Aktuell 08. Oktober 2009

Tag gegen die Todesstrafe 2009: Positiver Trend trotz grosser Herausforderungen

Todeskammer in Florida, in der die Giftspritze verabreicht wird

Todeskammer in Florida, in der die Giftspritze verabreicht wird

10. Oktober 2009 - Immer weniger Staaten führen die Todesstrafe durch, doch einige wenige Staaten richten immer mehr Menschen hin. Das ist das Fazit von Amnesty International anlässlich des Internationalen Tages gegen die Todesstrafe am 10. Oktober 2009. 139 Staaten haben die Todesstrafe im Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Demgegenüber steht eine Minderheit von 58 Staaten, die an der Todesstrafe festhält.

Für einen Großteil der jährlichen Hinrichtungen waren auch 2008 einige wenige Staaten verantwortlich. Im letzten Jahr vollzogen China (mind. 1.718), Iran (mind. 346), Saudi-Arabien (mind. 102), die USA (37) und Pakistan (mind. 36) 93 Prozent der Amnesty International bekannt gewordenen Hinrichtungen. Die tatsächlichen Zahlen liegen aber vermutlich deutlich höher.

In Europa ist Belarus (Weißrussland) der letzte Staat, der regelmäßig hinrichtet. "Die Todesstrafe ist eine grausame, erniedrigende und in höchstem Maße unmenschliche Strafe. Damit muss auch in Europa endlich Schluss sein," forderte Oliver Hendrich, Anti-Todesstrafen-Experte bei Amnesty International Deutschland.

Auch wenn weiterhin tausende Menschen in Gefängnissen auf die Vollstreckung ihrer Todesurteile warten müssen, verabschiedet sich die Welt Zug um Zug von der Todesstrafe. In diesem Jahr schafften bereits Burundi und Togo die Todesstrafe vollständig ab und in Kenia wurden bei einer Generalamnestie sämtliche Todesurteile umgewandelt. "Der weltweite Trend zu einer Welt ohne Todesstrafe dauert an und ist unumkehrbar. Die Staaten mit Todesstrafe sollten dieses Signal verstehen und endlich Schritte ergreifen, um die Todesstrafe zu überwinden", sagte Oliver Hendrich. "Die Todesstrafe ist ein Auslaufmodell und ihre Abschaffung überfällig."

Trotz aller positiven Entwicklungen bleiben weiterhin große Herausforderungen bestehen. Im vergangenen Jahr wurden mindestens 2.390 (1.252 in 2007) Menschen in 25 (24) Ländern hingerichtet und mindestens 8.864 (3.347) Personen in 52 (51) Staaten zum Tode verurteilt.

Hintergrund
Der Internationale Tag gegen die Todesstrafe wurde von der Weltkoalition gegen die Todesstrafe ins Leben gerufen. Die Koalition, der auch Amnesty International angehört, wurde 2002 in Rom gegründet und setzt sich aus über 60 Nicht-Regierungsorganisationen zusammen.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe ab. Staatliches Töten ist keine angemessene Antwort auf Mord und Kriminalität. Wo sich der Staat zum Richter über Leben und Tod aufschwingt, nimmt nicht Gerechtigkeit ihren Lauf, sondern es wird Rache und Vergeltung geübt. Die Botschaft von Amnesty International lautet deshalb unmissverständlich: Eine Regierung kann nicht gleichzeitig die Menschenrechte achten und die Todesstrafe verhängen. Erstmals in der Geschichte der Menschheit hat seit 1996 eine - ständig wachsende - Mehrheit der Länder die Todesstrafe im Gesetz oder zumindest in der Praxis abgeschafft. Angesichts tausender Todesurteile und Hinrichtungen jedes Jahr besteht jedoch weiter dringender Handlungsbedarf.

Mehr Informationen

Alle Amnesty-Informationen zur Todesstrafe finden Sie auf der Webseite der ehrenamtlichen Anti-Todesstrafenexperten

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