Willkürlich in Haft

In der irakischen Region Kurdistan befindet sich seit fast zwei Jahren eine Frau willkürlich in Haft, die zuvor von der bewaffneten Gruppe „Islamischer Staat“ entführt und einige Monate lang festgehalten worden war. Amnesty International fordert ihre sofortige Freilassung.

Appell an:

PRÄSIDENT DER KURDISCHEN REGIONALREGIERUNG
Masoud Barzani
über
VERTRETUNG DER REGIONALREGIERUNG-KURDISTAN IRAK IN DEUTSCHLAND
Herrn Dilshad Mustafa Barzani
P.O. Box 150 101, 10633 Berlin
Fax: 030 – 2888 495-29
E-Mail: germany@gov.krd

LEITER DES SICHERHEITSRATS DER KURDISCHEN REGIONALREGIERUNG
Masrour Barzani
Kurdistan Region Security Council, Erbil
IRAK
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
E-Mail: piris.alzibari@gmail.com
(Betreffzeile: Care of Dr Dindar Zebari,
Head of the High Committee to Evaluate and Respond to International Reports)

Sende eine Kopie an:

RICHTER DES JUSTIZRATS DER KURDISCHEN REGIONALREGIERUNG
Bengeen Qasim Mohamed Kattany
Kurdistan Region Judicial Council
Erbil
IRAK
E-Mail: piris.alzibari@gmail.com
(Betreffzeile: Care of Dr Dindar Zebari,
Head of the High Committee to Evaluate and Respond to International Reports)

BOTSCHAFT DER REPUBLIK IRAK
S. E. Herrn Hussain Mahmood Fadhlalla Alkhateeb
Pacelliallee 19 – 21
14195 Berlin
Fax: 030-8148 8222
E-Mail: info@iraqiembassy-berlin.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 26. Oktober 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

LUFTPOSTBRIEFE ODER E-MAILS MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Lassen Sie Bassema Darwish Khidr Murad bitte umgehend frei.

  • Bitte lassen Sie jegliche Anklagen gegen sie fallen, sollte sie nicht einer international als Straftat anerkannten Handlung angeklagt und in einem fairen Verfahren vor ein Zivilgericht gestellt werden. Selbst in diesem Fall sollte sie auf freien Fuß gesetzt werden, bis ein Zivilgericht über ihren Fall entschieden hat.

  • Gewähren Sie ihr zudem umgehend Zugang zu einem Rechtsbeistand ihrer Wahl und zu unabhängigen Beobachter_innen.

  • Sorgen Sie bitte dafür, dass sie jede medizinische Versorgung, psychosoziale Betreuung und Therapie erhält, die sie benötigt, um ihre Gefangenschaft zu verarbeiten.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the authorities to release Bassema Darwish immediately.

  • Urging them to drop the case against her unless she is charged with a recognizably criminal offence, tried in a civilian court in proceedings meeting fair trial standards and kept at liberty until a civilian court rules on the merits of any accusation against her.

  • Urging them to allow her immediate access to a lawyer of her own choosing as well as independent monitors.

  • Calling on them to ensure that she is provided with all necessary medical and psychosocial assistance, as well as counselling, to help her overcome her ordeal in captivity.

Sachlage

Die Jesidin Bassema Darwish Khidr Murad wird derzeit mit ihrer kleinen Tochter willkürlich in der irakischen Region Kurdistan festgehalten, wo sie sich im Frauen- und Jugendgefängnis von Erbil befindet. Zuvor war sie von der bewaffneten Gruppe „Islamischer Staat“ (IS) entführt und einige Monate lang festgehalten worden. Bassema Darwish Khidr Murad wurde am 25. Oktober 2014 in Zumar im Nordwesten des Landes von der kurdischen Peschmerga festgenommen und wird seither ohne Gerichtsverfahren festgehalten. Zum Zeitpunkt ihrer Entführung durch den IS am 3. August 2014 war Bassema Darwish Khidr Murad schwanger. Sie brachte ihre Tochter später im Gewahrsam in Erbil zur Welt. Vertreter_innen von Amnesty International versuchten im August 2016, Bassema Darwish Khidr Murad zu besuchen, was ihnen jedoch von der Einheit zur Terrorismusbekämpfung der Region Kurdistan verweigert wurde.

