Amnesty Journal 16. Januar 2012

Endlich mal Widersprüche

»Schrecklich schönes Afrika«, ein Reportageband von Margit Maximilian, zeigt nicht nur das Elend des Kontinents, sondern auch seine Hoffnungs­träger(innen).

Von Maik Söhler

Danke, Margit Maximilian, danke dafür, dass Sie uns ­Leser verschonen mit dem zigsten Reportageband über Afrika, der außer Kriegen, Massakern, Gräueln, Not und Elend nichts kennt. Und gleich noch einmal danke, nämlich dafür, dass Ihr Buch – anders als es Titel und Umschlaggestaltung suggerieren – unter den schönen Seiten Afrikas nicht nur die Landschaft und Tierwelt, sondern vor allem Teile des politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Alltags hervorhebt.

»Schrecklich schönes Afrika« ist ein Buch, das Hoffnung macht. Und damit macht es das Beste aus all den widersprüchlichen Erfahrungen, die die ORF-Journalistin Maximilian über Jahre in jenem Kontinent gesammelt hat. Es reiht sich also nicht ein in die Regale voller afropessimistischer Literatur über Bürgerkriege, Kindersoldaten, Massenvergewaltigungen, Amputationen, Islamismus etc. Und das, obwohl Maximilian genau ­davon schreibt.

Sie hat bettelnde Koranschüler im Senegal interviewt und Kindersoldaten in Sierra Leone, sie hat Flüchtlingscamps in Darfur besucht und das von Robert Mugabes Anhängern terrorisierte Simbabwe, sie hat Routen der Migration nach Europa untersucht und die »Sahara im Würgegriff der Al-Kaida«. Tod, Gräuel und Leiden bleiben dem Leser nicht erspart. Doch die Autorin hat auch jene Momente eingefangen, aus denen sich Hoffnung speist.

Da ist »Madame Diouf« im Senegal, die über die europäische Grenzschutzorganisation Frontex sagt: »Verdursten oder Ertrinken, das kratzt die doch nicht«, und die genau deswegen nicht aufhört, auswanderungswilligen Afrikanern eine Perspektive jenseits von Europa aufzuzeigen. Da ist Renate Winter, Richterin am Sondergerichtshof für Sierra Leone, die nicht nur den Einsatz von Kindersoldaten zum Verbrechen erklärte, sondern auch eine NGO gegründet hat, die vergewaltigte Frauen unterstützt.

Andere Reportagen erzählen von der Bevölkerungsgruppe der Dogon in Mali, die ihren Alltag zwischen Aberglauben und pragmatischen Strategien bewältigt; von der Zusammenarbeit lateinamerikanischer Drogenkartelle mit Al-Kaida mitten in der Sahara; von den Schwierigkeiten, in Uganda das Modemagazin »African Woman« herauszugeben; schließlich werden auch die unterschiedlichen Lebenswelten und Vorstellungen von Absolventen einer Elite-Universität in Südafrika vorgestellt.

Maximilian ist eine gute Reporterin. Die meisten ihrer ­Reportagen enthalten hilfreiche Verweise auf weiterführende ­Literatur oder kurze historische Einordnungen der jeweiligen Länder und ihrer Machthaber. Statt Widersprüche einzuebnen, lässt sie diese nebeneinander stehen. So entsteht nicht nur Spannung, Afrika-Klischees verschwinden hinter einem vielschichtigen Bild. Mehr kann man von einem Re­portageband kaum erwarten.

Margit Maximilian: Schrecklich Schönes Afrika. Reportagen aus einem widersprüchlichen Kontinent. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 2011. 189 Seiten, 22 Euro.

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