Foltergefahr
Der Falun-Gong-Anhänger Qin Wei wurde in Polizeigewahrsam genommen, nachdem er ein Buch verbreitet hatte, in dem die Kommunistische Partei Chinas kritisiert wird. Ihm drohen Folter und anderweitige Misshandlung.
Appell an
LEITER DER HAFTEINRICHTUNG IN HAIDIAN
Haidian District Detention Centre
25 Wenyanglu
Sujiatuo Town
Haidianqu, Beijing 101400
VOLKSREPUBLIK CHINA
(Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Direktor)
MINISTER FÜR ÖFFENTLICHE SICHERHEIT
Guo Shengkun
No 14. Dong Chang’an Jie
Dongchengqu
Beijing 100741
VOLKSREPUBLIK CHINA
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
E-Mail: gabzfwz@mps.gov.cn
Sende eine Kopie an
MINISTERPRÄSIDENT
Li Keqiang
The State Council General Office
2 Fuyoujie
Xichengqu, Beijing 100017
VOLKSREPUBLIK CHINA
E-Mail: english@mail.gov.cn
BOTSCHAFT DER VOLKSREPUBLIK CHINA
S. E. Herrn Mingde Shi
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030 2758 8221
E-Mail: presse.botschaftchina@gmail.com
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Chinesisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 29. Juli 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
E-MAILS UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich bitte Sie eindringlich, Qin Wei sofort und bedingungslos freizulassen, da er sich nur deshalb in Haft befindet, weil er Gebrauch von seinen Rechten auf Glaubens- und Meinungsfreiheit gemacht hat.
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Stellen Sie bitte sicher, dass Qin Wei bis zu seiner Freilassung vor Folter und anderweitiger Misshandlung geschützt wird und dass seine Haftbedingungen den internationalen Normen und Standards entsprechen.
- Sorgen Sie bitte zudem dafür, dass er regelmäßigen Zugang zu seiner Familie und seinen Rechtsbeiständen erhält.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Demanding that the authorities immediately and unconditionally release Qin Wei, as he has been detained solely for exercising his right to freedom of belief and expression.
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Urging them to ensure that while detained Qin Wei is protected from torture and other ill-treatment, and that the conditions of his detention adhere to international law and standards.
- Calling on the authorities to ensure Qin Wei have regular access to his family and lawyers.
Sachlage
Am 18. Mai führten Polizist_innen in Zivil Qin Wei ab, nachdem dieser jemandem im Stadtbezirk Haidian in Peking ein Exemplar des Buchs "Neun Kommentare über die Kommunistische Partei" gegeben hatte. In dem Buch sind neun Artikel enthalten, in denen die Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas von der Ausrichtungsbewegung von Yan’an 1942-1944 bis heute kritisch betrachtet wird. Qin Wei wurde unter dem Verdacht, "die Gesetzesvollstreckung mithilfe eines Kults des Bösen untergraben" zu haben, inhaftiert.
Qin Wei befindet sich derzeit in der Hafteinrichtung des Bezirks Haidian in Peking. Sein Rechtsbeistand hat die Behörde für öffentliche Sicherheit in Haidian und die dortige Staatsanwaltschaft schriftlich aufgefordert, die gegen seinen Mandanten erhobene Anklage fallenzulassen und ihn aus der Haft zu entlassen. Er begründet diese Forderung damit, dass die Rechte auf Religions-, Glaubens- und Meinungsfreiheit durch die chinesische Verfassung geschützt werden und dass eine staatliche Behörde Falun Gong noch nie offiziell als "Kult des Bösen" bezeichnet habe.
Dies ist bereits das achte Mal, dass Qin Wei aufgrund seines Glaubens inhaftiert wurde. Seine bisher längste Haftstrafe – fünfeinhalb Jahre – musste er im Jahr 2004 antreten. Er wurde in Einzelhaft festgehalten, einer "Gehirnwäsche" unterzogen und musste Zwangsarbeit verrichten. Zudem hat man ihn in Haft gefoltert, indem man ihm im Gesicht Elektroschocks versetzt hat. Er wurde darüber hinaus über lange Zeiträume am Schlafen gehindert, Quellen zufolge zwischen Oktober 2003 und Mai 2004 bis zu fünf Monate am Stück. In der Folge entwickelte er Herzrhythmusstörungen, die zu einem Herzstillstand führten.
Qin Wei ist in großer Gefahr, gefoltert oder anderweitig misshandelt zu werden.
Hintergrundinformation
Nachdem Falun-Gong-Praktizierende im Juli 1999 einen friedlichen Sitzstreik auf dem Tiananmen-Platz abgehalten hatten, verbot die chinesische Regierung die spirituelle Bewegung, mit der Begründung, sie würde eine "Bedrohung der sozialen und politischen Stabilität" darstellen. Die Regierung rief eine Spezialeinheit namens "Büro 610" ins Leben, die für die Zerschlagung der Falun-Gong-Bewegung und anderer "ketzerischer Sekten" zuständig ist und alle Partei- und Regierungsebenen durchzieht.
Mehrere zehntausend Falun-Gong-Anhänger_innen sind seit dem Verbot der spirituellen Bewegung willkürlich mit dem Ziel inhaftiert worden, sie "umzuwandeln". Dies bedeutet, dass man die Anhänger_innen zwingt, ihrem spirituellen Glauben abzuschwören. Oftmals werden dazu Folter und andere Formen der Misshandlung eingesetzt. Der Großteil der Falun-Gong-Anhänger_innen wurde in Lagern zur "Umerziehung durch Arbeit" festgehalten, bis diese Form der Verwaltungshaft 2013 verboten wurde. Die chinesischen Behörden setzen seitdem jedoch immer häufiger andere Formen willkürlicher Inhaftierung sowie strafrechtliche Maßnahmen gegen Personen ein, die früher wahrscheinlich in ein Lager zur "Umerziehung durch Arbeit" gebracht worden wären.
Obwohl China das UN-Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe 1988 ratifiziert hat, sind Folter und andere Formen der Misshandlung in chinesischen Hafteinrichtungen an der Tagesordnung. Amnesty International erhält zudem regelmäßig Berichte über Todesfälle von Häftlingen in zahlreichen staatlichen Hafteinrichtungen, wie z. B. in Gefängnissen und in Polizeigewahrsam. Andere Häftlinge und Zellenbosse werden von den Hafteinrichtungs- und Gefängnisbehörden zur Überwachung des Verhaltens ihrer Mithäftlinge benutzt und bestrafen Widerstand leistende Gefangene, unter anderem durch Schlafentzug, Stresspositionen und andere physische und psychische Formen der Folter oder anderweitigen Misshandlung.
Das chinesische Strafrechtssystem lässt sich grob in drei verschiedene Phasen einteilen: die Ermittlungsphase, die von der Polizei durchgeführt wird; die Strafverfolgungsphase, in der die Staatsanwaltschaft sowohl den Beweismaterialen zustimmt, die zur Festnahme einer verdächtigen Person notwendig sind, als auch weitere Nachforschungen anstellt, um zu entscheiden, ob Anklage erhoben wird; und schließlich die Phase der Gerichtsverfahren. Im Jahr 2015 lag die Verurteilungsrate in China, wie in den vorherigen Jahren, bei über 99,9%. Es ist daher strategisch wichtig, Bedenken in einer der frühen Phasen des Strafrechtsprozesses zu äußern – insbesondere, bevor eine Entscheidung über eine mögliche Festnahme oder Anklage getroffen wurde.