Aktuell Palästinensische Autonomiegebiete 15. Januar 2009

Fakten von Amnesty International zum Gaza-Konflikt

10. Januar 2009

Die meisten Zivilisten im Gazastreifen haben keinen Zugang zu humanitärer Hilfe, obwohl sie dringend darauf angewiesen sind. Sie können sich nirgendwo in Sicherheit bringen, die Krankenhäuser sind überlastet und es mangelt an allem, was für die mediz

  • Bis zum 9. Januar 2008 haben 21.200 Menschen Zuflucht in 27 UNRWA-Schulen im Gazastreifen gesucht.
  • Am 9. Januar 2009 hat das Internationale Rote Kreuz alle Hilfslieferungen außerhalb von Gaza-Stadt gestoppt, weil die Sicherheit seiner Mitarbeiter nicht gewährleistet werden konnte.
  • Es besteht akute Lebensmittelknappheit im Gazastreifen. Die Schlangen vor den wenigen Bäckereien, die noch arbeiten können, sind etwa 300 Meter lang. Während der dreistündigen Feuerpause, in der sich die Menschen auf der Straße bewegen können, dringen nicht alle anstehenden Menschen bis zum Anfang der Schlange vor.
  • Da die UN während der dreistündigen Feuerpause nur Nahrungsmittel und medizinische Hilfe in den Gazastreifen bringen darf, konnten in der Woche vom 5. Januar 2009 keine anderen dringend erforderlichen Hilfsgüter wie Hygieneartikel und Decken verteilt werden.
  • Die Hilfsorganisation CARE konnte innerhalb der dreistündigen Feuerpause am 8. Januar nicht zu allen Krankenhäusern gelangen, die sie mit Medikamenten versorgt. Auch die meisten Familien, die CARE mit Hilfsgütern versorgt, konnten nicht erreicht werden.
  • Das Welternährungsprogramm (UN World Food Programme) konnte nur ein Viertel der Menschen erreichen, die normalerweise versorgt werden. Dabei sind die Menschen, die seit dem Ausbruch der Kämpfe auf Lebensmittelhilfen angewiesen sind, noch nicht berücksichtigt.
  • Die Kinderklinik Dorah musste bis auf die Notaufnahme geschlossen werden.
  • Viele Angehörige des medizinischen Personals können nicht zu ihren Arbeitsplätzen gelangen. Die Krankenhäuser haben die meiste Zeit des Tages keinen Strom. Sie müssen auf Generatoren zurückgreifen, die aber nicht genügend Strom produzieren, um alle erforderlichen medizinischen Geräte zu betreiben.
  • Die Fensterscheiben von Hospitälern sind bei den Bombenangriffen zerstört worden. In Gaza gibt es aber kein Glas, um sie zu ersetzen. Um Regen und Kälte abzuwehren, werden Plastikplanen vor die Fenster gespannt - für einige der Häuser gibt es jedoch noch nicht einmal die.
  • Die medizinische Vorsorge und nahezu die gesamte allgemeine medizinische Betreuung sind wegen der zu behandelnden Notfälle und des Mangels an Medikamenten sowie medizinischen Geräts eingestellt worden. Unter anderem gibt es keine Impfungen und keine pränatale Betreuung.
  • Dialyse-Patienten können nicht zur lebensnotwendigen Behandlung gebracht werden, weil die israelische Armee die Nord-Süd-Verbindung gesperrt hat und die Straße nur von Rettungsfahrzeugen und nach vorheriger Absprache mit der Armee befahren werden darf.
  • Der Müll kann nicht abtransportiert werden, weil dabei die Gefahr eines Angriffs besteht. Außerdem gibt es keinen Treibstoff für Transportfahrzeuge. Die hygienischen Probleme, die durch den nicht beseitigten Abfall entstehen, sind besonders für Krankenhäuser gefährlich.
  • In weiten Teilen Gazas gibt es keinen Strom. Kläranlagen und Wasserpumpen können aber ohne Strom nicht arbeiten.
  • Die Arbeit der Notdienste wird dadurch erschwert, dass 80-90% der Mobilfunknetze auch viele andere Telefonleitungen nicht mehr funktionsfähig sind.

Im Zuge der oftmals unverhältnismäßigen israelischen Angriffe sind hunderte unbewaffnete Zivilisten getötet worden; in einigen Fällen werden die Angriffe auch direkt gegen die Zivilbevölkerung und zivile Gebäude gerichtet.

