Amnesty Journal 19. Juli 2010

Aktiv für Amnesty Juni/Juli 2010

Ein Thema, viele Länder

Amnesty-Gruppen bieten ­regelmäßig Aktionsvorschläge zu bestimmten Menschen­rechtsthemen an.

Von Gudula Dinkelbach

Was haben Troy Davis aus den USA, die Iranerin Gilan Mohammdi und der Mongole Buuveibaatar gemeinsam? Sie alle waren zum Tode verurteilt. In allen drei Fällen haben Amnesty-Unterstützer gegen ihre drohende Hinrichtung protestiert. Und alle sind der Hinrichtung entgangen: Das Verfahren von Davis wird neu aufgerollt. Mohammdi sprachen die Richter in einem neuen Verfahren frei. Buuveibaatars Todesurteil wandelte der mongolische Präsident in eine Haftstrafe um und kündigte an, die Todesstrafe in der Mongolei ganz abschaffen zu wollen.

Niemand kann sagen, wie groß im Einzelfall der Beitrag der Aktionen von Amnesty International zu diesen Erfolgen war. Sicher ist jedoch, dass der Trend zur Abschaffung der Todesstrafe anhält, seit die Organisation vor über 30 Jahren ihre Kampagne gegen diese grausame und sinnlose Strafe gestartet hat. Fast ebenso lang beschäftigt sich auch in Deutschland eine Amnesty-Gruppe mit dem Thema.

Die Todesstrafe ist eines der Menschenrechtsthemen, zu denen sich in der deutschen Amnesty-Sektion eine sogenannte Koordinationsgruppe gebildet hat, wie es sie auch zu einzelnen Ländern gibt. Folter, Meinungsfreiheit und Menschenrechtsverletzungen an Frauen sind weitere Themen, um die sich spezielle Gruppen kümmern. Auch das Thema "Heilberufe" wird in dieser Weise bearbeitet. Es geht dabei um Heilberufler als Opfer von Menschenrechtsverletzungen und um Therapieangebote für Folteropfer. Doch weist die Gruppe in ihren öffentlichen Veranstaltungen auch darauf hin, dass Ärzte und Psychologen nicht selten an Folter und Misshandlungen beteiligt sind.

Seit Mai 2010 bieten viele dieser Amnesty-Gruppen "Aktionsnetzwerke" an. Wer sich für ein bestimmtes Thema interessiert, kann sich dort anmelden und bekommt regelmäßig Aktionsvorschläge zu aktuellen Fällen oder Anliegen zugesandt. Wer sich beispielsweise beim "Netzwerk Kinderrechte" anmeldet, erhält einmal im Monat einen Musterbrief oder einen Link zu einer Onlineaktion zum Thema Recht auf Bildung, Kinder im Krieg oder zur Todesstrafe an Minderjährigen.

Die Autorin ist Mitglied der Fachkommission Öffentlichkeitsarbeit der deutschen ­Amnesty-Sektion.

Mitmachen: Zur Anmeldung einfach eine E-Mail mit dem Betreff ­"Anmeldung" an das jeweilige Netzwerk senden. Aktionsnetzwerke
haben sich bisher zu folgenden Themen gebildet:
Rechte für Frauen (netzwerk-frauen@amnesty.de)
Gewerkschaften (netzwerk-gewerkschaften@amnesty.de)
Heilberufe (netzwerk-heilberufe@amnesty.de)
Kinderrechte (netzwerk-kinderrechte@amnesty.de)
Polizei (netzwerk-polizei@amnesty.de)
Todesstrafe (netzwerk-gegen-todesstrafe@amnesty.de)
Menschenrechte und sexuelle Identität (netzwerk-mersi@amnesty.de)

