Sierra Leone: Keine Abschiebung gefährdeter Personen!

Zeichnung eines Zelts

Am 12. Oktober schob die US-Einwanderungsbehörde Abalo Agba, Alfred Kamara, Fatou Traore und fünf weitere Personen nach Sierra Leone ab. Vor ihrer Abschiebung hatten US-Gerichte ihnen Schutz vor der Rückführung in ihre Herkunftsländer zugesagt, weil sie dort gefährdet sind. Jetzt droht ihnen trotzdem die Abschiebung aus Sierra Leone in ihre Herkunftsländer.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Minister, 

ich habe erfahren, dass Abalo Agba, Alfred Kamar, Fatou Traore und fünf weitere Personen am 12. Oktober 2026 von der US-Einwanderungsbehörde ICE nach Sierra Leone abgeschoben wurden. Sie wurden von ihren minderjäjrigen Kindern getrennt und hatten zuvor 20 Jahre in den USA gelebt. US-Gerichte hatten entschieden, dass sie nicht in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden dürfen. Dort drohen ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen. 

Trotzdem wollen die Behörden in Sierra Leone sie möglicherweise sofort in ihre Herkunftsländer abschieben. Außerdem dürfen sie in Sierra Leone weder Asyl noch eine andere Form von Schutz beantragen. Das betrifft auch andere Menschen, die mit demselben Flug abgeschoben wurden. Berichten zufolge werden sie eingeschüchtert. Sie dürfen ihre Unterkunft nicht allein verlassen und keinen Besuch von unabhängigen Rechtsbeiständen oder anderen Personen empfangen.

Sorgen Sie bitte dafür, dass Abalo Agba, Alfred Kamara, Fatour Traore und andere Personen, die mit dem Flug am 12. Oktober aus den USA nach Sierra Leone abgeschoben wurden, vor einer rechtswidrigen Abschiebung in ihre Herkunftsländer geschützt sind, Zugang zu wirksamen Asylverfahren und unabhängigen Rechtsbeiständen haben und sich uneingeschränkt bewegen dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Minister,

I am extremely concerned about the situation of Abalo Agba, Alfred Kamara, Fatou Traore and other people removed by US Immigration and Customs Enforcement (ICE) to Sierra Leone on 12 October, and the risk that they may be unlawfully returned to their countries of origin. 

Abalo Agba (from Togo), Alfred Kamara (from Liberia) and Fatou Traore (from Cote d’Ivoire) had each been living in the US for more than 20 years when they were removed, and they all have children under 18 years of age still living there. US immigration judges had granted all of them protection from repatriation because of the very high risks of serious human rights violations they face in their countries of origin. Yet, the authorities of Sierra Leone are threatening them with immediate repatriation and are not allowing them to seek asylum or other forms of protection in the country. 

Amnesty International understands that this is the case also for other people removed from the United States to Sierra Leone on the same flight. The organization received reports of intimidation to coerce people to agree to return to their countries of origin. The group is not allowed to leave the guesthouse where they are held without escort, and they are not allowed visits by independent legal counsel or other independent observers. 

Forcibly returning people to a place where they would be at real risk of serious human rights violations is a violation of the international law obligation of non-refoulement. The obligation of non-refoulement requires states to determine the risks each individual may face upon return and suspend any return until judicial proceedings reach a final decision about these risks.

I urge you to ensure that Abalo Agba, Alfred Kamara, Fatou Traore and any other individual removed from the US to Sierra Leone on the 12 October flight are protected from unlawful repatriation, have access to effective asylum procedures and independent legal counsel, and can enjoy unrestricted freedom of movement.

Yours sincerely,

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Appell an

Mohamed Rahman Swaray
Ministry of Foreign Affairs and International 
Cooperation of the Republic of Sierra Leone
Tower Hill, Freetown 
SIERRA LEONE

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Sierra Leone
S. E. Herr M'Baimba Lamin Baryoh
Herwarthstr. 4
12207 Berlin
Fax: 030-772 058 529
E-Mail: embassy@slembassy-germany.org

Amnesty fordert:

  • Sorgen Sie bitte dafür, dass Abalo Agba, Alfred Kamara, Fatour Traore und andere Personen, die mit dem Flug am 12. Oktober aus den USA nach Sierra Leone abgeschoben wurden, vor einer rechtswidrigen Abschiebung in ihre Herkunftsländer geschützt sind, Zugang zu wirksamen Asylverfahren und unabhängigen Rechtsbeiständen haben und sich uneingeschränkt bewegen dürfen.

