Aktivisten erneut festgenommen

Alaa Abdel Fattah

Alaa Abdel Fattah

Am 27. Oktober hat ein Strafgericht in Kairo die Festnahme und Inhaftierung des Aktivisten Alaa Abd El Fattah und 19 weiterer Personen angeordnet. Die 20 Aktivisten befinden sich derzeit im Tora-Gefängnis in Haft. Gegen sie und fünf weitere Personen wird wegen Verstößen gegen das repressive Demonstrationsgesetz nach einem unfairen Gerichtsverfahren nun in einem Wiederaufnahmeverfahren verhandelt. Die nächste Anhörung ist für den 11. November angesetzt.

Appell an

STAATSANWALT
Hesham Mohamed Zaki Barakat
Office of the Public Prosecutor
Supreme Court House
1 "26 July" Road
Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Dear Counsellor / Sehr geehrter Herr Staatsanwalt)
Fax: (00 202) 2 577 4716 oder (00 202) 2 575 7165
(nur während der Bürozeiten, MEZ+2)

JUSTIZMINISTER
Mahfouz Saber
Ministry of Justice
Cairo
ÄGYPTEN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 202) 2 795 8103
E-Mail: mojeb@idsc.gov.eg

Sende eine Kopie an

VORSITZENDER DES NATIONALEN MENSCHENRECHTSRATS
Mohamed Fayek
69 Giza St. – next to the Embassy of Saudi Arabia
ÄGYPTEN
Fax: (00 202) 3 762 48

BOTSCHAFT DER ARABISCHEN REPUBLIK ÄGYPTEN
S. E. Herrn Mohamed Abdelhamid Ibrahim Higazy
Stauffenbergstraße 6-7
10785 Berlin
Fax: 030-477 1049
E-Mail: embassy@egyptian-embassy.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 11. Dezember 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte lassen Sie alle Anklagen gegen die 25 Angeklagten fallen und lassen Sie Alaa Abdel Fattah und die 19 anderen Personen umgehend und bedingungslos frei, da sie sich ausschließlich wegen der friedlichen Wahrnehmung ihrer Rechte auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Haft befinden.

Sachlage

Alaa Abd El Fattah und 24 weitere Männer wurden am 11. Juni in Abwesenheit wegen ihrer Teilnahme an einer friedlichen Demonstration zu 15 Jahren Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Ägyptischen Pfund (etwa 10.000 Euro) verurteilt. Nach der Urteilsverkündung wurden Alaa Abd El Fattah, Mohammed Abdul Rahman und Wael Mahmoud Mohammed Metwally festgenommen und inhaftiert. Ihre Rechtsbeistände legten gegen das Urteil Rechtsmittel ein. Bei einer Neuverhandlung am 15. September kamen alle drei Männer gegen Kaution frei, bevor die Richter wegen Befangenheit zurücktraten, da sie es gewesen waren, die die 25 Angeklagten im Juni in Abwesenheit zu 15-jährigen Haftstrafen verurteilt hatten.

Ein zweites Wiederaufnahmeverfahren fand am 27. Oktober im Tora-Polizeiinstitut statt, einem Nebengebäude des Tora-Gefängnisses. Es waren 20 der 25 Angeklagten anwesend. Den Angeklagten und ihren Rechtsbeiständen wurde der neue Anhörungstermin nicht mitgeteilt, sodass sie erst durch die Nachrichten davon erfuhren. Das Gericht ordnete die Festnahme und Inhaftierung aller 20 Aktivisten an, unter anderem auch des führenden Aktivisten Alaa Abd El Fattah, und verschob die Anhörung auf den 11. November. Die Angeklagten werden derzeit im Al-Mazraa-Gefängnis, einem Teil der Tora-Gefängnisanlage, festgehalten. Alaa Abd El Fattah befindet sich in einer eigenen Zelle, getrennt von den 19 anderen Männern. Die 25 Männer stehen unter Anklage, im November 2013 an einer nicht genehmigten Demonstration vor dem Schura-Rat teilgenommen zu haben. Die weiteren sehr weit gefassten bzw. fingierten Anklagen lauten auf "Tätlichkeiten gegen Sicherheitskräfte", "Stehlen eines Polizei-Funkgeräts", "Verkehrsbehinderung" und "Behinderung der Arbeit nationaler Institutionen".

