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Amnesty fordert Organisationskomitee auf, sich von umstrittenem Sponsor zu distanzieren

Olympiasponsor Dow Chemical drückt sich vor Verantwortung für Bhopal-Katastrophe

23. Juli 2012 - Anlässlich der Eröffnung der Olympischen Spiele verurteilt Amnesty International erneut die Entscheidung des Organisationskomitees, Dow Chemical als Sponsor auszuwählen. Dow sponsert die Kunststoffhülle des Olympiastadions in London. Dow Chemical hatte im Jahr 2001 das Unternehmen Union Carbide übernommen, das für die größte Chemiekatastrophe der Geschichte verantwortlich war: Im indischen Bhopal strömten in der Nacht vom 2. zum 3. Dezember 1984 viele Tonnen giftiger Gase aus einer Pestizidfabrik der Firma. In der Folge starben bis heute mehr als 20.000 Menschen, mehr als 100.000 leiden an chronischen Krankheiten.

Union Carbide sorgte weder für die Dekontaminierung des Geländes, noch veröffentliche die Firma je die Zusammensetzung des entwichenen Gases, was die Behandlung der Opfer erschwerte. Dow ist Rechtsnachfolger von Union Carbide, bestreitet aber jede rechtliche Verpflichtung, die Opfer des Unglücks zu entschädigen und das Gelände zu säubern.

Michael Gottlob, Indien-Experte von Amnesty International, kritisiert die Vergabe des prestigeträchtigen Vertrags an Dow Chemical durch das Londoner Organisationskomitee: "Das ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer des Bhopal-Unglücks, die bis heute unter den Folgen leiden. Dow Chemical muss sich endlich der menschenrechtlichen Verantwortung in Bhopal stellen, das Firmengelände reinigen und für angemessene Entschädigungen sorgen. Die Überlebenden von Bhopal warten darauf seit 27 Jahren."

Amnesty International hatte im Januar 2012 das Londoner Organisationskomitee (LOCOG) aufgefordert, ein Treffen mit Überlebenden und Opfern zu veranstalten. LOCOG weigerte sich. Kurz darauf trat die Ethikbeauftragte der Nachhaltigkeitskommission aus Protest gegen diese Weigerung zurück. In einer Anhörung des UN-Menschenrechtsrates hatte Amnesty LOCOG aufgefordert, die Sponsorvereinbarung mit Dow zu kündigen. Das Organisationskomitee trennte sich aber nicht von Dow, sondern verteidigte die Rechtsposition der Firma.

"Wir fordern das Organisationskomitee auf, nicht länger einen Zusammenhang zwischen Dow Chemical und der Katastrophe in Bhopal zu leugnen. Dow als Sponsor für die Olympischen Spiele zu verpflichten, die als ‚die nachhaltigsten Spiele aller Zeiten' beworben werden, ist absurd. Die Veranstalter sollten ihren Fehler eingestehen und sich entschuldigen", so Gottlob.

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