Russland – vier Jahre Haft für Aktivisten

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Das Bild zeigt einen Mann, der hinter einer Scheibe sitzt

Der russische Oppositionelle und Menschenrechtsverteidiger Andrej Piwowarow bei einer Anhörung vor Gericht in der russischen Stadt Krasnodar am 2. Juni 2021

Am 15. Juli wurde der Aktivist Andrej Piwowarow (Andrei Pivovarov) vor einem Gericht in Krasnodar im Süden Russlands zu vier Jahren Haft verurteilt. Ihm werden gemäß einer Gesetzesbestimmung, die den menschenrechtlichen Verpflichtungen Russlands zuwiderläuft, "Aktivitäten für eine unerwünschte Organisation" vorgeworfen. Der Menschenrechtler ist der ehemalige Leiter der nun aufgelösten Organisation Open Russia, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzte. Am 31. Mai 2021 wurde er auf dem Flughafen Sankt Petersburg festgenommen und inhaftiert. Andrej Piwowarow hat keine international als Straftat anerkannte Handlung begangen und wird allein deshalb festgehalten, weil er von seinen Rechten auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit Gebrauch gemacht hat. Er hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

ich wende mich heute an Sie, um für die Freilassung von Andrej Piwowarow einzutreten.

Am 15. Juli wurde der Aktivist Andrej Piwowarow vor einem Gericht in Krasnodar im Süden Russlands zu vier Jahren Haft verurteilt. Ihm werden gemäß einer Gesetzesbestimmung, die den menschenrechtlichen Verpflichtungen Russlands zuwiderläuft, "Aktivitäten für eine unerwünschte Organisation" vorgeworfen. Der Menschenrechtler ist der ehemalige Leiter der nun aufgelösten Organisation Open Russia, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzte. Am 31. Mai 2021 wurde er auf dem Flughafen Sankt Petersburg festgenommen und inhaftiert. Andrej Piwowarow hat keine international als Straftat anerkannte Handlung begangen und wird allein deshalb festgehalten, weil er von seinen Rechten auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit Gebrauch gemacht hat. Er hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt.

Bitte lassen Sie die Anklagen gegen Andrej Piwowarow fallen, stellen Sie das Strafverfahren gegen ihn ein und lassen Sie ihn umgehend und bedingungslos frei.

Mit freundlichen Grüßen

Dear Prosecutor General,

I am writing to express my deep concern regarding the arbitrary prosecution and conviction of activist Andrei Pivovarov, who was sentenced to four years’ imprisonment on charges of "carrying out the activities of an undesirable organization" (Article 284.1 of the Criminal Code). He is appealing his conviction. Andrei Pivovarov’s only "crime" was posting information about the peaceful and lawful activities of the Russian non-governmental organisation Open Russia. He was arrested on 31 May 2021 and put in pretrial detention in Krasnodar, a city many kilometres away from his home.

Andrei Pivovarov is a prominent political activist and human rights defender from Saint Petersburg. He has been involved in the democracy and human rights movement in Russia for more than 15 years and has never used or condoned violence. Exercising one’s rights to freedom of expression and freedom of association is not a crime. They are guaranteed by the Russian Constitution and international law.

In the light of the above, I urge you to drop the criminal charges against Andrei Pivovarov, end his prosecution and immediately and unconditionally release him.

Yours sincerely,

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Appell an

Generalstaatsanwalt
Igor Victorovich Krasnov
Prosecutor General of the Russian Federation
15a Bolshaya Dmitrovka street
Moscow 125993

RUSSISCHE FÖDERATION

Sende eine Kopie an

Botschaft der Russischen Föderation
S. E. Herrn Sergei Nechaev
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin

Fax: 030-2299 397

E-Mail: info@russische-botschaft.de

Amnesty fordert:

  • Bitte lassen Sie die Anklagen gegen Andrej Piwowarow fallen, stellen Sie das Strafverfahren gegen ihn ein und lassen Sie ihn umgehend und bedingungslos frei.

Sachlage

Der Aktivist Andrej Piwowarow ist wegen mutmaßlicher "Aktivitäten für eine unerwünschte Organisation" (Artikel 284.1 des russischen Strafgesetzbuchs) zu vier Jahren Haft verurteilt worden, wogegen er Rechtsmittel eingelegt hat. Andrej Piwowarow hat lediglich in den Sozialen Medien Beiträge über die friedlichen und rechtmäßigen Aktivitäten der von ihm geleiteten NGO Open Russia geteilt. Er wurde am 31. Mai 2021 festgenommen und in Krasnodar in Untersuchungshaft genommen, was weit von seiner Heimatstadt entfernt liegt. Amnesty International ist der Ansicht, dass die Strafverfolgung und Verurteilung des Menschenrechtlers willkürlich sind.