Alaa Abdel Fattahs Mutter Laila Soweif und seine Schwester Mona Saif befinden sich seit 58 Tagen im Hungerstreik, um gegen die Inhaftierung von Alaa Abdel Fattah und seiner Schwester Sanaa Seif zu protestieren. Am 28. Oktober traten sie zudem in einen trockenen Hungerstreik und begannen einen Sitzstreik vor dem Obersten Gerichtshof Ägyptens.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Zahlreiche Personen wurden am 26. November 2013 festgenommen, nachdem die Sicherheitskräfte eine friedliche Demonstration vor dem Schura-Rat in Kairo gewaltsam aufgelöst hatten. Die Demonstrierenden protestierten gegen das einen neuen Verfassungsentwurf, der Bestimmungen enthalten sollte, nach denen Zivilpersonen vor Militärgerichte gestellt werden können. Laut Angaben ihrer Rechtsbeistände sind mehrere Protestierende von den Sicherheitskräften geschlagen worden. Einige Protestteilnehmerinnen schilderten Amnesty International, dass Sicherheitskräfte in Zivilkleidung sie geschlagen, über den Boden geschleift und an den Haaren gezogen haben. Einige Frauen gaben an, auch sexuell belästigt worden zu sein. Frauen, Journalist_innen und Rechtsanwält_innen wurden ohne Anklageerhebung wieder freigelassen. 24 Männer wurden jedoch auf Anordnung der Staatsanwaltschaft weiter in Haft gehalten. Alaa Abd El Fattah wurde zwei Tage später bei sich zuhause festgenommen. Die meisten der Männer wurden am 4. Dezember 2013 gegen Kaution freigelassen. Alaa Abd El Fattah und Ahmed Abdel Rahman kamen am 23. Mai 2014 gegen Kaution frei.

Alaa Abd El Fattah und 24 weitere Männer wurden am 11. Juni in Abwesenheit wegen ihrer Teilnahme an einer friedlichen Demonstration zu 15 Jahren Haft und einer Geldstrafe in Höhe von 100.000 Ägyptischen Pfund (etwa 10.000 Euro) verurteilt. Aussagen von Rechtsbeiständen zufolge begann das Gericht die Anhörung noch vor dem eigentlichen Termin, ohne die Rechtsbeistände oder Angeklagten darüber zu informieren. Das Strafgericht von Südkairo, das im Tora-Polizeiinstitut zusammentrat, verurteilte die Männer am 11. Juni um 9.10 Uhr. Dies widersprach der Entscheidung der Generalversammlung des Gerichts, mit der Anhörung um 9.30 Uhr zu beginnen. Alaa Abd El Fattah, Wael Mahmoud Mohammed Metwally und Mohammed Abdul Rahman wurden um 9.30 Uhr festgenommen, als sie am Gerichtsgebäude eintrafen. Die Rechtsbeistände der Männer legten Rechtsmittel gegen die Urteile ein. Das Gericht hob daraufhin die Strafen auf und ordnete Neuverhandlungen für die 25 Männer an.

Während der ersten Anhörung im Wiederaufnahmeverfahren am 15. September forderte das Gericht eine Untersuchung der gerichtlichen Verwertung von audio-visuellem Material, das ein Familienmitglied eines der Angeklagten betraf. Die audio-visuellen Beweise, die bei Gericht präsentiert wurden, umfassten auch ein Video der Ehefrau von Alaa Abd El Fattah, das sie in ihrer Wohnung zeigte. Das Video stammte vom privaten Laptop des Angeklagten, den die Sicherheitskräfte bei der Festnahme konfisziert hatten. Das Gericht erklärte, das Zeigen des Videomaterials verstoße gegen das Recht auf Privatsphäre, das in der ägyptischen Verfassung verankert ist. Zudem ordnete das Gericht am Abend des 15. September 2014 die Freilassung von Alaa Abd El Fattah sowie der Aktivisten Mohammed Abdel Rahman und Wael Mahmoud Mohammed Metwally gegen Kaution an. Gegen Ende der Gerichtsverhandlung trat das Richtergremium wegen Befangenheit zurück, da es die 25 Angeklagten im Juni in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt hatte.

Ein neues Demonstrationsgesetz, das Übergangspräsident Adly Mansour am 24. November 2013 unterzeichnete, räumt dem Innenministerium im Hinblick auf Proteste einen weitreichenden Ermessenspielraum ein. Das Gesetz schreibt den Organisator_innen von Demonstrationen vor, bei jeder Versammlung von mehr als zehn Personen mindestens drei Tage vor der Veranstaltung einen umfassenden Plan beim Innenministerium einzureichen. Das Gesetz erteilt zudem dem Innenministerium die Befugnis, eine Demonstration abzusagen oder die Route zu ändern. Somit können Demonstrationen nur stattfinden, wenn zuvor die Genehmigung des Innenministeriums vorliegt. Das Gesetz bildet auch den rechtlichen Rahmen für den Einsatz von exzessiver Gewalt gegen Protestierende, denen eine "Straftat" zur Last gelegt wird. Protestierende, die einer Straftat für schuldig befunden werden, müssen mit bis zu fünf Jahren Haft und Geldstrafen in Höhe von 100.000 Ägyptischen Pfund (ca. 10.000 Euro) rechnen.