Gefangene schwer krank

Olga Gisich ist im März 2016 nach einem mutmaßlich unfairen Verfahren wegen Erpressung und Sachbeschädigung zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Sie hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt. Die Anwältin befindet sich bereits seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft und benötigt dringend fachärztliche Versorgung

Appell an

LEITER DER STRAFVOLLZUGSBEHÖRDE
Gennady Kornienko
Federal Penitentiary Service
ul. Zhitnaya 14
Moscow 119991
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Kornienko)
Fax: (007) 495 982 1950
E-Mail: udmail@fsin.su

LEITER DER UNTERSUCHUNGSHAFTEINRICHTUNG IN SYSRAN
Andrei Burkin
Sizo-2 GUFSIN
ul. Khlebtsevicha 1
Syzran 446010
Samara Region
RUSSISCHE FÖDERATION
(Anrede: Dear Director / Sehr geehrter Herr Burkin)
E-Mail: scentral@rambler.ru

Sende eine Kopie an

VORSITZENDER DER KOMMISSION FÜR DIE ÜBERWACHUNG DES STRAFVOLLZUGSSYSTEMS
Dmitry Shtokov
Public Monitoring Commission
ul. Molodogvardeiskaya d. 2014, ofis 21
Samara 443001
RUSSISCHE FÖDERATION
E-Mail: onk63reg@gmail.com

BOTSCHAFT DER RUSSISCHEN FÖDERATION
S. E. Herrn Vladimir M. Grinin
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@russische-botschaft.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Russisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 23. Juni 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Sorgen Sie bitte dafür, dass Olga Gisich eine unabhängige medizinische Untersuchung durch einen Arzt oder eine Ärztin gewährt wird, der oder die nicht innerhalb des Strafvollzugssystems angestellt ist.

  • Sorgen Sie bitte zudem dafür, dass sie die medizinische Versorgung erhält, die sie benötigt, was möglicherweise auch die Verlegung in ein Krankenhaus außerhalb des Strafvollzugssystems umfasst.

  • Ich möchte Sie daran erinnern, dass Hafteinrichtungen die Pflicht haben, ihren Gefangenen eine medizinische Versorgung zu bieten, die dem Standard medizinischer Einrichtungen außerhalb des Strafvollzugssystems entspricht.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to provide Olga Gisich with an independent medical examination by a doctor not working for the penitentiary system.

  • Calling on them to provide her with adequate medical care as required, including by transferring her to a civilian hospital if necessary.

  • Reminding the authorities that they have an obligation to provide health care to prisoners that is of the same standard as that available in the community.

Sachlage

Die Anwältin Olga Gisich ist im März 2016 zu achteinhalb Jahren Haft wegen Erpressung und Sachbeschädigung verurteilt worden. Ihr Verfahren entsprach vermutlich nicht den Standards für faire Verfahren und sie hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt. Olga Gisich befindet sich bereits seit eineinhalb Jahren in Haft. Derzeit wird sie in der Untersuchungshafteinrichtung in Sysran in der Region Samara im Südwesten Russlands festgehalten. Laut ihrem Bruder leidet sie an einer Reihe chronischer Erkrankungen, unter anderem an Nierenproblemen, einem Magengeschwür und einer Gebärmuttersenkung. Zudem leidet sie aktuell an schweren Blutungen und regelmäßigen Ohnmachtsanfällen.

Die Gefängnisverwaltung erlaubt es der Familie von Olga Gisich nicht, ihr Essen zu bringen, das ihrer Magenerkrankung entspricht. Die Verwaltung gibt an, sie würde im Gefängnis die erforderliche Ernährung und die nötigen Medikamente erhalten. Olga Gisich wurde jedoch seit ihrer Inhaftierung noch nicht gynäkologisch untersucht und die Krankenstation der Hafteinrichtung kann nur eine allgemeine Gesundheitsversorgung von geringem Standard bieten. Der Bruder von Olga Gisich hat Amnesty International mitgeteilt, dass sie befürchtet, ihre Haftzeit nicht zu überleben.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Olga Gisich ist wegen Erpressung für schuldig befunden worden, weil sie vom Leiter einer Privatklinik in der Stadt Samara in der Region Samara eine Entschädigung gefordert hat. Die Klinik hatte 2013 einen unqualifizierten Arzt mit einer Operation an ihr beauftragt, und anschließend fälschlicherweise Gebärmutterkrebs im fortgeschrittenen Stadium bei ihr diagnostizierte. Man sagte ihr, dass sie nur noch zwei Monate zu leben habe, und riet ihr zu einer weiteren teuren Operation. Sie holte bei einer anderen Klinik eine zweite Meinung ein, wo man ihr sagte, dass sich der Krebs noch in einem sehr frühen Stadium befinde. Olga Gisich ging erfolgreich vor einem Gericht in Samara gegen die Klinik wegen mehrerer Behandlungsfehler vor. Sie half in ihrer Rolle als Anwältin zudem anderen Frauen dabei, die Klinik zu verklagen. Als Olga Gisich versuchte, eine außergerichtliche Einigung in Form einer Entschädigungsleistung mit der Klinik zu erwirken, warf man ihr Erpressung des Klinikleiters vor und stellte sie vor Gericht. Im Laufe ihres Verfahrens warf man ihr dann noch vor, den Klinikleiter bedroht und jemanden beauftragt zu haben, sein Auto in Brand zu stecken.

Olga Gisich wurde auf Grundlage der Aussagen der Ärzt_innen der Klinik und anderer Zeug_innen schuldig gesprochen. Zu den Zeug_innen gehörte auch der Mann, der das Auto angezündet haben soll. Bei ihm handelt es sich um einen ehemaligen Mandanten von Olga Gisich, dem schwerwiegende Straftaten vorgeworfen worden waren. Er machte seine Aussage im Rahmen eines sogenannten "Sonderverfahrens", bei dem er sich schuldig bekannte und dafür eine verminderte Strafe erhielt. Er leistet derzeit eine zweieinhalbjährige Haftstrafe ab.