Überwachung nach Haftentlassung

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Ein Mann chinesischer Herkunft mit Brille steht vor einer grauen Wand und schaut ernst in die Kamera

Der chinesische Menschenrechtsanwalt Jiang Tianyong

Der Menschenrechtsanwalt Jiang Tianyong wurde am 28. Februar aus der Haft entlassen. Unmittelbar danach nahm man jedoch ihn, seinen Vater und seine Schwester vorübergehend in Gewahrsam. Alle drei sind zwar inzwischen wieder frei, doch Jiang Tianyong wird streng überwacht und kann sich nicht frei bewegen. Er verbüßte eine zweijährige Gefängnisstrafe wegen „Anstiftung zum Umsturz“. Während seiner Inhaftierung betrachtete Amnesty International ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen, der nur aufgrund der Wahrnehmung seines Rechts auf Meinungsfreiheit in Haft war.

Setzt euch für den Menschenrechtsanwalt Jiang Tianyong ein.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Direktor,

ich möchte Sie heute auf den Fall von Jiang Tianyong aufmerksam machen. Der Menschenrechtsanwalt wurde am 28. Februar aus der Haft entlassen, wird seitdem aber streng überwacht und darf sich nicht frei bewegen. Auch seine Familie wird beschattet.

Ich möchte Sie höflich daran erinnern, dass Jiang Tianyong seine Gefängnisstrafe bereits verbüßt hat. Daher fordere ich Sie auf, die Überwachung und Beschränkung der Bewegungsfreiheit von Jiang Tianyong und seiner Familie unverzüglich einzustellen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Director,

Human rights lawyer Jiang Tianyong, along with his sister and father, were immediately taken away after his release from prison on 28th February 2019. According to Jiang Tianyong, he was sent to a resort in Zhengzhou City and only sent back to his parents’ house after going on a hunger strike in protest of the authorities’ restriction of his freedom.

While Jiang Tianyong was sent back to his parents’ home in Xinyang City, Hunan Province on 2 March, his entire family remains under surveillance and their freedoms restricted. According to his wife, Jiang Tianyong is constantly followed by a group of people in black clothes and that the authorities have told the family that they would decide where he works and lives after his ‘release’.

When Wang Qiaoling, the wife of fellow human rights lawyer Li Heping, attempted to visit Jiang Tianyong on 2 March 2019 she was taken to the police station, where she was detained for six hours. During that time, Jiang Tianyong was brought to the house. That same night, once Wang had been returned and they had all finally sat down for dinner, a group of police barged into his house with video cameras. The leader of the police team then sat down to listen to their conversations, going as far as to interrupt them and instruct that they not talk about cases of human rights defenders.

Jiang Tianyong has finished serving his sentence. I urge you to stop the surveillance and restrictions of freedom of movement on Jiang Tianyong and his family.

Yours sincerely,

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Bitte abschicken bis: 25.04.2019

Appell an:

Zhou Conggui

Luoshan County Public Security Bureau

Xingzheng Dadao 16

Luoshan Xuan, Xinyang Shi

Henan Sheng, VOLKSREPUBLIK CHINA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Volksrepublik China
Herr Junhui Zhang, Gesandter (Geschäftsträger a.i.)
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030-27 58 82 21
E-Mail:
chinaemb_de@mfa.gov.cn oder presse.botschaftchina@gmail.com

Amnesty fordert:

  • Ich möchte Sie höflich daran erinnern, dass Jiang Tianyong seine Gefängnisstrafe bereits verbüßt hat. Daher fordere ich Sie auf, die Überwachung und Beschränkung der Bewegungsfreiheit von Jiang Tianyong und seiner Familie unverzüglich einzustellen.

Sachlage

Am 28. Februar wurde der Menschenrechtsanwalt Jiang Tianyong aus der Haft entlassen. Unmittelbar danach nahm man jedoch ihn, seinen Vater und seine Schwester vorübergehend in Gewahrsam. Eigenen Angaben zufolge wurde Jiang Tianyong in eine Einrichtung in der Stadt Zhengzhou gebracht und erst dann wieder auf freien Fuß gesetzt, als er aus Protest gegen die Einschränkung seiner Bewegungsfreiheit in den Hungerstreik trat.

Seit dem 2. März befindet sich der Menschenrechtsanwalt im Haus seiner Eltern in Xinyang in der Provinz Henan, wo er und seine Familie unter strenger Überwachung stehen und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind. Laut Angaben seiner Frau Jin Bianling wird Jiang Tianyong unentwegt von einer Gruppe schwarz gekleideter Personen beschattet. Die Behörden sollen der Familie gesagt haben, dass sie entscheiden würden, wo Jiang Tianyong nach seiner „Freilassung“ leben und arbeiten werde.

