Kenia: Angst vor Angriffen macht Frauen zu Gefangenen in ihren eigenen Häusern
Lauf offiziellen Zahlen haben nur 24 Prozent der Bewohner der informellen Siedlungen in Nairobi Zugang zu Toiletten.
© Amnesty International
7. Juli 2010 - Frauen und Mädchen in den Slums von Nairobi leben in ständiger Angst vor sexueller Gewalt und in einer unwürdigen Umgebung ohne ausreichenden Zugang zu sanitären Einrichtungen. Amnesty International dokumentiert die teils lebensbedrohliche Situation von Frauen und Mädchen in den Slums von Nairobi in dem Bericht "Insecurity and Indignity: Women's experiences in the slums of Nairobi, Kenya".
Frauen werden zu Gefangenen in ihren eigenen Häusern
"Frauen in den Siedlungen von Nairobi werden nachts und manchmal schon bevor es dunkel wird, zu Gefangenen in ihren eigenen Häusern", sagt Godfrey Odongo, Ostafrika-Experte bei Amnesty International. "Frauen brauchen mehr Privatsphäre als Männer wenn sie die Toilette benutzen oder sich waschen wollen. Der fehlende Zugang zu sanitären Anlagen setzt sie der Gefahr aus, vergewaltigt zu werden. Ohne den Zugang zu den Gemeinschaftstoiletten sind sie außerdem einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt."
Keine Gerechtigkeit für Opfer von Gewalt
Die Situation wird noch verschlimmert durch die Abwesenheit der Polizei in den Siedlungen: Wenn Frauen Opfer von Gewalt werden, erfahren sie in der Regel keine Gerechtigkeit. Kibera, die größte informelle Siedlung von Nairobi, in der eine Million Menschen leben, hat keine einzige Polizeidienststelle.
"Ich habe die Gefahr immer unterschätzt", sagt die 19-jährige Amina aus der Mathare-Siedlung. "Ich bin zu jeder Zeit zu den Toiletten gegangen, auch noch spät abends. Vor zwei Monaten bin ich dann fast Opfer einer Vergewaltigung geworden".
Amina wurde von einer Gruppe von vier Männern belästigt als sie gegen 19 Uhr zu einer Toilette lief. Die Männer schlugen sie, zogen sie aus und wollten sie vergewaltigen. Ihre Schreie wurden gerade noch von Anwohnern gehört, die sofort eingriffen. Obwohl sie einen der Männer kannte, ist sie aus Angst vor Rache nicht zur Polizei gegangen.
Unwürdige Zustände für Mädchen und Frauen
Viele Frauen in informellen Siedlungen müssen, weil sie ihr Haus nachts nicht verlassen können, sogenannte "fliegende Toiletten" benutzen – Plastiktüten, die nach Gebrauch aus dem Haus geworfen werden.
Viele Frauen haben Vertretern von Amnesty International berichtet, dass sich die schlechten sanitären Bedingungen in denen sie leben auf ihre Gesundheit auswirken und hohe Kosten für ihre Gesundheitsversorgung mit sich bringen.
Andere Frauen beklagen sich über die unwürdige Situation, sich vor ihren Männern und Kindern waschen zu müssen. Es gibt zu wenige Waschräume , und um zu diesen zu gelangen müssen die Frauen lange Wege zurücklegen. Lauf offiziellen Zahlen haben nur 24 Prozent der Bewohner der informellen Siedlungen in Nairobi Zugang zu Toiletten.
Kenianische Regierung bleibt tatenlos
Um das Milleniums-Entwicklungsziel 7 zu erreichen berücksichtigt die Politik der kenianischen Regierung, abgesehen von ein paar positiven Ansätzen nicht die besonderen Bedürfnisse von Frauen, die auf Grund von fehlenden sanitären Einrichtungen sexualisierter Gewalt ausgesetzt sind.
"Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem was die Regierung verspricht und dem was in den informellen Siedlungen alltäglich passiert", sagt Godfrey Odongo.
"Die nationalen Richtlinien Kenias berücksichtigen das Recht auf sanitäre Anlagen und es existieren Gesetze und Standards. Auf Grund von jahrzehntelanger Vernachlässigung der informellen Siedlungen in der offiziellen Stadtplanung, wurden die Gesetze und Richtlinien in diesen Teilen Nairobis aber nicht umgesetzt."
Das Fehlen von Besitzsicherheit bleibt trotz der nationalen Landgesetze ein großes Problem der Mieter und gibt den Vermietern keinen Anreiz fzur Bereitstellung angemessener sanitärer Anlagen und verstärkt zudem das Problem der Sicherheit in den Siedlungen.
Amnesty fordert unverzügliche Maßnahmen
Amnesty International fordert die kenianische Regierung auf, die Einhaltung der Verpflichtungen der Grundeigentümer sicherzustellen, Toiletten und Waschmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen und gegebenenfalls die Vermieter zu unterstützen, die nicht für die Kosten aufkommen können.
Die Regierung muss unverzüglich Maßnahmen einleiten um die Sicherheitslage, die Beleuchtung und Polizeischutz in den Siedlungen zu verbessern. Zudem muss die Regierung sicherstellen, dass verantwortliche Regierungsbeamte ihre Anstrengungen die Wasser- und Sanitäranlagen zu verbessern, besser koordinieren.
Jetzt mitmachen: Fordern Sie eine umgehende Verbesserung der Sicherheitslage für Frauen in den Slums von Nairobi!