Filmtipps aus unserem März/April Journal
"En Guerre – Streik". F 2018. Regie: Stéphane Brizé. Darsteller: Vincent Lindon, Oliver Lemaire. Kinostart: 25. April 2019
Von "schwarzem Gold" und dem Kampf um Grundbedürfnisse und Würde. Unser Autor empfiehlt aktuelle Menschenrechtsfilme.
Von Jürgen Kiontke
Das dunkle Paradies
Auf der Suche nach den ökologischen Grundlagen der Wirtschaft verschlägt es Regisseurin Jasmin Herold nach Fort McMurray im hohen Norden Kanadas. Hier befindet sich eines der größten Ölsandvorkommen der Welt. Das "schwarze Gold" zieht Menschen aus aller Herren Länder an, denn die Förderung beschert allen, die dort arbeiten, ein hohes Einkommen. Die Arbeiter sind stolz auf das, was sie geschafft, oder genauer gesagt, angeschafft haben: ihre Eigenheime und intelligenten Kühlschränke.
"I love oil sands" steht auf ihren T-Shirts. Die dunkle Seite des Paradieses: Die Ureinwohner sind schon lange vertrieben, und die Gewinnung des Schweröls aus Teersand setzt lebensgefährliche Gifte frei, die Natur, Tiere und Menschen krank machen. Schallkanonen sollen Vögel davon abhalten, sich auf der Oberfläche eines Sees niederzulassen – denn dann sterben sie. Als Herold sich bei der Recherche in ihren späteren Co-Regisseur Michael Beamish verliebt, wird sie selbst zur Betroffenen. Denn Michael leidet – wie viele andere hier – an Krebs. "Dark Eden" wirft einen konzentrierten Blick auf die Zerstörung der Lebensgrundlagen – von oben sieht das Gelände so tot aus wie ein unbewohnbarer Planet. "Um die Maschine am Laufen zu halten, geht die ganze Welt drauf", sagt Beamish. Ein intensiver Film über das Paradox, dass der Mensch die Umwelt und sich selbst ruiniert, um ein scheinbar besseres Leben zu führen.
"En Guerre – Streik". F 2018. Regie: Stéphane Brizé. Darsteller: Vincent Lindon, Olivier Lemaire. Kinostart: 25. April 2019.
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Der Preis der Arbeit
Es ist ein Kampf um Grundbedürfnisse und um Würde: Knapp zwei Jahre zuvor hatte der Autoteilezulieferer Perrin mit den 1.100 Angestellten eines Werks in der französischen Provinz ein Abkommen unterzeichnet: Die Arbeiter nahmen Lohnkürzungen in Kauf, dafür sollte die Arbeit für fünf Jahre gesichert sein. Doch jetzt müssen Gewerkschafter Laurent Amédéo und seine Mitstreiter erkennen, dass die Abmachung nichts wert ist: Der deutsche Mutterkonzern drängt auf Schließung des profitablen Werks. Die Arbeiter wollen sich nicht kampflos den Gesetzen des Marktes beugen. In der strukturschwachen Region gibt es keine Arbeit, manchen droht gar Obdachlosigkeit, aus der Politik kommen lediglich schöne Worte.
Die Beschäftigten streiken, protestieren vor dem Firmensitz, werden von Ordnungskräften verprügelt, manche gar festgenommen. Arbeitnehmerrechte sind Menschenrechte: Der Spielfilm "En Guerre – Streik" ist eine zweistündige Tour de Force durch einen harten Arbeitskampf. Dabei stellt der Film die Gewerkschafter in den Mittelpunkt und schildert auch, wie sich Belegschaften mitunter gegenseitig fertigmachen. Einigkeit und Solidarität herzustellen, ist für Amédéo beinahe die schwierigste Aufgabe. Dass der Kampf um ein menschenwürdiges Dasein auch in einem entwickelten Industrieland tödlich enden kann, wird mit drastischen Bildern gezeigt. Wenn es einen Film zu den Motiven der "Gelbwesten" gibt, dann dieser.