Andrej Piwowarow stammt aus Sankt Petersburg und ist dort ein bekannter politischer Aktivist und Menschenrechtsverteidiger. Er setzt sich seit mehr als 15 Jahren für Demokratie und Menschenrechte in Russland ein, wobei er niemals Gewalt angewendet oder befürwortet hat. Die Wahrnehmung der Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit ist kein Verbrechen. Vielmehr sind diese Rechte in der russischen Verfassung und im Völkerrecht verankert.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Andrej Piwowarow ist der ehemalige Leiter der mittlerweile verbotenen Organisation Open Russia. Gegründet wurde Open Russia mit der Hilfe von Michail Chodorkowskij (Mikhail Khodorkovsky), einem ehemaligen Geschäftsmann und gewaltlosen politischen Gefangenen, der nun in Großbritannien lebt. Open Russia unterstützte unabhängige Journalist*innen und half sowohl Oppositionskandidat*innen bei Kommunalwahlen als auch Personen, die aus politischen Gründen strafverfolgt wurden. Zudem organisierte die NGO friedliche Proteste und führte weitere ähnliche Aktivitäten durch.

Am 26. April 2017 stufte die Generalstaatsanwaltschaft zwei britische NGOs mit ähnlichen Namen willkürlich als "unerwünschte Organisationen" ein: Otkrytaya Rossia und das Open Russia Civic Movement. Grundlage ist ein repressives russisches Gesetz, das die Beteiligung an Aktivitäten von Organisationen, die als "ausländische Organisationen" betrachtet werden, verbietet. Zwar beteuerten die Behörden eingangs, dass diese Maßnahme Open Russia als inländische Organisation nicht betreffen würde; dies änderte sich jedoch später, als Open-Russia-Aktivist*innen doch ins Visier der Behörden gerieten. Darunter befanden sich z. B. Anastasia Shevchenko und Mikhail Iosilevich, die beide von Amnesty International als gewaltlose politische Gefangene anerkannt wurden.

In allen bekannten Fällen erhielten die Beschuldigten Geldstrafen und später auch strafrechtliche Sanktionen, nur weil sie auf irgendeine Weise Verbindungen zu Open Russia hatten oder Material der Organisation weitergegeben hatten. Es liegen keine Nachweise darüber vor, dass Open Russia für Gewalttaten oder sonstige international als Straftat anerkannte Handlungen verantwortlich ist.

Im März 2021 wurde unter Paragraf 20.33 des Gesetzbuches über Ordnungswidrigkeiten ("Durchführen von Aktivitäten für eine unerwünschte Organisation") ein Verfahren gegen Andrej Piwowarow eingeleitet. Dies stand in Verbindung mit dem Kongress der Moskauer Gemeindeabgeordneten, welcher laut Angaben der Polizei von der "unerwünschten" Organisation Open Russia Civic Movement organisiert wurde. Im April 2021 wurde gemäß demselben Paragrafen ein Verwaltungsverfahren gegen Andrej Piwowarow eingeleitet, welches sich auf Aktivitäten des Jahres 2020 bezog, als er während der Corona-Pandemie eine Ambulanz in Sankt Petersburg mit persönlicher Schutzausrüstung belieferte. Nach Angaben der Behörden habe er damit "im Namen der ausländischen Nichtregierungsorganisation Open Russia gehandelt".

Am 27. Mai 2021 kündigte Open Russia an, angesichts der drohenden Verschärfung der Gesetze über "unerwünschte Organisationen" und der Verfolgung ihrer Aktivist*innen ihre Aktivitäten einstellen zu wollen. Am 29. Mai 2021 wurde gemäß Paragraf 284 des Strafgesetzbuches ("Durchführen von Aktivitäten für eine unerwünschte Organisation") ein Strafverfahren gegen Andrej Piwowarow eingeleitet. Am 31. Mai 2021 wurde er auf dem Rollfeld des Flughafens Sankt Petersburg aus einer Maschine mit Ziel Warschau festgenommen und willkürlich inhaftiert. Ihm wurde vorgeworfen, am 12. August 2020 von Krasnodar aus Informationen auf Facebook gepostet zu haben, die sich auf Oppositionskandidat*innen im lokalen Wahlkampf bezogen. Die Behörden führten an, dies sei eine Aktivität für die "unerwünschte" Organisation Open Russia gewesen. Andrej Piwowarow befindet sich seither in Krasnodar im Gewahrsam. Bis zu Beginn seines Gerichtsverfahrens gegen Ende 2021 waren seine Kommunikationsmöglichkeiten mit der Außenwelt stark eingeschränkt und Familienbesuche nicht gestattet.

Am 11. Oktober 2021 aktualisierte die Ermittlungsbehörde die Anklageschrift gegen Andrej Piwowarow und nahm 30 Facebook-Beiträge und einen geteilten Post mit auf, in denen es u. a. um die Proteste in Chabarowsk, Unterstützung für inhaftierte Protestierende und Kritik an Verfassungsänderungen ging.

Am 15. Juli 2022 verurteilte das Bezirksgericht Leninsky in Krasnodar Andrej Piwowarow zu vier Jahren in einer Strafkolonie. Sein Rechtsbeistand hat Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt.