Russland: Mikhail Lochtchinin muss medizinisch versorgt werden
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Am 1. Juli 2025 wurde Mikhail ("Mike") Lochtchinin in Russland willkürlich inhaftiert, als er einreisen wollte, um seinen kranken Vater zu besuchen. Er hat die russische und die belgische Staatsbürgerschaft. Mikhail Lochtchinin steht wegen des konstruierten Vorwurfs des "Hochverrats" vor Gericht. Grundlage sind Gespräche mit seiner ukrainischen Ex-Freundin, die ihn um finanzielle Unterstützung gebeten hatte. Er wird unter unmenschlichen und erniedrigenden Bedingungen festgehalten. Sein Gesundheitszustand hat sich verschlechtert, und er hat das Sehvermögen auf einem Auge verloren. Mikhail Lochtchinin muss umgehend freigelassen werden und Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung erhalten. Die Anklage gegen ihn muss fallen gelassen werden.
Bitte setzt euch für Mikhail (“Mike”) Lochtchinin ein.
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Appell an
Generalstaatsanwalt
Aleksandr Vladimirovich Gutsan
Prosecutor General’s Office
Ul.Bolshaya Dmitrovka, 15a, Moscow, GSP-3, 125993
RUSSISCHE FÖDERATION
Sende eine Kopie an
Botschaft der Russischen Föderation
S. E. Herrn Sergej J. Netschajew
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin
Fax: 030-2299 397
E-Mail: info@russische-botschaft.de
Amnesty fordert:
- Sorgen Sie bitte dringend dafür, dass Mikhail Lochtchinin umgehend freigelassen wird und Zugang zu angemessener Gesundheitsversorgung hat.
- Setzen Sie sich bitte dafür ein, dass die Anklage gegen ihn fallengelassen wird.
Sachlage
Mikhail Lochtchinin hat die russische und die belgische Staatsbürgerschaft und lebt seit Anfang der 2000er-Jahre in der EU. Am 1. Juli 2025 wurde er an der russischen Grenze willkürlich festgenommen, als er einreisen wollte, um seinen Vater zu besuchen.
Medienberichten zufolge wurde er zunächst im Untersuchungsgefängnis SIZO-2 in Staryi Oskol festgehalten, wo er offenbar gefoltert und anderweitig misshandelt wurde. Anschließend verlegte man ihn in die Untersuchungshaftanstalt SIZO-1 in Pskow. Mikhail Lochtchinin steht derzeit wegen des konstruierten Vorwurfs des "Hochverrats" vor Gericht. Grundlage sind Gespräche mit seiner ukrainischen Ex-Freundin, die ihn um finanzielle Unterstützung gebeten hatte. Das Verfahren findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor dem Stadtgericht Pskow statt. Bei einer Verurteilung drohen ihm mindestens zwölf Jahre Haft, im schlimmsten Fall sogar eine lebenslange Gefängnisstrafe. Es gibt ernste Befürchtungen, dass das Verfahren nicht den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren entspricht.
In der Haft hat sich der Gesundheitszustand von Mikhail Lochtchinin verschlechtert, und er hat auf einem Auge das Sehvermögen verloren. Medienberichten zufolge wurde er im Februar 2026 auf richterliche Anordnung hin in einem staatlichen Krankenhaus untersucht. Im März bewilligte ein Gericht ihm eine Computertomographie in einer Privatklinik. Laut Medienberichten war die ärztliche Untersuchung jedoch nicht umfassend genug, und die Computertomographie wurde noch nicht durchgeführt.
Mit Ende seines Verfahrens ist es möglich, dass Mikhail Lochtchinin in eine andere Region verlegt wird und sich dort neu um eine Computertomographie und andere Eingriffe bemühen muss. Daher ist es wichtig, dass die Tomographie rasch durchgeführt wird und er so schnell wie möglich angemessen medizinisch versorgt wird.
