In Haft Gefolterter ohne ärztliche Versorgung
Gewalt gegen Protestierende gehört immer noch zum Alltag in Bahrain
© AP Photo/Hasan Jamali
Ahmed Mohammad Saleh al-Arab wurde nach eigenen Angaben von Angehörigen des Geheimdienstes gefoltert. Die so erlittenen Verletzungen müssen dringend ärztlich behandelt werden.
Appell an
KÖNIG
Shaikh Hamad bin 'Issa Al Khalifa
Office of His Majesty the King
P.O. Box 555
Rifa’a Palace
al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Majesty / Majestät)
Fax: (00 973) 1766 4587
INNENMINISTER
Shaikh Rashid bin 'Abdullah Al Khalifa
Ministry of Interior
P.O. Box 13
al-Manama, BAHRAIN
(Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
Fax: (00 973) 1723 2661
Twitter: @moi_Bahrain
Sende eine Kopie an
MINISTER FÜR JUSTIZ UND ISLAMISCHE ANGELEGENHEITEN
Shaikh Khalid bin Ali bin Abdullah Al Khalifa
Ministry of Justice and Islamic Affairs
P.O. Box 450
al-Manama, BAHRAIN
Fax: (00 973) 1753 1284
E-Mail: minister@justice.gov.bh
Twitter: @Khaled_Bin_Ali
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS BAHRAIN
S. E. Herrn Ebrahim Mohmood Ahmed Abdulla
Klingelhöfer Str. 7
10785 Berlin
Fax: 030-8687 7788
E-Mail: info@bahrain-embassy.de oder über die Website
http://www.bahrain-embassy.de/kontakt/
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 3. April 2014 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, TWITTERNACHRICHTEN ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Ich möchte Sie eindringlich bitten, Ahmed Mohammad Saleh al-Arab umgehend die mittlerweile dringend benötigte medizinische Versorgung zu gewähren.
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Bitte leiten Sie eine sofortige unabhängige Untersuchung der Folter und anderweitiger Misshandlungen ein, die Ahmed Mohammad Saleh al-Arab mutmaßlich erleiden musste, und schützen Sie ihn fortab wirksam vor Folter und anderweitiger Misshandlung.
- Bitte ermöglichen Sie Ahmed Mohammad Saleh al-Arab unverzüglich den Kontakt zu seinem Rechtsbeistand sowie in Übereinstimmung mit internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren die Teilnahme an seiner Gerichtsverhandlung.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Urging the authorities to provide Ahmed Mohammad Saleh al-Arab with any medical attention he may require, as a matter of urgency.
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Calling on them to ensure Ahmed Mohammad Saleh al-Arab is not tortured or otherwise ill-treated, immediately investigate allegations that he was tortured and otherwise ill-treated and bring those responsible to justice.
- Calling on them to provide Ahmed Mohammad Saleh al-Arab with access to his lawyer and bring him to his court hearings in line with international fair trial standards.
Sachlage
Am 10. Februar 2014 hat Ahmed Mohammad Saleh al-Arab seine Familie zum ersten Mal seit seiner Festnahme wiedergesehen, die einen Monat zuvor erfolgt war. Am 18. Februar wurde ein weiteres Treffen gestattet. Während der beiden Besuche erzählte er seiner Familie, er leide noch immer unter Verletzungen an den Schultern, vor allem auf der rechten Seite. Die Verletzungen seien ihm zugefügt worden, als er in der Zentrale des bahrainischen Geheimdienstes (National Security Agency – NSA) in der Hauptstadt Manama schwer geschlagen und an den Handgelenken aufgehängt worden sei; seine Arme seien ihm dafür hinter den Rücken gebogen und seine Hände gefesselt worden. Er berichtete seiner Familie von einem Taubheitsgefühl in den Händen und einem immer wieder blutenden Zahn, der ihm durch die Schläge abgebrochen worden sei. In der Geheimdienstzentrale und in einer Haftanstalt der Stadt Riffa sei er schwer an den Genitalien und anderen Körperteilen geschlagen worden. Keine seiner Verletzungen sei bisher ärztlich behandelt worden. Weiter berichtete er, ihm sei ein Stofftuch über das Gesicht gezogen worden und dieses mit Wasser übergossen worden, um ein Gefühl des Ertrinkens zu erzeugen. Man habe ihm außerdem mit Vergewaltigung und dem Ziehen seiner Fingernägel gedroht. Zudem sei er gezwungen worden, mit verbundenen Augen Dokumente zu unterschreiben, ohne zu wissen, worum es sich dabei handelte. Bei ihrem ersten Besuch am 10. Februar konnte seine Familie erkennen, dass er Narben im Gesicht, Blutergüsse an den Handgelenken und einen abgebrochenen Zahn hatte.
