Aktuell Sri Lanka 06. Februar 2009

Zivilpersonen zwischen den Fronten

Sri Lanka

6. Februar 2009 - Die Verschärfung der Kämpfe zwischen der bewaffneten Oppositionsgruppe „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ (LTTE) und der Armee haben dazu geführt, dass zurzeit mehr als 300.000 Zivilpersonen im nordöstlichen Teil Sri Lankas eingeschlossen sind. In der Wanni-Region der Insel sind hunderte Menschen verletzt oder getötet worden.

Aktuellen Berichten zufolge verletzen beide Konfliktparteien das Kriegsrecht, indem sie Zivilpersonen angreifen und sie an einer Flucht aus den Kampfgebieten hindern. Nach Amnesty vorliegenden Informationen hat die LTTE in mindestens einem Fall verletzte Zivilpersonen davon abgehalten, in sichere Gebiete zu fliehen, und ihnen den Zugang zu medizinischer Versorgung verweigert. Dies würde ein Kriegsverbrechen darstellen.
Die srilankische Regierung führt in zivilen Wohngebieten militärische Operationen durch. Bombardierungen aus der Luft oder der Artillerie haben zu zahlreichen Toten und Verletzten unter der Zivilbevölkerung geführt sowie zur Zerstörung von Eigentum und Massenvertreibungen. Solche Angriffe auf Zivilpersonen stellen eine Verletzung des humanitären Völkerrechts dar.

Die Streitkräfte der srilankischen Regierung haben die LTTE aus allen von ihnen seit fast einem Jahrzehnt kontrollierten größeren städtischen Gebieten vertrieben und in ein kleines Landstück gedrängt. Über 300.000 Zivilpersonen, die vor den nahenden Truppen der Regierung geflohen sind, sind ebenfalls in diesem begrenzten Gebiet gefangen. Sie wurden mehrfach vertrieben und sind umso gefährdeter, je näher die Kämpfe kommen. Ihnen fehlt Schutz und sie erhalten kaum humanitäre Hilfe, insbesondere Nahrung, Obdach und medizinische Versorgung.

Flüchtlinge im Norden Sri Lanka

Flüchtlinge im Norden Sri Lanka

Die LTTE zwangsrekrutiert Zivilpersonen und schickt sie in die Kampfgebiete. Amnesty International fordert die LTTE auf, diese Zwangsrekrutierungen, von denen auch Minderjährige betroffen sind, sofort zu beenden. Zudem sollen die Restriktionen gegenüber Zivilpersonen, insbesondere den Verletzten, aufgehoben werden und ihnen der Zugang zu sicheren Gebieten und zu medizinischer Versorgung gewährt werden. Auf der anderen Seite muss die srilankische Regierung unabhängigen BeobachterInnen den Zugang in der Wanni-Region gewähren und die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Binnenflüchtlingen in den Übergangslagern aufheben. Amnesty International fordert die srilankische Regierung eindringlich auf, ihrer Verpflichtung nachzukommen Zivilpersonen zu schützen und das humanitäre Völkerrecht zu achten.

Abseits der Frontlinien hat sich die allgemeine Menschrechtssituation in den von der Regierung kontrollierten Gebieten verschlechtert. Amnesty International ist entsetzt über die steigende Zahl der Angriffe auf JournalistInnen und MenschenrechtsverteidigerInnen. So wurde vor kurzem der Herausgebers der Zeitung „Sunday Leader“, Lasantha Wickramatunge, in Colombo ermordet. Mindestens 14 Medienschaffende wurden seit Beginn des Jahres 2006 getötet. Weitere wurden von den Sicherheitskräften willkürlich festgenommen und gefoltert oder „verschwanden“ in der Haft. Über 20 JournalistInnen haben das Land verlassen, weil sie Morddrohungen erhalten haben.

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