Aktuell 16. Dezember 2015

Erfolgreicher Einsatz für Menschen in Gefahr

Erfolgreicher Einsatz für Menschen in Gefahr

Die sudanesische Aktivistin Sandara Faouq Kadouda

Weltweit beteiligen sich Hunderttausende Menschen an Appellaktionen von Amnesty International. Mit Briefen, E-Mails und Petitionsunterschriften bewirken sie Freilassungen, verhindern Folter, schützen Menschen vor unfairen Prozessen und retten Leben. Wie sehr dieses gemeinsame Engagement Menschen in Not und Gefahr hilft, zeigen diese Beispiele aus 2015.

MYANMAR - AUS DER HAFT ENTLASSEN

Dr. Tun Aung

Dr. Tun Aung

Am 19. Januar 2015 wurde Dr. Tun Aung nach zweieinhalb Jahren Haft auf Bewährung freigelassen. Der Arzt und Vorsitzende des Islamischen Religionsrates in Maungdaw war 2012 inhaftiert worden. Er hatte auf Bitten der Behörden versucht, bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Buddhisten und Muslimen zu vermitteln. Der gewaltlose politische Gefangene wurde auf Basis konstruierter Anklagepunkte zu 17 Jahren Haft verurteilt. Laut Behördenangaben haben die zahlreichen Amnesty-Appelle dazu geführt, dass sein Fall noch einmal untersucht wurde. "Die große Unterstützung und der Einsatz von Amnesty für meine Freilassung haben mich überwältigt“, erklärte Dr. Tun Aung. "Ich erhielt auf einmal Briefe von Amnesty-Mitgliedern. Das war der erste Lichtstrahl, der meine dunklen Tage erhellte. Gott schütze alle, die sich für ein Ende des Leids der Unterdrückten einsetzen und die für Gerechtigkeit in dieser Welt kämpfen.“

EL SALVADOR - WEGEN FEHLGEBURT INHAFTIERT - JETZT FREI

My Body, My Rights Collage

My Body, My Rights Collage

Guadalupe wurde 2007 als 18-Jährige zu 30 Jahren Haft verurteilt, nachdem sie eine Fehlgeburt erlitten hatte. Man warf ihr eine vorsätzliche Beendigung der Schwangerschaft vor und klagte sie wegen Mordes an. In El Salvador sind Schwangerschaftsabbrüche unter allen Umständen verboten und strafbar. Doch am 21. Januar 2015 stimmte die gesetzgebende Versammlung mit knapper Mehrheit für eine Begnadigung Guadalupes. Guadalupe ist eine von 17 Frauen, die wegen Schwangerschaftsabbrüchen oder Fehlgeburten zu Haftstrafen verurteilt worden sind, und die erste, die begnadigt wurde. Appelle des Eilaktionsnetzwerks von Amnesty International sowie anderer Aktivistinnen und Aktivisten in El Salvador und der ganzen Welt haben dazu beigetragen, Druck auf die salvadorianische Regierung auszuüben und sie so dazu zu bewegen, Guadalupe freizulassen.

SUDAN - AKTIVISTIN WIEDER FREI

Sandara Farouk Kadouda

Sandara Farouk Kadouda

Drei Tage lang war Sandara Farouq Kadouda spurlos verschwunden, dann kam die erlösende Nachricht: Am Abend des 15. April 2015 rief die junge Ärztin ihre Mutter an und teilte ihr mit, dass Sicherheitskräfte sie im Osten der Hauptstadt Khartum freigelassen hatten. Sandara Farouq Kadouda war am 12. April 2015 auf dem Weg zu einer Veranstaltung der Opposition, als mehrere Männer in Zivil, allem Anschein nach Angehörige des Geheimdienstes NISS, ihren Wagen anhielten. Die Männer nahmen der zweifachen Mutter das Handy ab, als sie gerade mit einer Freundin telefonierte. Diese hörte laute Stimmen, als Sandara Farouq Kadouda jemanden nach seinem Ausweis fragte. Kurz darauf wurde das Handy abgeschaltet. Ihr Wagen wurde 30 Minuten später an der Straße gefunden, er war verlassen und der Schlüssel steckte noch. Nach ihrer Freilassung befand sie sich in einem schlechten Gesundheitszustand und zeigte Anzeichen von Misshandlungen.

NORWEGEN - GROSSER SCHRITT FÜR DIE RECHTE VON TRANSGENDERN

John Jeanette Solstad Remø

John Jeanette Solstad Remø

Die Norwegerin John Jeanette Solstad Remø ist eine Transgender-Frau, die ihr amtliches Geschlecht von „Mann“ zu „Frau“ ändern möchte. Das ist in Norwegen nur möglich, wenn sie medizinische Eingriffe vornehmen lässt, die eine Sterilisation zur Folge hätten. Zudem müsste sie sich eine psychische Störung attestieren lassen. Doch im April 2015 hat ein Komitee des Gesundheitsministeriums der Regierung empfohlen, weitreichende Änderungen bezüglich der rechtlichen Anerkennung von Transgendern vorzunehmen. Damit würden mehr als 30 Jahre diskriminierender Praktiken enden. „Das ist das, wovon ich immer geträumt und was ich mir erhofft habe“, erklärte Remø. „Der Kampf hat sich gelohnt. Ohne die Unterstützung von Amnesty hätten wir es niemals geschafft.”

CHINA - FRAUENRECHTLERINNEN FREI

Li Tingting und Zheng Churan

Li Tingting und Zheng Churan

Anfang März 2015 wurden in China fünf Frauenrechtlerinnen wegen des Verdachts festgenommen, „Streit angefangen und Ärger provoziert zu haben“. Dabei hatten Li Tingting (links im Foto), Zheng Churan (rechts), Wei Tingting, Wang Man und Wu Rongrong lediglich Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag geplant, bei denen sie ein Ende der sexuellen Belästigung in öffentlichen Verkehrsmitteln fordern wollten. Unter anderem hatten sie Aufkleber mit der Aufschrift „Stoppt sexuelle Belästigung, wir wollen Sicherheit“ und „Los Polizei, verhaftet Sexualstraftäter!“ gedruckt, die sie bei den Veranstaltungen verteilen wollten. Am 13. April 2015 wurden sie gegen Kaution aus der Haft entlassen. Es wird angenommen, dass ihre Freilassung im Zusammenhang mit der nationalen und internationalen Protestwelle steht, die auf ihre Festnahme folgte.

MAZEDONIEN - FLÜCHTLINGE WERDEN NICHT LÄNGER INHAFTIERT

In der Aufnahmeeinrichtung „Gazi Baba“ in der mazedonischen Hauptstadt Skopje herrschten unmenschliche und erniedrigende Zustände: Hunderte Flüchtlinge aller Altersgruppen wurden in dem überfüllten und baufälligen Zentrum festgehalten. Ihr Zugang zu angemessenen sanitären Einrichtungen und medizinischer Versorgung war stark eingeschränkt. Im Juli 2015 wurde das Zentrum endlich geschlossen. Die Entscheidung des Innenministeriums, alle in „Gazi Baba“ inhaftierten Menschen freizulassen, ist vor allem das Ergebnis internationalen Drucks, der auf die Behörden ausgeübt worden war. Dazu trugen auch Appellschreiben von Amnesty-Unterstützerinnen und -Unterstützern bei.

TSCHAD - GEWALTLOSER POLITISCHER GEFANGENER FREIGELASSEN

Djeralar Miankeol

Djeralar Miankeol

Am 28. Juli 2015 wurde der Aktivist für Landrechte Djeralar Miankeol aus der Haft entlassen. Nachdem Amnesty weltweit Unterstützerinnen und Unterstützer mobilisiert hatte, hob das Berufungsgericht von Moundou ein früheres Urteil des Hohen Gerichts auf und ließ alle Anklagen gegen den gewaltlosen politischen Gefangenen fallen. Er war ursprünglich wegen „Beleidigung der Justiz“ verurteilt worden. Die Ehefrau von Djeralar Miankeol bedankte sich bei Amnesty: „Die Entscheidung des Gerichts, meinen Mann freizulassen und alle Anklagen gegen ihn fallenzulassen, ist ein Akt der Gerechtigkeit in einem Meer voller Ungerechtigkeit. Ich bin zutiefst dankbar für all Ihre Bemühungen, Aktionen und Gebete und für Ihr tägliches Engagement für die Verteidigung der Rechte der Menschen, die keine Stimme haben.“

Weitere Erfolgsmeldungen und gute Nachrichten finden Sie auf www.amnesty.de/erfolge

Diese Erfolgsmeldungen zeigen: Gewöhnliche Menschen können Außergewöhnliches bewirken, wenn sie sich gemeinsam gegen Unrecht einsetzen! Werden auch Sie aktiv und beteiligen Sie sich an den Appellaktionen von Amnesty International!

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