Fünf Jugendliche hingerichtet

Die sechs Jugendlichen, die in Puntland, Somalia, hingerichtet wurden

Die sechs Jugendlichen, die in Puntland, Somalia, hingerichtet wurden

Die Behörden von Puntland haben fünf Jungen hinrichten lassen, die des Mordes für schuldig befunden worden waren. Sie waren auf verschiedene Arten gefoltert worden, ehe sie das Verbrechen „gestanden“. Zwei weiteren schuldig gesprochenen Jungen droht ebenfalls unmittelbar die Hinrichtung.

Appell an:

JUSTIZMINISTER VON PUNTLAND
Hassan Hussein Haji
Ministry of Justice, Puntland
Bosaso
Puntland
SOMALIA
(Anrede: His Excellency /Exzellenz)
E-Mail: info@mojrarpl.com

GENERALSTAATSANWALT VON PUNTLAND
Mohamed Hassan Aw Osman
Bosaso
Puntland
SOMALIA
(Anrede: Dear Attorney General / Sehr geehrter Herr
Generalstaatsanwalt)
E-Mail: mojrarpuntland@gmail.com

Sende eine Kopie an:

MINISTER FÜR INNERES UND BUNDESANGELEGENHEITEN
Abdi Farah Juxa
Ministry of Interior and Federal Affairs
Bondhere, Benadir
Mogadishu
SOMALIA
Fax: (00 252)-6-1-753144

BOTSCHAFT DER REPUBLIK SOMALIA
S.E. Herrn Mohamud Mohamed Tifow
Postfach 100374
10563 Berlin
E-Mail: tifowmm@hotmail.com oder somalembassy@live.com

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Somali, Englisch oder auf Deutsch.
Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 9. Juni 2017 keine Appelle mehr zu verschicken.

Amnesty fordert:

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich möchte Sie nachdrücklich bitten, die Hinrichtung der beiden Jungen zu stoppen und ein offizielles Hinrichtungsmoratorium einzurichten mit der Aussicht auf die völlige Abschaffung der Todesstrafe.

  • Bitte gewähren Sie den beiden Jugendlichen unter Ausschluss eines Todesurteils ein Neuverfahren vor einem Zivilgericht, das den internationalen Standards für faire Verfahren entspricht. Schließen Sie Geständnisse und andere Beweismittel aus, die unter Folter oder anderer Misshandlung entstanden sind, oder lassen Sie die beiden Jugendlichen frei.

  • Leiten Sie bitte umgehend eine zielführende, unabhängige und unparteiische Untersuchung der Folter- und Misshandlungvorwürfe ein.

  • Händigen Sie den Familien der fünf hingerichteten Jugendlichen bitte umgehend die Leichname aus.

  • Ändern Sie bitte Paragraf 31 der Verfassung von Puntland und schaffen Sie in Übereinstimmung mit Somalias völkerrechtlichen Verpflichtungen die Todesstrafe für Personen, die zum Tatzeitpunkt jünger als 18 Jahre alt waren, uneingeschränkt und ohne jeglichen Ermessensspielraum ab.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging Puntland authorities to immediately halt any plans to execute the two other boys, and establish an official moratorium on executions with a view to abolishing the death penalty.

  • Calling on the authorities to retry them in a civilian court without recourse to the death penalty, in proceedings that meet international fair trial standards and exclude confessions and other evidence obtained through torture and other ill-treatment or else release them.

  • Calling on Puntland authorities to open an effective, independent and impartial investigation into the allegations of torture and other ill-treatment.

  • Calling on Puntland authorities to return the bodies of those executed to their families without delay.

  • Calling on Puntland authorities to amend Article 31 of the Puntland Constitution and completely abolish, without any discretion by the courts or other exceptions, the use of the death penalty for crimes committed by people below the age of 18, in line with Somalia’s obligations under international law.

Sachlage

Am 28. Dezember 2016 nahm die Polizei in Bosaso in Puntland sieben Jungen fest, weil sie angeblich drei hochrangige Beamt_innen der puntländischen Verwaltung getötet hatten. Ayub Yasin Abdi (14), Muhamed Yasin Abdi (17), Daud Saied Sahal (15), Abdulhakin Muhamed Aweys (17), Hassan Adam Hassan (16), Nour Aldiin Ahmed (17) und Ali Ismaeil Ali (15) wurden zwei Wochen lang in Schiffscontainern inhaftiert, ehe man sie auf eine Polizeiwache verlegte. Zwei der Jungen berichteten ihren Familien, dass sie alle auf verschiedene Weise gefoltert und in anderer Weise misshandelt wurden, darunter durch Elektroschocks, durch das Verbrennen der Genitalien mit Zigaretten, durch das Zusammenschnüren verschiedener Teile ihrer Genitalien, durch Untertauchen in Wasser, Schläge und Vergewaltigungen, bis sie „gestanden“ und die Mordgeständnisse unterschrieben.

Das Verfahren der sieben Jugendlichen fand am 13. Februar vor einem Militärgericht statt. Das Gericht befand sie für schuldig und verurteilte sie zum Tode. Laut einigen Familienangehörigen brachte die Staatsanwaltschaft abgesehen von den „Geständnissen“ keine weiteren Beweise bei. Die Jugendlichen hatten während des Verfahrens keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand und es wurde ihnen nicht gestattet, die erzwungenen Geständnisse zurückzuziehen. Einen Monat nach dem Todesurteil legten sie erfolglos Rechtsmittel gegen den Schuldspruch und das Strafmaß ein. Doch das ursprüngliche Todesurteil wurde von einem höheren Militärgericht bestätigt. Den Jungen wurde auch während des Berufungsverfahrens der Zugang zu einem Rechtsbeistand verwehrt.

Fünf der sieben Jugendlichen wurden am 8. April hingerichtet. Muhamed Yasin Abdi und Daud Saied Sahal befinden sich weiterhin in Haft. Ihnen droht ebenfalls die Hinrichtung. Die Familien der fünf Hingerichteten wissen nicht, wo und wie die Exekutionen vorgenommen wurden. Sie erfuhren aus dem Radio von den Hinrichtungen. Bislang haben sie keinen Zugang zu den Leichnamen ihrer Söhne und können sie nicht bestatten.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die hingerichteten Jugendlichen gehören zum Minderheitenclan von Puntland, den Madibaan. Der Clan wird schon lange von den Behörden und anderen Clans marginalisiert und diskriminiert. Amnesty International befürchtet, dass die Jungen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu diesem Clan zur Zielscheibe wurden. Die beiden Jugendlichen, die sich weiterhin in Haft befinden, gehören den dominanteren Subclans der Diseshe und Ali Seleban an.