Saudi-Arabien: französisch-ägyptischer Staatsangehöriger gefoltert
© Family of Amr Abdelfattah
Der französisch-ägyptische Staatsbürger Dr. Amr Abdelfattah ist seit Juni 2024 in Saudi-Arabien inhaftiert, weil er mit einem ungültigen Visum auf einer Pilgerreise nach Mekka war. Neben dem Visumsverstoß klagte ihn das Sonderstrafgericht (SCC) auch wegen verschiedener Äußerungen an. Im August 2026 erfuhr sein Rechtsbeistand in Frankreich, dass er zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Dr. Amr Abdelfattah wird gefoltert und in Einzelhaft gehalten. Zudem verweigern ihm die Behörden den Zugang zu einem Rechtsbeistand und den Kontakt zu seiner Familie. Die saudischen Behörden müssen ihn unverzüglich freilassen.
Setzt euch für Dr. Amr Abdelfattah ein!
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Appell an
Minister of Justice
Walid bin Mohammad Al Sama'ani
Postal Code 11472, P.O. Box 7775
Riyadh
SAUDI-ARABIEN
Sende eine Kopie an
Botschaft des Königreichs Saudi-Arabien
Frau Asya Abdullatif S Baakdah, Botschaftsrätin
Tiergartenstraße 33-34
10785 Berlin
Fax: 030-889 251 79
E-Mail: deemb@mofa.gov.sa
Amnesty fordert:
- Ich fordere Sie auf, Dr. Amr Abdelfattah umgehend und bedingungslos freizulassen.
- Sorgen Sie bis zu seiner Freilassung bitte dafür, dass weitere Verstöße gegen das Recht auf ein faires Verfahren verhindert werden und er regelmäßigen Zugang zu seiner Familie und seinem Rechtsbeistand hat.
- Veranlassen Sie bitte umgehend eine unabhängige und zielführende Untersuchung der erhobenen Folter- und Misshandlungsvorwürfe.
Sachlage
Es besteht große Sorge hinsichtlich der anhaltenden Inhaftierung und der Verstöße gegen das Recht auf ein faires Verfahren im Fall des französisch-ägyptischen Telekommunikationsingenieurs Dr. Amr Abdelfattah. Er ist seit dem 16. Juni 2024 in Saudi-Arabien inhaftiert, nachdem er während der Pilgerreise nach Mekka (Hadsch) festgenommen wurde.
Dr. Amr Abdelfattah wurde in Mekka von saudischen Sicherheitskräften festgenommen, die ihn nach seiner Genehmigung für die Hadsch fragten und ihm dann mitteilten, dass seine Genehmigung ungültig sei. Seine Familie berichtete Amnesty International anschließend, dass sie Opfer gefälschter Visa geworden seien – ein Problem, von dem auch andere Pilger*innen auf der Hadsch betroffen waren.
Als Dr. Amr Abdelfattah fast ein Jahr nach seiner Festnahme vor das Sonderstrafgericht (SCC) gestellt wurde, erfuhr er, dass ihm zudem eine Reihe von Anklagepunkten im Zusammenhang mit von ihm getätigten Äußerungen vorgeworfen wurden, darunter "Beleidigung der Regierung des Königreichs", "Beleidigung eines Staatsoberhaupts" und der Verstoß gegen das Antiterrorgesetz wegen der "Lobpreisung inhaftierter Personen". All dies sind keine nach internationalem Recht anerkannten Straftaten. Seine Familie geht davon aus, dass diese Anklagepunkte auf Äußerungen zurückzuführen sind, die er nach seiner Festnahme gegenüber einem*einer Polizist*in gemacht hatte.
Das Sonderstrafgericht ist bekannt dafür, gegen das Rechtsstaatsprinzip zu verstoßen, und missbraucht regelmäßig vage Bestimmungen auf Grundlage der Gesetze gegen Cyberkriminalität und Terrorismus, um friedliche Meinungsäußerung mit "Terrorismus" gleichzusetzen und strafrechtlich zu verfolgen. Dr. Amr Abdelfattah wurde während des gesamten Gerichtsverfahrens der uneingeschränkte Zugang zu rechtlichem Beistand verwehrt; die meisten Anhörungen fanden ohne seinen Rechtsbeistand oder Angehörige des französischen Konsulats statt. Im August 2026 erfuhr sein Anwalt in Frankreich, dass er zu "jahrelanger" Haft verurteilt worden war. Das genaue Strafmaß und die Gründe für die Verurteilung wurden ihm jedoch nicht mitgeteilt.
