Menschenrechtsverteidiger nach Folter vor Gericht
Bahrain
© Courtesy of the University of Texas Libraries
Der Menschenrechtsverteidiger Hussain Jawad wurde am 17. März auf der Grundlage von "Geständnissen", die er unter Folter gemacht hatte, vor Gericht gestellt. Das Verfahren ist nun auf den 7. April vertagt worden.
Appell an
KÖNIG
Shaikh Hamad bin 'Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555, Rifa’a Palace, al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 973) 1766 4587
INNENMINISTER
Shaikh Rashid bin 'Abdullah Al Khalifa
Ministry of Interior
P.O. Box 13, al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 973) 1723 2661
E-Mail: über die Webseite: www.interior.gov.bh/contact_en.aspx
Twitter: @moi_Bahrain
Sende eine Kopie an
MINISTER FÜR JUSTIZ UND ISLAMISCHE ANGELEGENHEITEN
Shaikh Khalid bin Ali bin Abdullah Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P. O. Box 450
al-Manama
BAHRAIN
Fax: (00 973) 1753 1284
E-Mail: über http://www.moj.gov.bh/en
Twitter: @Khaled_Bin_Ali
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS BAHRAIN
S. E. Herrn Ebrahim Mohmood Ahmed Abdulla
Klingelhöfer Str. 7
10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de oder über:
http://www.bahrain-embassy.de/kontakt
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 29. April 2015 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, TWITTERNACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Lassen Sie Hussain Jawad bitte sofort und bedingungslos frei, falls er nur wegen seiner Menschenrechtsarbeit inhaftiert wurde.
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Bitte stellen Sie sicher, dass die unter Folter erpressten Aussagen von Hussain Jawad nicht im Gerichtsverfahren zugelassen werden.
- Bitte sorgen Sie dringend dafür, dass Hussain Jawad nicht erneut gefoltert oder anderweitig misshandelt wird, die von ihm erhobenen Foltervorwürfe umgehend untersucht werden, die Ergebnisse veröffentlicht und die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Calling on the authorities to release Hussain Jawad immediately and unconditionally if he is being targeted for his human rights work.
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Calling on them not to use any confessions extracted under torture in any proceeding against him.
- Urging them to ensure that Hussain Jawad is not tortured or otherwise ill-treated, and to promptly investigate his torture allegations, make the investigation results public and bring those responsible to justice.
Sachlage
Das Gerichtsverfahren gegen Hussain Jawad begann am 17. März vor einem Strafgericht in der bahrainischen Hauptstadt Manama. Die Anklage lautete auf "finanzielle Mittel gesammelt und Gelder aus dem In- und Ausland erhalten zu haben, um subversive Gruppen zu unterstützen und zu finanzieren". In dem Verfahren stehen noch zwei weitere Personen unter Anklage. Am 12. März hatte der Staatsanwalt erklärt, Hussain Jawad und eine weitere Person hätten "gestanden", Geld von einer dritten im Ausland lebenden Person erhalten und in Bahrain ohne Genehmigung finanzielle Mittel gesammelt zu haben, um Familien von Gefangenen zu unterstützen, die wegen Sabotageakten inhaftiert sind. Hussain Jawad bestritt vor Gericht alle Anschuldigungen und erklärte, im Gewahrsam der Kriminalpolizei gefoltert worden zu sein. Das Verfahren wurde dann auf den 7. April vertagt.
Vor der Staatsanwaltschaft hatte Hussain Jawad am 21. Februar mehrere Straftaten "gestanden". Am 23. Februar erklärte er allerdings vor der Staatsanwaltschaft, er sei im Gewahrsam der Kriminalpolizei gefoltert und gezwungen worden, die Taten zu gestehen. Daraufhin wurde er von der Sonderuntersuchungseinheit befragt, der Behörde, die Folter- und Misshandlungsvorwürfe gegen die Sicherheitskräfte untersucht und die Verantwortlichen vor Gericht bringt. Über die Ergebnisse der Ermittlungen der Sonderuntersuchungseinheit ist jedoch nichts bekannt.
