USA: psychisch kranken Ukrainer freilassen!
Der ukrainische Staatsbürger Andriy Shepitsen (links) wurde im Dezember 2025 von der US-Einwanderungsbehörde ICE festgenommen (undatiertes Foto).
© Privat
Andriy Shepitsen, ein ukrainischer Staatsbürger, wird seit Dezember 2025 von der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) im Krome North Service Processing Center festgehalten. Bei Andriy Shepitsen wurden eine bipolare Störung sowie weitere psychische Erkrankungen diagnostiziert. Ihm werden lebenswichtige psychiatrische Behandlungen sowie Medikamente verweigert, was zu einer schweren Depression und Suizidgedanken geführt hat. Am 10. Februar ist Andriy Shepitsen aus Protest gegen diese Misshandlung in den Hungerstreik getreten. Er muss sofort freigelassen werden, um Zugang zu einer angemessenen medizinischen Versorgung zu erhalten und so eine weitere Verschlechterung seines Gesundheitszustands und seinen möglichen Tod zu verhindern.
Bitte setzt euch für Andriy Shepitsen ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Leiter der Einwanderungsbehörde in Miami
Miami ICE Field Office Director
Garret J. Ripa
865 SW 78th Avenue, Suite 101
Plantation, FL 33324
USA
Sende eine Kopie an
Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Alan D. Meltzer, Geschäftsträger a.i.
Clayallee 170
14195 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: BerlinPCO@state.gov
Amnesty fordert:
- Sorgen Sie bitte dafür, dass Andriy Shepitsen umgehend freigelassen wird und unverzüglich die medizinische und psychiatrische Hilfe erhält, die er so dringend benötigt.
Sachlage
Andriy Shepitsen (A#: 231-831-046), einem ukrainischen Staatsangehörigen, der seit Dezember 2025 in der Hafteinrichtung Krome North Service Processing Center inhaftiert ist, werden lebenswichtige psychiatrische Behandlungen sowie Medikamente verweigert.
Bei Andriy Shepitsen wurden eine schwere bipolare Störung, eine schwere depressive Störung und eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert. Diese Erkrankungen erfordern eine kontinuierliche psychiatrische und therapeutische Betreuung und müssen medikamentös behandelt werden.
Seit seiner Inhaftierung durch die US-Einwanderungs- und Zollbehörde (U.S. Immigration and Customs Enforcement – ICE) hat Andriy Shepitsen jedoch nur selten eine psychiatrische Betreuung erhalten. Besorgniserregend ist auch, dass er seit seiner Inhaftierung keinen Zugang zu den ihm verschriebenen Psychopharmaka hat. Dies hat bei ihm zu einer schweren Depression sowie zu Suizidgedanken geführt, worüber Andriy Shepitsen das Wachpersonal in Krome auch mehrfach informiert hat. Die Einrichtung hat jedoch keine Maßnahmen ergriffen, ihm die benötigte medizinische und psychiatrische Behandlung zukommen zu lassen.
Am 10. Februar ist Andriy Shepitsen in den Hungerstreik getreten, um gegen seine Haftbedingungen zu protestieren und seine Freilassung zu fordern. Seither hat er keine feste Nahrung zu sich genommen. Andriy Shepitsen benötigt dringend eine angemessene medizinische und psychiatrische Versorgung, die er nur außerhalb der Haft erhalten kann. Sollte diese ausbleiben, ist sein Leben in Gefahr.
Hintergrundinformation
Der ukrainische Staatsangehörige Andriy Shepitsen wird derzeit in der Hafteinrichtung Krome North Service Processing Center festgehalten. Seitdem er von der US-Einwanderungsbehörde ICE im Dezember 2025 inhaftiert wurde, hat er mehr als 20 kg an Gewicht verloren. Außerdem ist sein Blutdruck gefährlich niedrig. Er kann nicht mehr allein gehen, und sein psychischer Zustand wird zunehmend schlechter, weil ihm die dringend notwendige Behandlung verweigert wird. Menschen, die sich für Andriy Shepitsen einsetzen, haben das Wachpersonal wiederholt gebeten, ihn zur notfallmedizinischen Untersuchung in ein Krankenhaus zu bringen. Diese Bitten wurden jedoch abgelehnt. Das Wachpersonal hat sich sogar geweigert, ihm Salz zur Beimischung ins Trinkwasser zur Verfügung zu stellen und so seine Grundversorgung mit Elektrolyten zu gewährleisten. Der Zustand von Andriy Shepitsen ist mittlerweile kritisch.