Alarmierend sind auch Berichte, nach denen Dr. Amr Abdelfattah während seiner Haft im Zentralgefängnis von Dhahban Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt war. Gefängniswärter*innen schlugen ihn, zwangen ihn, mit gefesselten Füßen zu laufen, und verweigerten ihm jegliche Nahrung. Im Dezember 2024 verlor er nach Schlägen durch Sicherheitskräfte das Bewusstsein und wurde ins Krankenhaus gebracht. Seit seiner Festnahme leidet er zudem unter schweren psychischen Problemen.
Hintergrundinformation
Dr. Amr Abdelfattah ist französisch-ägyptischer Staatsbürger und Vater von drei Kindern. Der Telekommunikationsingenieur und -experte und Universitätsprofessor lebt seit 2009 in Frankreich. Im Juni 2024 reiste er zum ersten Mal nach Saudi-Arabien, um gemeinsam mit seiner Frau die Pilgerfahrt (Hadsch) nach Mekka zu machen.
Am 16. Juni 2024 wurde Dr. Amr Abdelfattah zunächst auf der Polizeiwache Haram in Mekka festgehalten, bevor er am folgenden Tag in das Zentralgefängnis Dhahban in der Nähe von Dschidda verlegt wurde. Seinem Anwalt in Frankreich zufolge war er während seiner gesamten Haft regelmäßig Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt. Glaubwürdige Quellen berichteten, Spuren körperlicher Gewalt an seinem Körper gesehen zu haben. Der Anwalt in Frankreich teilte Amnesty International mit, dass Dr. Amr Abdelfattah am 23. August 2024 während eines Verhörs gegen eine Wand geschleudert und mit dem Tod bedroht wurde. Am 23. Dezember 2024 wurde er von sechs maskierten Polizist*innen festgehalten und geschlagen, verlor das Bewusstsein und wurde ins Krankenhaus gebracht. Am 11. März 2025 wurde er gezwungen, mit gefesselten Füßen zu laufen, und erhielt 24 Stunden lang nichts zu essen. Zwischen Dezember 2025 und Januar 2026 wurde er von Mitgefangenen bedroht und angegriffen. Am 11. Mai 2026 wurde er von Gefängniswärter*innen geschlagen, nachdem er die Verlegung eines Häftlings gefordert hatte, der eine Gefahr für die anderen Häftlinge darstellte. Dabei erlitt er sichtbare Verletzungen im Gesicht und am Körper.
Dr. Amr Abdelfattah leidet unter Schlafstörungen und Hornhautverkrümmung, hat jedoch seit Januar 2025 keinen Zugang mehr zu seiner Brille. Wie er seiner Familie berichtete, leidet er mittlerweile nach wiederholter Gewaltanwendung und Phasen in Einzelhaft unter harten Bedingungen unter starken Rückenschmerzen, Beschwerden in den Beinen und einer verminderten Kontrolle über seine linke Hand. Diese Symptome wurden bisher weder medizinisch untersucht noch angemessen behandelt.
Ab September 2024, drei Monate nach seiner Festnahme, wurden ihm wöchentliche 15-minütige Telefonate mit seiner Frau gewährt; diese Anrufe wurden jedoch abgehört und unterbrochen, sobald er versuchte, über seine Behandlung in Haft oder den Stand seines Gerichtsverfahrens zu sprechen. Zwischen dem 5. August 2025 und dem 5. April 2026 war ihm jeglicher Kontakt zu seiner Familie, auch der telefonische, untersagt. Seitdem wurde der Kontakt in eingeschränktem Umfang wieder aufgenommen. Nach Angaben seiner Familie darf er während der Anrufe nur Arabisch sprechen, damit die Gefängnisbehörden die Gespräche überwachen können.
Amnesty International hat immer wieder dokumentiert, dass die saudischen Behörden fortwährend gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung vorgehen und dabei sowohl eigene als auch ausländische Staatsangehörige ins Visier nehmen. Viele von ihnen werden zu langen Haftstrafen verurteilt, nur weil sie ihre Rechte auf Meinungs-, Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit friedlich wahrgenommen haben.