Aktuell 06. Mai 2013

Jetzt im Kino: "Fünf Jahre Leben"

 Murat Kurnaz (Sascha Alexander Geršak)  im US-Gefangenenlager Guantánamo.

Murat Kurnaz (Sascha Alexander Geršak) im US-Gefangenenlager Guantánamo.

06. Mai 2013 - Das Guantánamo-Martyrium des Deutsch-Türken Murat Kurnaz auf der Kinoleinwand: Stefan Schallers Regie-und Drehbuchdebut „Fünf Jahre Leben“ ist nicht nur die Chronik eines unvorstellbaren Missbrauchs, sondern zeigt auch den Überlebenswillen eines Mannes, dem man alles genommen hat.

Es ist schwarz vor seinen Augen. Schemenhafte Konturen dringen mit den ersten Lichtstrahlen durch die dunklen, grobmaschigen Stofffasern rund um seinen Kopf. Immer deutlicher zeigen sie Personen, die in Handschellen gelegt und eng aneinandergedrängt auf dem Boden kauern. Einheitlich in orangefarbene Anzüge gekleidet, die Gesichter unter schwarzen Beuteln verborgen. Als Murat Kurnaz (Sascha Alexander Geršak) begreift, was hier vor sich geht, ist es längst zu spät: Er ist einer der Gefangenen im Transport nach Guantánamo – ohne je eines Verbrechen angeklagt gewesen zu sein und ohne Aussicht auf ein faires Gerichtsverfahren. Fünf Jahre lang wird der Deutsch-Türke, der in Pakistan nur zu den Ursprüngen seines Glaubens reisen wollte, die brutale Willkür des „Krieges gegen den Terror“ am eigenen Leib zu spüren bekommen.

Schallers Debutfilm zeichnet die Misere von Murat Kurnaz authentisch und in atmosphärischer Bildsprache nach. Ob Schläge, Tritte und Gebrüll der Aufseher im Gefangenentrakt oder bizarre Verhörmethoden der CIA-Spezialisten – alle Maßnahmen in Guantánamo verfolgen ein gemeinsames Ziel: das Geständnis aus Kurnaz herauszupressen für einen Terror, mit dem er nichts zu tun hat.

Heute lebt Murat Kurnaz zwar in Freiheit, doch ein Problem der Vergangenheit ist seine Geschichte nicht. US-Präsident Barack Obama hat sein Versprechen, Guantánamo zu schließen, nach wie vor nicht eingelöst. Noch immer gibt es 166 Inhaftierte, die nie ein rechtsstaatliches Verfahren erhalten haben. Zwar hat Obama die Anwendung von Foltermethoden verboten, doch für die bisher begangenen Menschenrechtsverletzungen ist nie jemand zur Verantwortung gezogen worden.

Fordern Sie die Freilassung von Hussain Almerfedi!

Der jemenitische Staatsbürger Hussain Salem Mohammed Almerfedi wird seit mehr als neun Jahren vom US-Militär in Guantánamo festgehalten. Fordern Sie jetzt seine Freilassung.

Amnesty International setzt sich seit Gründung des Lagers vor elf Jahren für dessen Schließung ein und fordert, alle Gefangenen entweder freizulassen oder in einem fairen Verfahren einer Straftat anzuklagen. Die Verfilmung von Kurnaz‘ Schicksal bringt die Brisanz des Themas erneut in die öffentliche Wahrnehmung. Und ist eine Erinnerung daran, dass die US-Regierung endlich Schritte in eine Zukunft ohne Guantánamo unternehmen und bei der Bekämpfung des Terrorismus internationale Menschenrechtsverpflichtungen einhalten muss.

Weitere Informationen

Online-Aktion: Elf Jahre Guantánamo: Obama muss das Gefangenenlager endlich schließen

5 Jahre Leben - ab 23. Mai 2013 im Kino!

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