Weiter drohende Inhaftierung
Karte von Thailand
© UN
Am 20. und 21. Januar wurden fünf der Aktivist_innen verhaftet, gegen die ein Haftbefehl erlassen worden war. Ihnen und sechs weiteren Aktivist_innen drohen ein Verfahren vor einem Militärgericht und bei einem Schuldspruch bis zu sechs Monate Haft und/oder eine Geldstrafe. Grund für ihre strafrechtliche Verfolgung ist ihre Beteiligung an friedlichen Protesten, bei denen auf Vorwürfe über Korruption im öffentlichen Dienst aufmerksam gemacht wurde. Einer der Festgenommen soll von Militärangehörigen verschleppt und misshandelt worden sein, bevor man ihn auf eine Polizeistation brachte.
Appell an
MINISTERPRÄSIDENT
General Prayut Chan-ocha
Government House
Pitsanulok Road, Dusit
Bangkok 10300, THAILAND
(Anrede: Dear Prime Minister / Sehr geehrter Herr Ministerpräsident)
Fax: (00 66) 2 282 5131
AUSSENMINISTER
Don Pramudwinai, Ministry of Foreign Affairs
Sri Ayudhya Road
Bangkok 10400, THAILAND
(Anrede: Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 66) 2 643 5320 oder (00 66) 2 643 5314
E-Mail: minister@mfa.go.th
Sende eine Kopie an
BOTSCHAFT DES KÖNIGREICHS THAILAND
I. E. Frau Nongnuth Phetcharatana
Lepsiusstr. 64-66
12163 Berlin
Fax: 030-7948 1511 oder 030-79481251
E-Mail: general@thaiembassy.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Thailändisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 4. März 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.
Amnesty fordert:
FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN
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Bitte lassen Sie alle Anklagen gegen Anon Numpa, Sirawith Seritiwat, Chonticha Jaeng-rew, Chanoknan Ruamsap, Thanet Anantawong, Kititach Sumanop, Wisarut Anupoonkarn, Abhisit Sapnaphapan, Korakoch Saengyenpan, Kornanok Kamda und Wijit Hanhaboon fallen, die im Zusammenhang mit ihrer friedlichen Forderung nach einer Untersuchung der Vorwürfe über Korruption im öffentlichen Dienst stehen.
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Leiten Sie bitte umgehend eine unparteiische, unabhängige und wirksame Untersuchung der Entführung und Misshandlung von Sirawith Seritiwat ein.
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Heben Sie die Verordnung 3/2015 des Nationalrats für Frieden und Ordnung auf, mit der "politische" Versammlungen von fünf oder mehr Personen unter Strafe gestellt werden.
- Bitte sorgen Sie dafür, dass es in Thailand möglich ist, die Rechte auf Versammlungs- und Meinungsfreiheit friedlich wahrzunehmen, und dass niemand wegen der legitimen Wahrnehmung dieser Rechte bestraft wird. Auch das Anklicken des "Gefällt-mir"-Buttons und das Teilen von Inhalten auf Facebook gehören zur rechtmäßigen Wahrnehmung dieser Rechte.
PLEASE WRITE IMMEDIATELY
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Urging authorities to drop all charges laid against the activists (naming them) for illegal assembly after they peacefully called for an inquiry into allegations of official corruption.
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Urging authorities to institute a prompt, impartial, independent and effective investigation into the abduction and ill-treatment of Sirawith Seritiwat.
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Calling on them to repeal NCPO Order 3/2015 penalizing "political" assembly of five or more persons.
- Urging them to allow the peaceful exercise of the rights to freedom of assembly and freedom of expression, and not to penalize those legitimately exercising these rights, including by "liking" or sharing materials online.
Sachlage
Am 20. Januar um 22.30 Uhr erreichten zwei Fahrzeuge ohne Nummernschilder mit acht Männern in Militäruniformen die Thammasat-Universität in der thailändischen Hauptstadt Bangkok. Die Männer zwangen den Studenten Sirawith Seritiwat, in eines der Fahrzeuge einzusteigen. Später sagte er Reporter_innen, dass ihm etwas über den Kopf gestülpt und er an einen unbekannten Ort gebracht worden sei. Dort habe man ihn geschlagen, getreten, ihm einen scharfkantigen Gegenstand in den Rücken gedrückt und ihn beleidigt, nachdem er sich geweigert hatte, sich auf eine Grasfläche zu kauern. Am frühen Morgen des 21. Januar übergaben Angehörige des Zweiten Bataillons des Zweiten Infanterieregiments Sirawith Seritiwat an die Polizeistation in Nimit Mai in Bangkok. Anschließend brachte man ihn auf die Polizeiwache am Bahnhof Thonburi in Bangkok, wo seine Festnahme um vier Uhr morgens registriert wurde.
Sirawith Seritiwat gehört zu einer Gruppe von sechs Aktivist_innen, gegen die ein Haftbefehl erlassen worden war. Sie waren am 22. Dezember 2015 wegen des Vorwurfs, an einer illegalen politischen Versammlung teilgenommen haben, vorgeladen worden und hatten sich nicht wie angeordnet bei der Polizei am Bahnhof Thonburi gemeldet.