  • Von den etwa 750 Toten, die durch Luftangriffe, Artilleriebeschuss oder bei Zusammenstößen ums Leben kamen, sind nahezu die Hälfte Angehörige der Zivilbevölkerung. Rund 3.000 Menschen sind dabei bisher verletzt worden.
  • Bei den Angriffen durch Israel wurde auch medizinisches Personal, Einrichtungen sowie Krankenwagen getroffen. Durch die andauernden Angriffe ist es oft unmöglich, Krankenwagen einzusetzen, damit Verwundete evakuiert und Tote abtransportiert werden können.
  • Seit dem 27. Dezember 2008 sind drei Rettungswagen und drei ambulante Krankenstationen beschädigt worden. Der Arzt Ihab al-Madhoun und der ihm assistierende Rettungssanitäter Muhammad Abu Hasida sind getötet worden, als sie am 31. Dezember östlich von Gaza-Stadt Verwundete versorgten.
  • Die UN und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) haben ihre Aktionen begrenzt, weil ihre Hilfskonvois mehrfach unter israelischen Beschuss geraten sind, obwohl sie ihre Routen und Einsatzzeiten mit den Verbindungsstellen des israelischen Militärs absprechen. Das UN-Hilfswerk „UN Relief and Works Agency“ (UNRWA) verteilt Hilfsgüter derzeit nur in seinen Krankenstationen und seinen eigenen Schulen, die als Schutzeinrichtungen genutzt werden.
  • Verletzte Angehörige der Familien Samouni und Daya mussten vier Tage in den zerstörten Häusern zwischen den Leichen ihrer getöteten Verwandten liegen, weil die israelische Armee dem Internationalen Roten Kreuz und dem roten Halbmond zwischen dem 3. und 7. Januar 2009 den Zugang zu diesem Gebiet im Stadtteil Zeitoun von Gaza-Stadt verweigerten. 30 von den 110 Menschen, die in den betroffenen Häusern Zuflucht gesucht hatten, sind getötet worden. Dem IKRK zufolge hätten die in der Nähe stationierten israelischen Soldaten wissen müssen, dass sich Menschen in den Häusern befanden. Dennoch starben die Verwundeten, weil die Verhandlungen über die Erlaubnis für den Zugang zu dem Gebiet zu lange dauerten.
  • Am 6. Januar starben bei einem Angriff der israelischen Armee auf eine UNRWA-Schule im Jabalia-Flüchtlingslager 43 Menschen, die dort vor den Kämpfen Zuflucht gesucht hatten.
  • Am 9. bzw. 10. Januar beschoss die israelische Armee die Häuser von drei Journalisten. Dabei tötete sie zwei von ihnen, Alaa Murtaja und Ihab al Wahidi. Außerdem ist die Mutter von Ihab al Wahidi getötet und seine Frau schwer verletzt worden.
    Das Haus von Samir Khalifa ist mit einer Panzerfaust beschossen worden. Sie explodierte im Kinderzimmer. Zum Glück befanden sich Samir Khalifa, seine Frau und seine Kinder zu diesem Zeitpunkt nicht in diesen Räumen.
    Am selben Tag beschoss die israelische Armee den al-Jawhara-Turm, in dem sich mehrere Fernsehsender befinden.
    Ausländischen Journalisten wird der Zugang in den Gazastreifen nach wie vor verweigert.
  • Mohammed Ibrahim Al-Samouni, ein Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisation CARE, starb am 5. Januar 2009. Drei UN-Mitarbeiter sind seit dem 27. Dezember 2008 getötet worden. Einer von ihnen starb bei einem Angriff auf den Lastwagen, mit dem er Hilfsgüter transportierte.

Die bewaffneten palästinensischen Gruppierungen unterscheiden nicht zwischen Soldaten und Zivilisten. Bei ihren Raketenbeschüssen auf Städte und Dörfer im Süden Israels zielen sie auch auf dicht besiedelte Gebiete.

  • Seit dem 27. Dezember 2008 haben 600 palästinensische Raketen und Granaten den Süden Israels getroffen.
  • Seitdem sind drei israelische Zivilisten durch palästinensische Raketen getötet und 58 verletzt worden.
  • Etwa 100 palästinensische Raketen sind seit dem 27. Dezember 2008 in Ashkelon eingeschlagen. Die Angriffe sind in den vergangenen Tagen fortgesetzt worden. Bis zu 40% der 122.000 Bewohner von Ashkelon haben die Stadt verlassen und wohnen vorübergehend in anderen Teilen Israels. Sderot und weitere Dörfer in der Region sind ähnlich betroffen.
  • Das Bezirkskrankenhaus Barzilay in Ashkelon arbeitet hauptsächlich als Notaufnahmeklinik und hat andere medizinische Aufgaben sowie einige Operationen ausgesetzt. Diese werden derzeit von anderen Krankenhäusern in Israel übernommen.

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