Journalist inhaftiert

Der Journalist Alfred Taban wurde am 16. Juli vom südsudanesischen Geheimdienst NSS festgenommen. Der Chefredakteur der englischen Tageszeitung Juba Monitor wird in der NSS-Zentrale im Stadtteil Jebel festgehalten. Ihm drohen Folter und andere Misshandlungen.

Appell an

MINISTER FÜR NATIONALE SICHERHEIT IM BÜRO DES PRÄSIDENTEN
Obote Mamur Mete
Ministry of National Security Service
in the Office of the President
Juba
SÜDSUDAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

JUSTIZMINISTER
Paulino Unango Wanawilla

Ministry of Justice
Airport Road
Juba
SÜDSUDAN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

Sende eine Kopie an

INFORMATIONSMINISTER
Michael Makuei Lueth
Ministry of Information and Broadcasting
Ministries Road
Juba
SÜDSUDAN
E-Mail: makueimichael@yahoo.com

BOTSCHAFT DER REPUBLIK SÜDSUDAN
I. E. Frau Sitona Abdalla Osman
Leipziger Platz 8
10117 Berlin
Fax: 030-206 445 91 9
E-Mail: info@embassy-southsudan.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 29. August 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, EMAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Lassen Sie Alfred Taban bitte umgehend und bedingungslos frei.

  • Stellen Sie bitte sicher, dass er bis zu seiner Freilassung nicht gefoltert oder anderer Misshandlung ausgesetzt wird.

  • Gewähren Sie ihm bitte Besuche von seinen Angehörigen und einem Rechtsbeistand seiner Wahl sowie Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung, wenn dies erforderlich ist.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the South Sudanese authorities to immediately and unconditionally release Alfred Taban.

  • Urging them to ensure that pending his release, Alfred Taban is not subjected to torture and other ill-treatment.

  • Urging them to allow Alfred Taban unrestricted access to his family, a lawyer of his own choosing and access to adequate medical care.

Sachlage

Alfred Taban wurde am 16. Juli gegen 16.00 Uhr von Angehörigen des südsudanesischen Geheimdienstes NSS festgenommen. Zuvor war er in die NSS-Zentrale im Stadtteil Jebel vorgeladen worden. Es wurde bisher keine Anklage gegen ihn erhoben. Seine Festnahme hängt offenbar mit einem Artikel zusammen, den er am 15. Juli veröffentlichte und in dem es um die gewaltsamen Zusammenstöße in der Hauptstadt Juba am 7. Juli geht. Die Kampfhandlungen brachen aus zwischen Regierungstruppen, die Staatspräsident Salva Kiir unterstützen, und anderen Kräften, die dem ehemaligen Vizepräsident Riek Machar nahestehen. In dem Artikel erklärte Alfred Taban, dass beide Männer bei der Umsetzung des Friedensabkommens vom August 2015 versagt hätten und äußerte die Ansicht, dass beide "auf ganzer Linie gescheitert" seien und abgesetzt werden sollten.

Amnesty International ist der Ansicht, dass Alfred Taban aufgrund der friedlichen Wahrnehmung seines Rechts auf freie Meinungsäußerung inhaftiert wurde, und betrachtet ihn daher als gewaltlosen politischen Gefangenen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Arbeitsbedingungen für Journalist_innen im Südsudan sind äußerst gefährlich. Sie werden regelmäßig eingeschüchtert, schikaniert, willkürlich inhaftiert, misshandelt und gefoltert. Auch kommt es zu außergerichtlichen Hinrichtungen.