Sachlage

Acht Menschen wurden am 12. Oktober von der US-Einwanderungsbehörde ICE nach Sierra Leone abgeschoben. Von dort aus könnten sie gegen geltendes Recht in ihre Herkunftsländer weiter abgeschoben werden. Zu ihnen gehören Abalo Agba aus Togo, Alfred Kamara aus Liberia und Fatou Traore aus Côte d’Ivoire. Sie hatten vor ihrer Abschiebung mehr als 20 Jahre in den USA gelebt. Alle drei haben minderjährige Kinder, die weiterhin dort leben. US-Gerichte hatten entschieden, dass sie nicht in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden dürfen. Dort drohen ihnen schwere Menschenrechtsverletzungen. Trotzdem wollen die Behörden in Sierra Leone sie möglicherweise sofort in ihre Herkunftsländer abschieben. Außerdem dürfen sie in Sierra Leone weder Asyl noch eine andere Form von Schutz beantragen. Das betrifft auch andere Menschen, die mit demselben Flug abgeschoben wurden. Berichten zufolge werden sie eingeschüchtert. Sie dürfen ihre Unterkunft nicht allein verlassen und keinen Besuch von unabhängigen Rechtsbeiständen oder anderen Personen empfangen.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Abalo Agba, Alfred Kamara und Fatou Traore wurden am 12. Oktober 2026 zusammen mit fünf weiteren Personen von den US-Behörden nach Sierra Leone abgeschoben und von ihren Familien in den USA getrennt. Abalo Agba, ein 56-jähriger Mann aus Togo mit zwei Kindern unter 18 Jahren, hatte vor seiner Abschiebung bereits seit 2001 in den USA gelebt. Alfred Kamara, ein 56-jähriger Mann aus Liberia, lebte seit 1994 in den USA und hat zwei Kinder, von denen eines unter 18 Jahre alt ist. Fatou Traore, eine 43-jährige Frau aus Côte d’Ivoire, hat vier Kinder, von denen das jüngste 3 Jahre alt ist, und lebte seit 2005 in den USA. Für Einwanderungsfragen zuständige US-Gerichte gewährten ihnen allen Schutz vor einer Rückführung in ihre Herkunftsländer (Aussetzung der Abschiebung), da dort die Gefahr schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen bestand.

Ihre Abschiebung aus den USA erfolgte im Rahmen eines Abkommens über Drittstaatsangehörige (Third Country National Arrangement) zwischen der Regierung von Sierra Leone und den USA, das im Januar 2026 geschlossen wurde. Im Rahmen eines Notenaustauschs erklärte sich die Regierung von Sierra Leone bereit, die Überstellung von bis zu 300 Staatsangehörigen der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten (ECOWAS) pro Jahr aus den USA zu prüfen. Die Höchstzahl soll bei 25 Personen pro Monat liegen. Die Umsetzung des Abkommens wird durch eine Zahlung der US-Regierung in Höhe von 1,5 Millionen US-Dollar (etwa 1,3 Millionen Euro) unterstützt. Oppositionspolitiker*innen wiesen darauf hin, dass das Abkommen nicht vom Parlament genehmigt worden sei. Der ICE-Flug vom 12. Oktober ist der fünfte Flug, mit dem Drittstaatsangehörige im Rahmen des Abkommens nach Sierra Leone gebracht wurden. Damit beläuft sich die Gesamtzahl der Ankommenden auf mindestens 45 Personen. Eine erste Gruppe aus neun westafrikanischen Staatsangehörigen traf am 20. Mai 2026 in Sierra Leone ein. Zwei Wochen später, am 4. Juni 2026, gab die Regierung von Sierra Leone bekannt, dass alle neun Personen dieser Gruppe abgeschoben worden seien. Eine zweite Gruppe aus 13 Personen traf am 18. Juni 2026 in Sierra Leone ein. Bis zum 1. August waren sie alle in ihre jeweiligen Herkunftsländer zurückgeführt worden. Eine dritte Gruppe aus zehn Personen kam am 31. Juli 2026 in Sierra Leone an. Ein vierter ICE-Flug mit Angehörigen von Drittstaaten landete am 29. August 2026 in Sierra Leone. An Bord befanden sich mindestens fünf Personen. 

Amnesty International ist zutiefst besorgt angesichts der "Drehtür"-Politik, die von der Regierung Sierra Leones offenbar verfolgt wird. Diese besteht darin, Personen, die aus den USA abgeschoben wurden, rasch in ihre Herkunftsländer zurückzuführen, ohne die Risiken schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen zu prüfen, denen sie bei ihrer Rückkehr möglicherweise ausgesetzt sind Dies ist besonders besorgniserregend, da der internationale Schutzbedarf aller Personen, deren Fall Amnesty International bekannt ist, in den USA bereits in Form einer Aussetzung der Abschiebung anerkannt worden war. Nach internationalem Recht sind sowohl die Regierung der USA als auch die Regierung von Sierra Leone verpflichtet, niemanden – weder direkt noch indirekt – an einen Ort zu überstellen, an dem eine reale Gefahr schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen besteht (Verpflichtung zur Nicht-Zurückweisung – Non-Refoulement).

Die USA haben mit mindestens 13 afrikanischen Ländern Abkommen über die Abschiebung von Drittstaatsangehörigen geschlossen. Amnesty International ist nach wie vor besonders besorgt über das Fehlen verfahrensrechtlicher Garantien in den USA vor Abschiebungen in Drittstaaten, über die Menschenrechtsverletzungen, denen Abgeschobene in den Zielländern ausgesetzt sind, sowie über die asymmetrischen Partnerschaften, die in den Abschiebungsabkommen zwischen der US-Regierung und afrikanischen Ländern zum Ausdruck kommen – insbesondere vor dem Hintergrund der abrupten, chaotischen und pauschalen Aussetzung der US-Auslandshilfe sowie der Verhängung von Handelszöllen und Visabeschränkungen.­