Laut ihrer Familie wurde Bassema Darwish Khidr Murad am 3. August 2014 gemeinsam mit ihrem Mann und 33 weiteren Verwandten von IS-Kämpfern entführt, als sie versuchten, aus der Stadt Sindschar zu fliehen. Sie wurde nach Tal ‘Afar in der Provinz Ninewa gebracht, wo sie und andere Frauen und Kinder von ihren Männern getrennt wurden. Das Schicksal ihrer männlichen Verwandten ist unbekannt.

Bassema Darwish Khidr Murad wird vorgeworfen, mit den Kämpfern des IS zusammengearbeitet zu haben, die am 25. Oktober 2014 in dem Haus, in dem sie festgehalten wurde, drei Angehörige der Peschmerga töteten. Die Peschmerga kämpfen auf der Seite der irakischen Region Kurdistan gegen den IS. Laut Angaben der Einheit zur Terrorismusbekämpfung war Bassema Darwish Khidr Murad „radikalisiert“ worden und habe die Peschmerga-Kämpfer_innen vorsätzlich hintergangen, weshalb sie für deren Tod verantwortlich sei. Am 15. August 2016 wurde Amnesty International von der Anti-Terror-Einheit mitgeteilt, dass bisher keine gerichtlichen Anhörungen in ihrem Fall angesetzt seien. Bassema Darwish Khidr Murad durfte bisher keinen Besuch von Rechtsbeiständen erhalten. Ihre Familienangehörigen sagten gegenüber Amnesty International, dass sie im August mindestens einmal ohne rechtlichen Beistand vor Gericht erschienen sei und dass sie vier Dokumente unterschreiben musste, die auf Kurdisch verfasst waren und deren Inhalt sie daher nicht verstand.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Bassema Darwish Khidr Murad ist Jesidin und Mutter von drei Kindern. Sie stammt aus der Ortschaft Babira in der Provinz Ninewa. Am 3. August 2014 wurde sie gemeinsam mit ihrem Mann und 33 weiteren Verwandten von IS-Kämpfern entführt, als sie versuchten, aus der Stadt Sindschar zu fliehen. Sie war damals schwanger und wurde kurz nach ihrer Entführung von ihrem Mann getrennt. Kämpfer des IS begehen systematische Verbrechen unter dem Völkerrecht, darunter Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Jesidische Frauen und Mädchen werden von ihnen entführt und als Sex-Sklavinnen gehalten, vergewaltigt, gefoltert und getötet. In manchen Fällen mussten Frauen die Tötung ihrer männlichen Verwandten mitansehen, wurden gewaltsam von ihren Kindern getrennt oder gezwungen, zum Islam zu konvertieren.

Verlässlichen Quellen zufolge wurde Bassema Darwish Khidr Murad im Rahmen eines Militäreinsatzes der Peschmerga-Kämpfer_innen zur Rückerlangung der Kontrolle über die Stadt Zumar festgenommen. Bassema Darwish Khidr Murad wurde in eine Hafteinrichtung der Einheit zur Terrorismusbekämpfung in Erbil gebracht, wo sie ihre Tochter Nour Hussein Haydar Khalifkou zur Welt brachte. Laut den kurdischen Behörden töteten Kämpfer des IS drei Angehörige der Peschmerga, darunter einen Offizier, als diese in das Haus eindrangen, in dem Bassema Darwish Khidr Murad festgehalten wurde. Ihr wird daher auf der Grundlage von Gesetz 3/2006 (Anti-Terror-Gesetz) vorgeworfen, für diese Tötungen verantwortlich zu sein. Bassema Darwish Khidr Murad hatte bisher keinen Zugang zu Rechtsbeiständen und kennt den Inhalt der Dokumente nicht, die sie vor Gericht unterschrieben hat. Es ist daher unklar, ob offiziell Anklage gegen sie erhoben worden ist.

Amnesty International hat sich im Fall von Bassema Darwish Khidr Murad bereits mehrmals erfolglos an die Behörden gewandt. Am 26. August 2016 schickte die Organisation einen Brief an Masoud Barzani, den Präsidenten der kurdischen Regionalregierung.