Aktuell 23. November 2016

"Die Erschrockenheit ist nicht weniger geworden"

Interview mit Axel Milberg zum Briefmarathon
Schauspieler Axel Milberg ist Pate des Briefmarathons 2016

Schauspieler Axel Milberg ist Pate des Briefmarathons 2016

Als Klaus Borowski ist er in Deutschland wohl am ­bekanntesten, aber der Schauspieler Axel Milberg ­vermag seit Jahren sein Publikum in zahlreichen ­Rollen zu begeistern. In diesem Jahr ist er Pate des Amnesty-Briefmarathons.

Interview: Andreas Koob

Herr Milberg, Millionen Menschen machen Stift und ­Papier zu ihrer Waffe und adressieren ihre Briefe an die Verantwortlichen von Menschenrechtsverletzungen weltweit – das ist der Briefmarathon, dessen Pate Sie sind. ­Warum?

Was gibt es Wichtigeres als die Menschenrechte und den täglichen Kampf um sie? Die Verletzung der Menschenrechte ist für uns alle eine konkrete Bedrohung.

Was gibt Ihnen den Antrieb, für andere aktiv zu sein, sich für Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger in aller Welt zu engagieren?

Ich muss einfach so oft an diese Menschen denken. Und an die Situationen, in denen sie sich befinden. Stellt euch einfach mal vor, was zum Beispiel in einem ägyptischen ­Gefängnis täglich passieren kann – möglichst konkret …

Glauben Sie, dass Engagement einen Unterschied machen kann, etwas bewirken kann?

Wir haben Gott sei Dank immer wieder Erfolg: Gefangene werden freigelassen und berichten, dass der Druck einer Öffentlichkeit aus dem fernen Ausland sie tatsächlich gerettet hat.

2016 war der 75. Jahrestag des Massakers von Babij Jar. Vor Jahren spielten Sie den SS-Offizier Paul Blobel, der die Massentötung von 33.771 Jüdinnen und Juden in der Schlucht nahe Kiew lenkte. Verändern solche Rollen Sie?

Es stimmt, solche Rollen verändern tatsächlich. Dieses Verbrechen ist wirklich geschehen. Ich habe Verantwortung, wenn ich eine historische Figur darstelle, diese glaubhaft zu machen und ihre grauenvolle Effektivität verstehbar zu machen.

Ist es für Sie als Schauspieler schwieriger, sich auf Täterrollen vorzubereiten als auf Opferrollen?

Nein, richtig schwierig ist nur eine schlecht geschriebene Rolle.

Sie sprachen einmal davon, dass Fotos von Folter- und Kriegsopfern sie als jungen Teenager nachts wachhielten. Erinnern Sie sich, was Ihnen damals durch den Kopf ging, woher die Fotos stammten?

Ich entdeckte plötzlich, was Menschen anderen Menschen antun. Ich hatte mir das nicht vorstellen können. Es waren Fotos von verfolgten Kurden. Die Farbbilder der Folterspuren waren drastisch. Die Erschrockenheit von damals ist aber nicht weniger geworden.

Weitere Informationen zum Briefmarathon 2016 finden sie auf www.amnesty.de/briefmarathon

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