Am 11. Juli wurde der Journalist John Gatluak Manguet allem Anschein nach von bewaffneten Männern ins Visier genommen und getötet, als es in Juba zu Zusammenstößen zwischen Anhänger_innen von Staatspräsident Salva Kiir und dem ehemaligen Vizepräsidenten Riek Machar kam. Der Journalist Peter Julius Moi wurde am 19. August 2015 in der Hauptstadt Juba erschossen, nur wenige Tage nachdem Präsident Salva Kiir damit gedroht hatte, Reporter_innen zu töten, die gegen das Land arbeiteten. Das Geheimdienstministerium und der Sprecher des Präsidenten sagten später, die Aussage sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. George Livio, ein Journalist für Radio Miraya, befindet sich seit August 2014 ohne offizielle Anklage oder Gerichtsverfahren im Gewahrsam des NSS. Ihm wird offenbar vorgeworfen, mit Rebellen zusammengearbeitet zu haben.

In einigen Zeitungsredaktionen wurden alle Ausgaben beschlagnahmt, entweder vorübergehend oder dauerhaft, und manche mussten ganz schließen. Die Printredaktion des Nation Mirror wurde im Januar 2015 geschlossen, nachdem ein Foto von Riek Machar über einem Foto von Präsident Salva Kiir abgedruckt worden war. Im August 2015 schloss der NSS die englischsprachige Tageszeitung The Citizen und die auf Arabisch erscheinende Tageszeitung Al Rai.

Amnesty International hat seit dem bewaffneten Konflikt, der Mitte Dezember 2013 begonnen hat, einen Anstieg der Fälle von Menschenrechtsverletzungen durch den NSS und die Armee sowie andere Sicherheitskräfte dokumentiert. Fälle von Verschwindenlassen, willkürlicher Inhaftierung, außergerichtlichen Hinrichtungen und Haftverlängerungen nehmen zu und es gibt immer wieder Berichte über Folter und anderweitige Misshandlungen in Gewahrsam. Journalist_innen und andere Regierungskritiker_innen werden vom NSS schikaniert, eingeschüchtert und willkürlich festgenommen. Der NSS hat zudem einige Zeitungsredaktionen geschlossen und mehrmals die gesamte Druckauflage bestimmter Zeitungen konfisziert. Durch diese Praktiken werden das Recht auf freie Meinungsäußerung und der Raum für die Zivilgesellschaft immer stärker eingeschränkt.

Ein Gesetz vom Oktober 2014 erteilt dem NSS weitreichende Befugnisse. Demnach ist der nationale Sicherheitsdienst berechtigt, Bürger_innen festzunehmen, zu inhaftieren und Gegenstände zu konfiszieren. Mechanismen zur unabhängigen Überprüfung dieser Befugnisse oder ausreichende Schutzmaßnahmen gegen deren Missbrauch wurden in dem Gesetz jedoch nicht festgelegt. Das Gesetz macht keine genauen Angaben über zulässige Hafteinrichtungen und garantiert keine grundlegenden Rechte für ordnungsgemäße Gerichtsverfahren, wie zum Beispiel das Recht auf einen Rechtsbeistand oder das Recht, innerhalb eines vertretbaren Zeitraums ein Verfahren zu erhalten, wie eigentlich in der Übergangsverfassung des Südsudan festgelegt. Im März 2015 erklärte der Justizminister, dass der am 8. Oktober 2014 durch das Parlament verabschiedete Entwurf des Geheimdienstgesetzes Rechtskraft erlangt habe. Sowohl im Südsudan als auch auf internationaler Ebene gab es Widerstand gegen das Gesetz, und der Präsident unterzeichnete es nicht. Es ist zudem in weiten Teilen verfassungswidrig.

Amnesty International hat wiederholt empfohlen, die Befugnisse des NSS auf die Informationsgewinnung zu beschränken, wie es in der Übergangsverfassung des Südsudan von 2011 vorgesehen ist. Darin heißt es, der NSS solle sich auf "Informationsgewinnung, Analyse und Beratung der entsprechenden Behörden" konzentrieren. Die Befugnisse, Personen festzunehmen und zu inhaftieren, Durchsuchungen vorzunehmen, Besitz zu beschlagnahmen und Gewalt anzuwenden sollten dem NSS ausdrücklich vorenthalten werden und ausschließlich den zuständigen Strafverfolgungsbehörden vorbehalten bleiben.