Mein Körper, meine Rechte
Von Timm Christmann
Bei dem Wort Menschenrechte denken viele nur an bekannte Rechte wie Meinungsfreiheit, das Verbot von Diskriminierung oder die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz. Zu den eher unbekannten gehören die sexuellen und reproduktiven Rechte. Doch ihr Schutz ist nicht minder wichtig.
Millionen Menschen weltweit können nicht frei entscheiden, mit wem sie Sex haben möchten, wann oder wen sie heiraten. Unzählige Frauen und Mädchen können nicht darüber bestimmen, ob und wann sie Kinder haben wollen. Der Zugang zu Aufklärung über Verhütung und Mitteln der Geburtenkontrolle ist in etlichen Ländern nicht gegeben. Homosexuelle werden verfolgt, in manchen Ländern drohen ihnen Gefängnis, ja sogar die Todesstrafe.
Im Kern geht es bei den sexuellen und reproduktiven Rechten um das Recht auf Selbstbestimmung. Jeder Mensch hat das Recht, über Fragen, die seinen Körper, seine sexuelle Identität und seine Fortpflanzung betreffen, frei und unabhängig zu entscheiden.
Was es bedeutet, wenn Menschen das verwehrt wird, machen folgende Zahlen deutlich: Weltweit bekommen pro Jahr mindestens 14 Millionen heranwachsende Mädchen ein Kind infolge von gewaltsam erzwungenem Sex. Pro Jahr gibt es weltweit 215.000 Fälle von Müttersterblichkeit, die sich durch Zugang zu Verhütungsmitteln vermeiden ließen. 24 europäische Länder verlangen von Transgender-Personen, sich sterilisieren zu lassen, damit ihre Geschlechtszugehörigkeit offiziell anerkannt wird.
Hinter diesen Zahlen stecken dramatische und zum Teil grausame Einzelfälle und Geschichten. In El Salvador können Frauen bei einer Fehlgeburt wegen Mordes angeklagt werden und für Jahre im Gefängnis landen. Man unterstellt ihnen eine Abtreibung, die in dem mittelamerikanischen Land unter allen Umständen verboten ist. In Norwegen kämpft die Transgender-Frau John Jeanette Solstad Remø bisher vergeblich dafür, dass sie ihr Geschlecht offiziell ändern darf.
Amnesty International setzt sich daher mit der globalen Kampagne "My Body, My Rights" für den Schutz der sexuellen und reproduktiven Rechte ein.
Timm Christmann ist Kampagnen-Koordinator der deutschen Amnesty-Sektion.