Hintergrundinformation
Hussain Jawad wurde am 16. Februar gegen 1:30 Uhr von vermummten Polizisten in Zivilkleidung festgenommen. Sie durchsuchten sein Haus und brachten ihn anschließend zur Kriminalpolizei. Über den Grund seiner Festnahme informierten sie ihn nicht. Amnesty International geht davon aus, dass er aufgrund seines menschenrechtlichen Engagements festgenommen wurde.
Etwa zehn Stunden nach seiner Festnahme rief der Menschenrechtsverteidiger seine Ehefrau an und teilte ihr mit, dass es ihm gut gehe. Sie fragte ihn, ob man ihm Gewalt zugefügt habe. Als er dies bejahte, wurde das Telefonat unterbrochen. Viele Personen, die in den vergangenen Wochen und Monaten zur Kriminalpolizei in Bahrain gebracht wurden, haben angegeben, gefoltert oder auf andere Weise misshandelt worden zu sein. Der Rechtsbeistand von Hussain Jawad schrieb an die Staatsanwaltschaft und fragte, wann sein Mandant verhört werde, um dem Verhör beiwohnen zu können. Amnesty International wandte sich ebenfalls schriftlich an die Staatsanwaltschaft und erkundigte sich nach den Haftgründen und bat darum, sicherzustellen, dass Hussain Jawad nicht gefoltert oder misshandelt werde. Eine Antwort auf das Schreiben ist jedoch nicht eingegangen.
Der Ombudsmann des bahrainischen Innenministeriums antwortete auf ein Schreiben von Amnesty International und erklärte, Mitarbeiter_innen seines Büros hätten Hussain Jawad befragt, nachdem dessen Frau eine Beschwerde eingereicht hatte. Der Menschenrechtler hätte ihnen gegenüber allerdings nur angegeben, man habe ihn nicht geschlagen, sondern lediglich mit Misshandlungen gedroht, falls er nicht kooperiere. Hussain Jawad erläuterte seiner Frau, er habe den Mitarbeiter_innen des Ombudsmanns gesagt, dass er geschlagen worden war, aber keine Details der Folterungen geschildert, weil er befürchtete, wieder zur Kriminalpolizei gebracht und erneut gefoltert zu werden. Am 23. Februar schilderte Hussain Jawad der Staatsanwaltschaft, wie er gefoltert wurde, unter anderem mit Schlafentzug, Beleidigungen, Erniedrigungen und Androhung von Vergewaltigung und sexuellen Misshandlungen. Zudem wurde er gezwungen, über lange Zeiträume in einem kalten Raum zu stehen.
Hussain Jawad ist Vorsitzender der "Europäisch-Bahrainischen Organisation für Menschenrechte" (European-Bahraini Organization for Human Rights). Er war in der Vergangenheit bereits festgenommen worden, nachdem er bei einer Protestkundgebung im Jahr 2013 eine Rede gehalten hatte. Er wurde wegen "Kritik an Regierungsinstitutionen", "Beleidigung der Nationalflagge und des Staatswappens" und "illegaler Versammlung" angeklagt. Hussain Jawad wurde am 24. November 2013 festgenommen, als er auf der al-Wusta-Polizeiwache südlich von Manama Anzeige wegen Verleumdung gegen eine Tageszeitung und eine Organisation mit engen Verbindungen zu den Behörden erstatten wollte. Die Zeitung und die Organisation hatten Fotos und Namen von 18 bahrainischen Menschenrechtsverteidiger_innen und politischen Aktivist_innen veröffentlicht, denen sie vorwarfen, für "Menschenrechtsverletzungen" und "terroristische Anschläge" im Land verantwortlich zu sein und die deshalb bestraft werden müssten. Diese Aktion war offenbar eine Reaktion auf eine Kampagne des Menschenrechtszentrums von Bahrain (BCHR). Im Zuge der Kampagne hatte die Organisation vom 1. bis 23. November 2013 die Namen von Personen veröffentlicht, die nach ihrer Ansicht für Menschenrechtsverletzungen in Bahrain verantwortlich oder an ihnen beteiligt sind.