Als am 2. März Wang Qiaoling, die Frau des Menschenrechtsanwalts Li Heping, einen Besuch bei Jiang Tianyong machen wollte, brachte man sie auf eine Polizeiwache und hielt sie dort sechs Stunden lang fest. In diesem Zeitraum wurde Jiang Tianyong aus Zhengzhou in das Haus seiner Eltern gebracht. Als Wang Qiaoling später am selben Abend doch noch mit der Familie zu Abend essen durfte, erschienen Polizist_innen mit Videokameras im Haus der Familie. Ein Polizist setzte sich neben Jiang Tianyong und Wang Qiaoling, um ihrem Gespräch zuzuhören. Einmal unterbrach er sie sogar und forderte sie auf, nicht über die Fälle anderer Menschenrechtsverteidiger_innen zu sprechen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Laut Angaben seiner Frau Jin Bianling ist Jiang Tianyong seit seiner Haftentlassung bei schlechter Gesundheit. Sie sagt, dass er bei den gemeinsamen Videochats sehr oft Tränen in den Augen hat. Die Sonne sei für ihn jetzt zu grell, da er im Gefängnis kein Sonnenlicht sehen konnte. Laut Angaben von Wang Qiaoling hat Jiang Tianyong gesagt, er könne nicht mehr aufrecht sitzen, weil sein Rückgrat von den Gefängniswärter_innen „ruiniert“ worden sei. Allerdings kann er sich nicht erinnern, wie dies geschehen ist, da er an starkem Gedächtnisverlust leidet.

Das Mittlere Volksgericht der Stadt Changsha sprach Jiang Tianyong am 21. November 2017 der „Anstiftung zum Umsturz der Staatsmacht“ schuldig. Er wurde zu zwei Jahren Gefängnis und einem dreijährigen Entzug seiner politischen Rechte verurteilt. Im Gefängnis verschlechterte sich sein Gesundheitszustand rapide. Eigenen Angaben zufolge wurde Jiang Tianyong gezwungen, zweimal am Tag ein unbekanntes Medikament einzunehmen. Sein Vater sah, wie er mit Händen und Füßen an einen Eisenstuhl gefesselt war. 

Jiang Tianyong „verschwand“ am 21. November 2016, als er auf dem Weg nach Peking war. Die erste Verhandlung vor dem Mittleren Volksgericht der Stadt Changsa fand am 22. August 2017 statt. Darin gab Jiang Tianyong den Vorwurf „Anstiftung zum Umsturz der Staatsmacht“ zu. Im Verfahren „entschuldigte“ er sich dafür, der chinesischen Polizei konstruierte Foltervorwürfe gemacht zu haben und im Ausland Seminare besucht zu haben, um einen Wandel des politischen Systems Chinas zu diskutieren. Seinen Angaben zufolge plädierte Jiang Tianyong in der Gerichtsverhandlung vom 21. November 2017 auf schuldig und entschied sich gegen das Einlegen von Rechtsmitteln, weil ihm im Gegenzug eine Entlassung Ende August 2018 in Aussicht gestellt wurde.

Jiang Tianyong war bereits in einige prominente Gerichtsverfahren involviert und hat anderen Menschenrechtsverteidiger_innen geholfen, so zum Beispiel dem Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng, der wegen seiner Menschenrechtsarbeit drangsaliert und auch inhaftiert wurde, und dem Aktivisten Chen Guangcheng, der aufdeckte, dass Frauen in der Ortschaft Dongshigu in Linyi in der Provinz Shandong von Beamt_innen zu Abtreibungen gezwungen wurden. Vor seiner jüngsten Inhaftierung war Jiang Tianyong zuletzt im März 2014 festgenommen worden, nachdem er und drei weitere Anwält_innen Untersuchungen zu einer rechtswidrigen Hafteinrichtung („Black Jail“) in Jiansanjiang in der Provinz Heilongjiang anstellten, in der Falun-Gong-Praktizierende festgehalten werden sollen.

Nach einem beispiellos scharfen Vorgehen der Regierung gegen Menschenrechtsanwält_innen und andere Aktivist_innen sind seit dem 9. Juli 2015 mindestens 250 Anwält_innen und Aktivist_innen von Angehörigen der Staatssicherheit verhört oder inhaftiert worden. Zusätzlich zu der Durchsuchung vieler Büros und Privatwohnungen sind Familienangehörige der Inhaftierten polizeilich überwacht, schikaniert und in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden.