter Zibeyda Osmanova, entfernt ist. Er darf nur zwei Telefonate pro Woche zu führen. Den Gefängnishof kann Bahruz Samadov im Umbaki-Gefängnis überhaupt nicht nutzen. Er darf maximal zwei Stunden pro Tag einen ein Meter großen Balkon betreten. Der Zugang zu Fernsehen und Radio wird ihm verweigert. 

Am 27. Februar besuchte ein medizinisches Team des Justizministeriums Bahruz Samadov auf Ersuchen seines Rechtsbeistands. Die Ärzt*innen verschrieben ihm mehrere Medikamente, die er jedoch mehr als einen Monat lang nicht erhielt. Ende Februar sah er zum letzten Mal einen Arzt. Auch kein*e Vertreter*in der Ombudsstelle für Menschenrechte hat Bahruz Samadov nach der Verlegung besucht, obwohl Bahruz Samadov auf den Zugang zu Medikamenten gedrängt hatte. 

Hintergrundinformation

Hintergrund

Bahruz Samadov, Doktorand an der Karlsuniversität in Prag, ist seit Langem ein lautstarker Kritiker der Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan und ein Befürworter des Friedens im Südkaukasus. Seit er 2020 eine "Anti-Kriegs-Erklärung der aserbaidschanischen linken Jugend" mitunterzeichnete, wird er von den aserbaidschanischen Staatsmedien, Expert*innen und Behördenvertreter*innen wegen seiner Friedensaufrufe öffentlich als Verräter beschimpft. Er wurde am 21. August 2024 bei einem Besuch in Baku festgenommen und gemäß Paragraf 274 des Strafgesetzbuchs wegen "Hochverrats" angeklagt. 

Seine Familie und sein Rechtsbeistand konnten ihn nach seiner Festnahme zwei Tage lang nicht erreichen. Eine Freilassung gegen Kaution wurde ihm verweigert, und der Antrag seiner Rechtsbeistände, ihn für die Dauer der Untersuchungshaft unter Hausarrest zu stellen und ihm den Kontakt zu seiner Familie zu ermöglichen, wurde abgelehnt.

Die gegen Bahruz Samadov erhobenen Vorwürfe beruhen auf seinem friedlichen Einsatz für Dialog und Frieden mit dem Nachbarland Armenien und seiner Kritik an der Vertreibung der armenischen Bevölkerung aus der abtrünnigen Region Bergkarabach, die Aserbaidschan zwischen 2020 und 2023 mit militärischer Gewalt unter eigene Kontrolle gebracht hat. Beiträge, die er in angesehenen internationalen Medien wie OC Media, Eurasianet und OpenDemocracy veröffentlicht hatte, befassten sich mit Menschenrechtsthemen und friedlichen Lösungen für den Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan; gleiches galt für seine Beiträge in den Sozialen Medien. 

Der Friedensaktivist wird aus politischen Gründen verfolgt – es liegen keine glaubwürdigen Beweise gegen ihn vor. Der Prozess fand praktisch hinter verschlossenen Türen statt: Nur einige wenige Personen, darunter seine Großmutter (seine engste noch lebende Verwandte) sowie einige Freund*innen und Aktivist*innen, durften bei der Urteilsverkündung im Gerichtssaal anwesend sein.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine 16-jährige Haftstrafe, woraufhin Bahruz Samadov im Juni 2025 fünf Tage lang in den Hungerstreik trat. Nach Angaben seiner Großmutter hatte er auch versucht, sich im Gewahrsam das Leben zu nehmen, wurde aber durch das Eingreifen eines anderen Inhaftierten daran gehindert. Sein Rechtsbeistand und Aktivist*innen vor Ort äußern seither große Sorge bezüglich seines geistigen und körperlichen Zustands. 

Die langen Haftstrafen gegen Bahruz Samadov und den Wissenschaftler Igbal Abilov auf der Grundlage konstruierter Vorwürfe scheinen darauf abzuzielen, akademische Kritik zu unterdrücken und die Auseinandersetzung mit politisch sensiblen Themen zu verhindern.