Aktuell Malaysia 08. Juni 2017

Schadensersatz für malaysischen Karikaturisten

Mann zeichnet mit Filzstift Handschellen auf eine Flip-Chart-Tafel

Der malaysische Karikaturist Zunar im Juli 2016 in London

Der Karikaturist Zunar erhält Schadenersatz. Das ordnete das Oberste Gericht von Kuala Lumpur am 11. April an. Malaysische Polizei und Regierung sollen umgerechnet 3719 Euro zahlen.

Diese Entscheidung folgt auf eine Anhörung des Falls von Zunar gegen die Regierung am 16. Februar hinsichtlich der Beschlagnahmung seiner Bücher und Zeichnungen vor sieben Jahren. Zunar, der mit bürgerlichem Namen Zulkiflee Anwar Ulhaque heißt, ist sehr zufrieden mit der Entscheidung. Er hatte seine Klage aus Prinzip eingebracht, um die Polizei an den Wert von Kunst und einen sorgsamen Umgang mit den Kunstwerken bei einer Beschlagnahmung zu erinnern.

Zunar nimmt in seinen Zeichnungen häufig politische Missstände wie Korruption oder Wahlbetrug aufs Korn. Die Behörden haben ihn seit Jahren im Visier. Die Polizei durchsuchte mehrfach das Büro des Zeichners. Er wurde wiederholt drangsaliert und inhaftiert. Seine Bücher mit Karikaturen wurden verboten und beschlagnahmt. Weil er sich auf Twitter kritisch über die Verurteilung eines malaysischen Oppositionsführers geäußert hat, droht ihm weiterhin eine jahrzehntelange Gefängnisstrafe.

Zunar ist auf Grundlage des "Gesetzes gegen staatsgefährdende Aktivitäten" angeklagt. Das drakonische Gesetz stammt noch aus der Kolonialzeit. Die malaysische Regierung greift immer häufiger darauf zurück, um Diskussionen zu unterbinden und kritische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Allein im ersten Halbjahr 2015 wurden mehr als 40 Medienschaffende, Akademikerinnen und Akademiker, Anwältinnen und Anwälte und Aktivistinnen und Aktivisten wegen "staatsgefährdender Aktivitäten" verhört, inhaftiert oder angeklagt. Amnesty hatte sich unter anderem im Rahmen des Briefmarathons 2015 für Zunar eingesetzt.

Weitere Erfolgsmeldungen und gute Nachrichten findest du auf www.amnesty.de/erfolge

Mehr dazu

Amnesty Journal 06/07 2017 Deutschland

Der Krieg vor dem Balkon

Eingeschlossen in der eigenen Wohnung, und draußen tobt der Krieg: In Philippe Van Leeuws Spielfilm »Innen Leben – Insyriated« erlebt eine Gruppe von Zivilisten die Kämpfe in Syrien als grausames Kammerspiel. Von Jürgen Kiontke Es gibt kein Wasser, keinen Strom, und draußen wurde gerade jemand erschossen: Vom Balkon aus hat man es gesehen, ganz deutlich. Die Menschen in dem Spielfilm »Innen Leben«...
Aktuell Uganda

Mehr Unterstützung bei Aufnahme von Flüchtlingen!

Uganda hat inzwischen nahezu eine Million Flüchtlinge aus dem Südsudan aufgenommen. Ihnen fehlt es an Nahrung, Wasser und Unterkunft. Geberländer müssen Uganda dringend mehr unterstützen.
Aktuell Deutschland

Regenbogen über Hannover

Bei der Jahresversammlung von Amnesty in Hannover ging es dieses Jahr um LGBTI-Rechte – mit besonderer Betonung auf dem „I“.