Siehe auch http://www.amnesty.de/netzwerke-fuer-die-­menschenrechte

Celle/Recklinghausen: Solidarität mit verfolgten Gewerkschaftern

Sie werden verfolgt, misshandelt oder ermordet. In vielen Ländern weltweit leben Gewerkschafter gefährlich. Mitglieder von Amnesty International in Deutschland nutzten daher den Tag der Arbeit, um für die Unterstützung verfolgter Gewerkschafter zu werben. So sammelte die Celler Amnesty-Gruppe am 1. Mai während eines Festes auf dem Brandplatz Unterschriften für die Freilassung der beiden Gewerkschafter Tran Quoc Hien aus Vietnam und Mansour Ossanlou aus dem Iran. Die Männer sind allein deshalb im Gefängnis, weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung wahrgenommen haben. Auf die Situation von Ossanlou machten auch Mitglieder der Amnesty-Gruppe Recklinghausen aufmerksam. Sie nahmen an einer Fahrradtour zur Unterstützung iranischer Gewerkschafter und Journalisten teil, die am 1. und 2. Mai von Essen über Recklinghausen nach Dortmund führte. Initiiert wurde die Tour von dem iranischen Journalisten-Ehepaar Mehrnaz Asadi und Mojtaba Davari.

Erlangen: Fair Play für Frauen

Anlässlich des Weltfrauentages machte der ­Amnesty-Arbeitskreis "Menschenrechtsverletzungen an Frauen verhindern" mit einer Kundgebung auf die Lage der Frauen in Südafrika aufmerksam. Während des Demonstrationszuges vom Erlanger Rathausplatz zum Hugenottenplatz protestierten die Amnesty-Mitglieder unter dem Motto "Fair Play für Frauenrechte" gegen die schlechte Gesundheitsversorgung, die zu einer hohen Müttersterblichkeit führt, und gegen die häusliche Gewalt in dem Land. In einer Petition an die südafrikanischen Behörden forderten Teilnehmer und Passanten einen besseren Schutz vor Gewalt und eine umfangreiche gesundheitliche Versorgung für Frauen. Der Arbeitskreis "Menschenrechtsverletzungen an Frauen verhindern" gehört zur Erlanger Amnesty-Gruppe. Er informiert jedes Jahr zum Internationalen Frauentag am 8. März bei einer Aktion in der Innenstadt über Frauenrechte. Der Arbeitskreis arbeitet eng mit dem Erlanger Frauenhaus zusammen. In der Vergangenheit sammelte er außerdem Unterschriften und Spenden für ein Frauenhaus in Erlangens türkischer Partnerstadt Beşiktaş und unterstützte ein Beratungszentrum für Frauen im albanischen Tirana.

Monika Lüke über die Fussball-WM

Die Südafrikaner fiebern dem Beginn der Weltmeisterschaft entgegen. Als ich nach Ostern Südafrika besuchte, begegnete mir in jedem Haus und jeder Hütte die Frage "Wer wird Fußballweltmeister?". Ob Politiker, Medien oder die Jugendlichen im Township Khayelitsha in Kapstadt, das ich besuchte – alle sind stolz darauf, die WM im eigenen Land zu haben.

Als ich allerdings nach Menschenrechten fragte, hieß es: "Das ist etwas ganz anderes." Doch das ist es nicht! Große Sportveranstaltungen sind immer politisch und haben häufig einen direkten Menschenrechtsbezug. Bei den Olympischen Spielen in Peking vor zwei Jahren war das offensichtlich, als im Vorfeld der Spiele politische Gegner mundtot gemacht, aus der Stadt geschafft oder inhaftiert wurden. Aber auch vor der WM 2006 in Deutschland haben wir uns an der "Abpfiff"-Kampagne gegen Zwangsprostitution beteiligt.

Amnesty International will und wird kein Spielverderber sein. Aber wie es eine südafrikanische Amnesty-Kollegin ausdrückte: Guter Fußball benötigt eine ordentliche Verteidigung, Südafrika braucht Menschenrechtsverteidiger, die besser arbeiten können. Damit sich die Zustände in den Gefängnissen verbessern, damit HIV-Infizierte nicht diskriminiert werden und damit Menschen aus afrikanischen Nachbarstaaten nicht nur bei der WM willkommen sind. Fußball bietet auch eine Chance für die Menschenrechte. Es ist unsere Aufgabe, Regierungen, Sportfunktionäre und Spieler daran zu erinnern. Auch 2011. Dann findet die Fußballweltmeisterschaft der Frauen in Deutschland statt.

Monika Lüke ist Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion.

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