Hintergrundinformation
Mikhail Lochtchinin (auch bekannt als "Mike") lebt seit mehr als 25 Jahren in der EU. Als Belgier hat er u. a. in Deutschland gewohnt und in Luxemburg in einem IT-Unternehmen gearbeitet. Neben seiner Arbeit engagierte er sich in verschiedenen gemeinnützigen Organisationen und Berufsverbänden, nahm an Theater-, Musical- und anderen kulturellen Projekten teil und war leidenschaftlicher Motorradfahrer.
Verschiedenen Medienberichten zufolge wurde er am 1. Juli 2025 an der lettisch-russischen Grenze willkürlich festgenommen, als er mit dem Motorrad nach Russland fahren wollte, um seinen Vater zu besuchen. Am 4. Juli rief er seine Mutter an und sagte, dass er in einem Hotel in der Kleinstadt Pytalowo (Region Pskow) festgehalten werde. Die Familie beauftragte einen Anwalt, der ihn am 1. August besuchte. Am nächsten Tag wurde Mikhail Lochtchinin Berichten zufolge von Männern in Zivil, bei denen es sich vermutlich um Sicherheitskräfte handelte, an einen unbekannten Ort gefahren. Sein Anwalt machte sich auf die Suche nach ihm und erhielt schließlich ein Schreiben der Militärabteilung der Ermittlungsbehörde mit Datum vom 7. August. Darin stand, dass sein Mandant im Untersuchungsgefängnis SIZO-2 in Staryi Oskol (Region Belgorod) festgehalten werde. Dieser Ort liegt mehr als 1.000 km südlich von dort, wo Mikhail Lochtchinin ursprünglich festgehalten wurde. Als der Anwalt versuchte, Mikhail Lochtchinin in der Hafteinrichtung zu besuchen, teilte man ihm mit, sein Mandant halte sich dort nicht auf. Am 21. August rief Mikhail Lochtchinin seine Familie an und sagte, dass er nun im SIZO-1 in Pskow inhaftiert sei und wegen Hochverrats angeklagt werde. Vorliegenden Informationen zufolge geht die Anklage auf ein Gespräch zurück, das Mikhail Lochtchinin im Jahr 2022 mit seiner ukrainischen Ex-Freundin geführt hatte und in dem sie um geringfügige persönliche finanzielle Unterstützung bat.
Mikhail Lochtchinin sagte gegenüber der Presse, dass er während seines Aufenthalts im SIZO-2 in Staryi Oskol gefoltert und anderweitig misshandelt wurde. Angehörige der Strafvollzugsbehörden wussten, dass Mikhail Lochtchinin stark kurzsichtig ist, und nahmen ihm die Brille ab, sodass er nichts sehen konnte. Einige Zeit später hatte er Probleme mit der Netzhaut und verlor das Sehvermögen in einem Auge. Dies ist möglicherweise auf seine Misshandlung zurückzuführen. Sein Anwalt beantragte eine ärztliche Untersuchung, und im Februar 2026 ordnete ein Gericht eine solche Untersuchung in einem örtlichen Krankenhaus an. Die Untersuchung war allerdings nicht umfassend genug. Im März 2026 bewilligte das Gericht eine Computertomographie in einer Privatklinik, die jedoch immer noch nicht vorgenommen wurde.
Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben russische Menschenrechtsorganisationen bemerkt, dass immer mehr Menschen strafrechtlich verfolgt werden. Zu den gegen diese Menschen erhobenen Vorwürfen zählen "Hochverrat" (Paragraf 275 des Strafgesetzbuchs), "Spionage" (Paragraf 276), "heimliche Zusammenarbeit mit Ausländern" (Paragraf 275.1) und "Unterstützung eines Feindes" (Paragraf 276.1). Nach Angaben der russischen NGO Pervyi otdel sind seit Beginn des Kriegs mehr als 1.000 Personen wegen solcher Vorwürfe verurteilt worden; im Jahr 2025 allein waren es mindestens 468. Ende 2025 wurde gegen mindestens 420 Personen ermittelt, und 179 Menschen waren angeklagt. Bisher wurde noch niemand von einer solchen Anklage freigesprochen.