Sein Einwanderungsverfahren ist von Verfahrensfehlern gekennzeichnet. Die NGO Sanctuary of the South (SOS), die Andriy Shepitsen rechtlich vertritt, hat bereits vor Monaten einen Antrag auf die sofortige Freilassung aus humanitären Gründen eingereicht. Dieser wurde jedoch ignoriert. Seine erste Anhörung zur generellen Planung der Verfahrensschritte (Master Calendar Hearing) hat er verpasst, weil das Wachpersonal ihn nicht zum Gericht brachte. Dadurch wurde eine Neuterminierung erforderlich. Ein Antrag auf Freilassung gegen Kaution wurde im Januar 2026 abgelehnt, obwohl Beweise vorlagen, die zeigten, dass Andriy Shepitsen keine Gefahr für die Gesellschaft darstellt und kein Fluchtrisiko bestand, und obwohl seine akuten medizinischen Bedürfnisse sowie die Unfähigkeit der US-Einwanderungsbehörde, diese zu erfüllen, dokumentiert wurden. Eine für den 4. März 2026 angesetzte Anhörung zur Feststellung seiner Zurechnungsfähigkeit wurde auf den 17. April verschoben.
Das Krome North Service Processing Center (Krome) ist eine Hafteinrichtung der US-Einwanderungsbehörde im County Miami-Dade der Stadt Miami, am Rande der Everglades. Der tägliche Betrieb der Einrichtung wird derzeit von der Firma Akima Global Services, LLC, durchgeführt, die die Einrichtung seit über einem Jahrzehnt verwaltet. Krome gehört zu den ältesten und größte Hafteinrichtungen der US-Einwanderungsbehörde in den Vereinigten Staaten. Krome dient sowohl als Kurzzeit-Bearbeitungszentrum als auch als typische Haftanstalt für Migrant*innen und Asylsuchende. Diese Doppelfunktion hat zu einem Anstieg der Anzahl der in der Einrichtung untergebrachten Personen und damit zu einer Verschlechterung der Haftbedingungen geführt. Seit Jahrzehnten prangern Organisationen, Anwält*innen und Dienstleister*innen vor Ort die Haftbedingungen in Krome an. Dazu gehören eine eklatante Überbelegung, chronische Einschränkungen beim Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung, die mit mehreren Todesfällen in Haft in Verbindung stehen, eine erniedrigende und grausame Behandlung sowie Verfahrensfehler, die den Zugang der Betroffenen zu einem Rechtsbeistand und einem ordnungsgemäßen Verfahren beeinträchtigen.
2025 geriet die Einrichtung nach Berichten über starke Überbelegung und mehrere Todesfälle in Gewahrsam verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit. Amnesty International hat in Krome Verzögerungen bei den Aufnahmeverfahren, Überbelegung in provisorischen Aufnahmebereichen, eine unzureichende und unzugängliche medizinische Versorgung, alarmierende Disziplinarmaßnahmen wie Anwendung von verlängerter Einzelhaft unter isolierten Bedingungen sowie Hindernisse beim Zugang zu einem Rechtsbeistand und einem fairen Verfahren dokumentiert. Amnesty International ist der Ansicht, dass die Haftbedingungen in der Einrichtung einer grausamen, unmenschlichen und erniedrigenden Behandlung gleichkommen und dass die Anwendung von Isolationshaft in Krome den Tatbestand der Folter oder anderer Misshandlungen erfüllt.
Recherchen von Amnesty International haben ergeben, dass in Krome inhaftierte Personen mit erheblichen Hindernissen beim Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung konfrontiert sind. So werden medizinische Behandlungen nicht durchgeführt, und es gibt Verzögerungen bei der Beurteilung und Behandlung gesundheitlicher Probleme. Seit Dezember 2024 sind in Krome mindestens fünf Personen in Gewahrsam gestorben: Ramesh Amechand, Genry Ruiz Guillen, Maksym Chernyak, Isidro Pérez und Hasan Ali Moh’d Saleh. Dies weckt erhebliche Zweifel daran, dass in der Einrichtung eine angemessene medizinische Versorgung gewährleistet ist.
Unter der Trump-Regierung hat die Inhaftierung von Migrant*innen in den USA erheblich zugenommen. Im Februar 2026 befanden sich mehr als 68.000 Menschen in Hafteinrichtungen der US-Einwanderungsbehörde ICE. Diese Zahlangabe wird weithin als zu niedrig angesehen, da Tausende von Menschen in ICE-Kurzzeit-Bearbeitungszentren, ICE-Außenstellen, in US-Untersuchungshaft oder in anderen Einrichtungen nicht berücksichtigt werden. Während die Trump-Regierung die Haftkapazitäten der US-Einwanderungsbehörde ausweitet, verschlechtern sich die Haftbedingungen dramatisch. 2026 sind mindestens 14 Menschen im ICE-Gewahrsam gestorben. Die US-Behörden müssen der Massenabschiebung und -inhaftierung ein Ende setzen.