Die Studentin Chonticha Jaeng-rew und die Aktivist_innen Korakoch Saengyenpan, Abhisit Sapnaphapan und Chanoknan Ruamsap wurden ebenfalls am 21. Januar festgenommen. Sie wurden von dem Militärgericht in Bangkok wegen des Verstoßens gegen das Verbot von "politischen" Versammlungen von mehr als fünf Personen angeklagt und anschließend wieder freigelassen. Thanet Anantawong, ein weiterer Aktivist, gegen den ein Haftbefehl erlassen worden war, soll Thailand verlassen haben.
Neben Sirawith Seritiwat, Chonticha Jaeng-rew, Korakoch Saengyenpan, Abhisit Sapnaphapan, Chanoknan Ruamsap und Thanet Anantawong drohen auch den Aktivist_innen Kititach Sumanop, Wisarut Anupoonkarn, Kornanok Kamda, Wijit Hanhaboon und dem Anwalt Anon Numpa ein unfaires Verfahren vor einem Militärgericht und bis zu sechs Monate Haft und/oder eine Geldstrafe von bis zu 10.000 Baht (etwa 250 Euro). Sie gehören zu einer Gruppe von 37 Aktivist_innen, die am 7. Dezember 2015 über mehrere Stunden in Haft gehalten wurde. Die Behörden hatten einen Zug angehalten, mit dem sie gerade auf dem Weg zum Rajabhakti-Park in der Provinz Prachuab Khiri Khan waren. Sie wollten dort auf Vorwürfe der Korruption im öffentlichen Dienst und innerhalb des Militärs während der Erbauung des Parks aufmerksam machen, der zu Ehren der Monarchie eröffnet wurde.
Hintergrundinformation
Die elf vorgeladenen Aktivist_innen gehören zu einer Gruppe von 37 Personen, die am 7. Dezember 2015 kurzzeitig inhaftiert wurden, als sie sich mit dem Zug auf dem Weg zum Rajabhakti-Park befanden. Sie wurden alle noch am selben Tag wieder freigelassen. Einige von ihnen hatten vor ihrer Freilassung Dokumente unterschrieben, mit denen sie Auflagen zustimmten. Die Behörden in Thailand gehen hart gegen Aktivist_innen vor, um Proteste und die Verbreitung von Materialien im Internet über mutmaßliche Korruption in Verbindung mit dem Rajabhakti-Park zu unterdrücken. Der Park wurde im September 2015 eröffnet und soll in etwa eine Milliarde Baht (etwa 25,5 Millionen Euro) gekostet haben. Einige Aktivist_innen sind ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft gehalten worden. Aktivist_innen, die online Materialien zu Korruptionsvorwürfen verbreitet haben, wurden wegen "Hochverrats" und unter den Paragrafen des Strafgesetzbuchs angeklagt, die Beleidigungen oder Drohungen gegen den König, die Königin, den Prinzregenten und den Thronfolger behandeln (Lèse-Majesté). Die Behörden haben zudem Hunderten Menschen mit Haft gedroht, weil sie den "Gefällt mir"-Button bei Facebook-Beiträgen zu den Korruptionsvorwürfen angeklickt oder diese geteilt hatten. Darüber hinaus drangsalieren die Behörden Aktivist_innen und ihre Angehörigen.
Zu den Inhaftierten gehörten Mitglieder von Widerstandsfähiger Bürger und Neue Demokratie, zwei Bewegungen, die nach dem Militärputsch von 2014 als Reaktion auf die strengen Einschränkungen bei der friedlichen Ausübung von Rechten und die Unterdrückung friedlicher Proteste gegründet wurden. Angehörige beider Bewegungen nehmen ihr Recht auf friedliche öffentliche Versammlungen wahr, indem sie kleine symbolische Proteste abhalten, obwohl die Regierung derartige "politische" Treffen von mehr als fünf Personen mit Verordnung 3/2015 des Nationalrats für Frieden und Ordnung (National Council for Peace and Order) verboten hat. Personen, die Dienstbefehle, Gesetze zur nationalen Sicherheit und Bestimmungen zur Majestätsbeleidigung (Lèse-Majesté) missachten, droht nach dieser Verordnung die strafrechtliche Verfolgung. Häufig werden die betroffenen Personen dabei in unfairen Verfahren vor ein Militärgericht gestellt. Dutzende sind bereits wegen der Wahrnehmung ihres Rechts auf friedliche Versammlung verurteilt worden.
Sirawith Seritiwat, Mitglied der Gruppe für Demokratiestudien, Anon Numpa, Mitglied von Widerstandsfähiger Bürger, und Chonticha Jaeng-rew, Mitglied der Bewegung Neue Demokratie, waren bereits zuvor in den Jahren 2014 und 2015 wegen friedlicher Versammlungen festgenommen worden. Chonticha Jaeng-rew wurde nach einer Demonstration am 22. Mai 2015, dem Jahrestag des Militärputschs, festgenommen. Sie erlitt Verletzungen an der Wirbelsäule, als in Zivil gekleidete Personen und Polizist_innen die demonstrierenden Studierenden grundlos angriffen. Beamt_innen nahmen Kititach Sumanop fest, als er am 22. Juni 2014 vor dem Siam-Paragon-Einkaufszentrum in Bangkok "1984" von George Orwell las und ein Sandwich aß. Er wurde ein weiteres Mal festgenommen, nachdem Aktivist_innen vorhatten, für den dritten Teil der "Hunger-Games"-Trilogie Kinokarten zu verschenken. Der Drei-Finger-Salut aus den Filmen wird in Thailand als Symbol des Widerstands gegen die Übernahme der Macht durch das Militär genutzt.