Ahmed Mohammad Saleh al-Arab gab gegenüber seiner Familie an, dass er draußen im Hof des Gefängnisses bzw. bei Regen auf den Gefängnisfluren schlafe, weil die Zellen zu überfüllt seien. Er leide aufgrund der Kälte an ständigen Hals- sowie an Kopfschmerzen. Bisher durfte er bei keiner einzigen Gerichtsverhandlung anwesend sein, obwohl vor Gericht wiederholt darum gebeten wurde. Auch seinen Rechtsbeistand hat er bisher nicht treffen dürfen. Während einer Verhandlung verweigerte das Gericht seinem Rechtsbeistand Auskünfte zu den Einzelheiten der Anklagen, mit der Begründung, dass Ahmed Mohammad Saleh al-Arab nicht anwesend sei.
Hintergrundinformation
Ahmed Mohammad Saleh al-Arab wurde erstmals am 14. Februar 2012 bei Demonstrationen, die zum ersten Jahrestag des bahrainischen Aufstands stattfanden, festgenommen und mehrere Stunden lang in einem Polizeifahrzeug festgehalten. Während dieser Zeit wurde er wiederholt geschlagen. Danach wurde er zur Kriminalpolizei (Criminal Investigations Directorate – CID) gebracht, wo er so lange geschlagen wurde, bis er das Bewusstsein verlor. Er wurde zu seiner Verbindung zu der "Bewegung des 14. Februar" befragt und erneut geschlagen, als er aussagte, mit dieser Bewegung nicht in Kontakt zu stehen.
Die Familie von Ahmed al-Arab wusste trotz Nachfragen bei der Staatsanwaltschaft, der CID und der Polizei zwei Tage lang nichts von seinem Verbleib. In der Nacht des zweiten Tages nach seiner Festnahme rief er seine Familie an und informierte sie, dass er sich in einem Gefängniskrankenhaus befinde. Am 17. Februar 2012 erhielt sein Vater einen Anruf mit der Aufforderung, ihn abzuholen.
Die Unabhängige Untersuchungskommission Bahrains (Bahrain Independent Commission of Inquiry – BICI) wurde am 29. Juni 2011 vom König benannt und damit beauftragt, die während der Proteste im Februar 2011 begangenen Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen. Der Untersuchungsbericht der BICI wurde im November 2011 veröffentlicht und dokumentiert die Reaktionen der Regierung auf die Massenproteste sowie die in großem Umfang begangenen Menschenrechtsverletzungen. Im Zuge der Veröffentlichung des Berichts verpflichtete sich die bahrainische Regierung öffentlich zur Umsetzung der darin enthaltenen Empfehlungen. In einer der Schlüsselempfehlungen forderte der Bericht die Regierung beispielsweise auf, die Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen wie Folter und exzessive Gewaltanwendung vor Gericht zu stellen und unabhängige Untersuchungen zu Foltervorwürfen durchzuführen.
Die Einberufung der BICI und ihr Bericht wurden als bahnbrechende Initiative angesehen. Das Versprechen bedeutender Reformen wurde von der Regierung jedoch nicht in die Tat umgesetzt. Die bahrainische Regierung kommt den wesentlichen Empfehlungen der BICI zur Rechenschaftslegung nicht nach. Sie hat weder eine unabhängige, transparente und effektive Untersuchung der Vorwürfe der Folter, der exzessiven Gewaltanwendung und anderer Misshandlungen eingeleitet, noch eine strafrechtliche Verfolgung derjenigen, die die Menschenrechtsverletzungen anordneten, aufgenommen. Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in dem englischen Bericht Bahrain: Reform shelved, repression unleashed unter http://amnesty.org/en/library/info/MDE11/062/2012/en.
Am 28. Juli 2013 hielt das bahrainische Parlament eine außerordentliche Sitzung ab und legte dem König Scheich Hamad Bin 'Issa Al Khalifa 22 Empfehlungen vor, welche die im Antiterrorgesetz von 2006 dargelegten Strafen noch verschärfen. Wenige Tage später erließ der König mehrere Dekrete, die das Recht auf freie Meinungsäußerung weiter beschränken. So wurden z. B. Proteste jeglicher Art, Sitzstreiks und Versammlungen in der Hauptstadt Manama auf unbestimmte Zeit verboten; den Sicherheitskräften wurden zusätzliche umfassende Befugnisse erteilt.
In einer gemeinsamen Erklärung an die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte vom 9. September 2013 zur Menschenrechtslage in Bahrain, die 47 Staaten unterzeichnet haben, äußerten diese ihre Besorgnis über die fortgesetzten Menschenrechtsverletzungen in Bahrain.