Amnesty Journal 31. Oktober 2011

Filme der Jugend

Der Iran-Irak-Krieg. Szene aus dem Film "Molf-e-Gand".

Der Iran-Irak-Krieg. Szene aus dem Film "Molf-e-Gand".

Das diesjährige "Internationale Nürnberger Film­festival der Menschenrechte" widmet sich dem Leben junger Menschen unter erschwerten Bedingungen. Besonderes Highlight ist der Schwerpunkt Ägypten.

Von Jürgen Kiontke

Die Leiterin des Internationalen Nürnberger Filmfestivals der Menschenrechte, Andrea Kuhn, kann bei der diesjährigen Ausgabe nicht nur ein neues, von Studenten der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg entworfenes Design präsentieren, sondern hat auch das Programm auf eine junge Zielgruppe ausgerichtet: "Wir wollen noch mehr als bisher ein junges Publikum ansprechen und unsere besonderen Qualitäten stärker in den Vordergrund rücken."

So beschäftigt sich ein Schwerpunkt mit der vor allem von der jungen Generation getragenen ägyptischen Revolution. Beispielhaft ist hier der Film "Microphone": Darin geht es um junge Künstler in der Untergrundszene Alexandrias, die mit den neuen Verhältnissen klarzukommen versuchen: HipHopper, Rocksängerinnen, Skater, Graffiti-Künstler. Wie bewirken junge Menschen Veränderungen? Der Film versucht diese Frage zu klären, ebenso wie weitere filmische Werkstattberichte aus dem Labor der neuen arabischen Bewegung.

Um Jugend geht es auch bei dem Projekt "Open Eyes": Zehn Filme laufen in diesem Programm speziell für Schulklassen. Die Veranstalter rechnen mit 2.000 Schülern pro Woche. Insgesamt wurden in Nürnberg 58 Filme aus 30 Nationen ausgewählt. Elf konkurrieren im Wettbewerb um den mit 2.500 Euro dotierten Hauptpreis – darunter so interessante Werke wie "Eighty Letters", ein Film, den Regisseur Václav Kadrnka nach seinen eigenen Erinnerungen über die letzten Jahre des Ostblocks gestaltet hat. Oder "Molf-e Gand" von Mahmood Rahmani: Dieses Werk handelt vom iranisch-irakischen Krieg in den achtziger Jahren. Und Leonard Retel Helmrich erzählt in "Position Among the Stars" von einer Familie, die in den Slums von Jakarta zurechtzukommen versucht.

In der Jury sitzen dieses Jahr unter anderem der Regisseur Petr Lom ("Letters to the President"), der kurz zuvor selbst noch in Ägypten drehte, und die Leiterin des Glasgower Festivals der Menschenrechte, Mona Rai. Ein weiteres Highlight stellen drei Filme aus Kolumbien dar. Sie werden zu Ehren des diesjährigen Menschenrechtspreisträgers der Stadt Nürnberg, Hollman Morris, gezeigt. Morris, Fernsehjournalist aus Bogotá, erhielt aufgrund seiner Arbeit schon mehrfach Morddrohungen. 2009 initiierte Amnesty International deshalb eine Briefaktion für ihn.

Das Festival steht unter der Schirmherrschaft des berühmten Kamerakünstlers Michael Ballhaus. Der Eröffnungsfilm ist "Wunderkinder" von Markus O. Rosenmüller, die Geschichte einer jungen russischen Musikerin zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs.

www.filmfestival-der-menschenrechte.de

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