Pakistan: Journalist "verschwunden"

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Der pakistanische Journalist und Dichter Ahmad Farhad (undatiertes Foto)

Am 15. Mai 2024 wurde Ahmad Farhad, ein kaschmirischer Journalist und Dichter, vor seinem Haus in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad entführt. Seither fehlt von ihm jede Spur. Die Polizei weigerte sich zunächst, die Anzeige aufzunehmen, wurde dann aber vom Hohen Gericht in Islamabad angewiesen, sich des Falls anzunehmen. Der Verbleib des Journalisten muss umgehend aufgeklärt und Ahmad Farhad freigelassen werden.

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Dein Appell

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Sehr geehrter Herr Innenminister,

ich wende mich heute an Sie, weil ich mir Sorgen um den Journalisten und Dichter Ahmad Farhad mache.

Er wurde am 15. Mai vor seinem Haus in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad entführt. Seither fehlt von ihm jede Spur. Die Polizei weigerte sich zunächst, die Anzeige aufzunehmen, wurde dann aber vom Hohen Gericht in Islamabad angewiesen, sich des Falls anzunehmen. Ahmad Farhad ist Vater von vier Kindern, das jüngste ist vier Jahre alt. Laut Angaben seiner Ehefrau belastet die Ungewissheit über seinen Verbleib die Familie stark.

Sorgen Sie bitte dafür, dass Ahmad Farhad umgehend zu seiner Familie zurückkehren kann, sollte er sich in staatlichem Gewahrsam befinden.

Leiten Sie bitte umgehend eine zielführende, gründliche, unabhängige und unparteiische Untersuchung seines Schicksals und Verbleibs an.

Bitte stellen Sie sicher, dass alle Personen, die verdächtigt werden, an seinem Verschwindenlassen beteiligt gewesen zu sein, Verfahren vor Zivilgerichten erhalten, die den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren entsprechen und in denen nicht auf die Todesstrafe zurückgegriffen wird.

Hochachtungsvoll

Dear Minister Mohsin Naqvi,

I am writing to express my concerns regarding the enforced disappearance of Pakistani journalist and poet, Ahmad Farhad, from his home in Islamabad at 1am on 15 May 2024 by four men in plain clothes. CCTV footage from cameras installed at his home was also taken. His wife approached the police at 4am in the morning to file a First Information Report (FIR), but they refused to do so. An FIR was subsequently filed on the orders of the Islamabad High Court, but the state authorities have failed to disclose Ahmad’s whereabouts despite multiple court hearings.

Ahmed has been a vocal critic of the Pakistani authorities and has received multiple threats regarding his social media activity in the past. I am deeply concerned for Ahmad’s safety as his abduction follows the pattern of forcibly disappearing journalists and human rights defenders in Pakistan. He suffers from a severe form of stomach gastritis and requires regular medication.

Therefore, I urge your Ministry to ensure:

  • his immediate return;
  • an effective, prompt, thorough, independent and impartial investigation into the fate and whereabouts of Ahmed Farhad; 
  • ensure that anyone suspected of criminal responsibility for their involvement in Ahmad’s enforced disappearance is tried before civilian courts through principles of fair trial without recourse to the death penalty.

Yours sincerely,

 

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Bitte abschicken bis: 15.07.2024

Appell an

Mr. Mohsin Naqvi
Ministry of Interior, R Block, Pak Secretariat
Islamabad
PAKISTAN

Sende eine Kopie an

Botschaft der Islamischen Republik Pakistan
I.E. Frau Saqlain Syedah
Schaperstraße 29
10719 Berlin

Fax: 030 – 21 24 42 10
E-Mail: mail@pakemb.de


 

Amnesty fordert:

  • Sorgen Sie bitte dafür, dass Ahmad Farhad umgehend zu seiner Familie zurückkehren kann, sollte er sich in staatlichem Gewahrsam befinden.
  • Leiten Sie bitte umgehend eine zielführende, gründliche, unabhängige und unparteiische Untersuchung seines Schicksals und Verbleibs an.
  • Bitte stellen Sie sicher, dass alle Personen, die verdächtigt werden, an seinem Verschwindenlassen beteiligt gewesen zu sein, Verfahren vor Zivilgerichten erhalten, die den internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren entsprechen und in denen nicht auf die Todesstrafe zurückgegriffen wird.

Sachlage

Ahmad Farhad ist ein 38-jähriger pakistanischer Journalist kaschmirischer Herkunft, der am 15. Mai 2024 um 1.00 Uhr morgens vor seinem Haus in Islamabad von vier Männern in Zivilkleidung entführt wurde. Seine Familie sah, wie er in einem unbekannten Fahrzeug abtransportiert wurde. Die Entführer zerstörten die Überwachungskameras des Hauses und entfernten einen digitalen Videorekorder. Die Familie von Ahmad Farhad ging um 4.00 Uhr morgens zur Polizei, um Anzeige zu erstatten, dort weigerte man sich jedoch, die Anzeige (in Pakistan bekannt als First Information Report) aufzunehmen und den Fall zu untersuchen. Daraufhin reichte seine Familie beim Hohen Gericht in Islamabad einen Antrag auf richterliche Haftprüfung ein. Das Gericht wies die Polizei an, Ermittlungen in dem Fall aufzunehmen und regelmäßig über den Stand der Untersuchungen zu berichten. Am 17. Mai erhielt die Ehefrau des Journalisten einen Anruf von Personen, die sich als seine Entführer ausgaben und sie aufforderten, ihre Eingabe beim Hohen Gericht zurückzuziehen. Im Gegenzug würden sie Ahmad Farhad freilassen. Am nächsten Tag beantragten ihre Rechtsbeistände die Rücknahme des Antrags, doch der Journalist wurde nicht freigelassen. Daraufhin beschloss die Ehefrau, den Rechtsweg weiterzugehen. Bisher liegen keine Informationen über den Verbleib von Ahmad Farhad vor.

Ahmad Farhad äußert seit einiger Zeit öffentlich Kritik an den pakistanischen Behörden und wurde bereits in der Vergangenheit mehrfach wegen seiner Aktivitäten in den Sozialen Medien bedroht. Es besteht große Sorge um die Sicherheit des Journalisten, da Journalist*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen in Pakistan regelmäßig Opfer des Verschwindenlassens werden. Er leidet an einer schweren Form von Magenschleimhautentzündung und benötigt regelmäßig Medikamente.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Ahmad Farhad arbeitet seit 15 Jahren als Journalist und war bereits für mehr als zehn pakistanische Nachrichtensender tätig, u. a. Bol News, Hum News, Neo News und Capital TV. Er ist auch ein bekannter Dichter, der seine Gedichte auf Urdu verfasst und darin politische Themen wie das Verschwindenlassen anspricht. Er ist in den Sozialen Medien aktiv und hat in der Vergangenheit öffentlich die politische Einflussnahme der Streitkräfte in Pakistan kritisiert, weshalb er häufig bedroht worden ist. Er arbeitete in jüngster Zeit als freiberuflicher Journalist, nachdem er wiederholt von früheren Arbeitgebern entlassen wurde, die von den Behörden unter Druck gesetzt worden waren. Ahmad Farhad ist in den vergangenen zwei Jahren überwacht worden, und 2023 wurde sein Laptop von den Behörden beschlagnahmt. Vor zwei Monaten wurden seine Familienangehörigen in Kaschmir von der Polizei bedroht, um die Löschung seiner kritischen Beiträge in den Sozialen Medien zu erreichen.

Ahmad Farhad ist Vater von vier Kindern, das jüngste ist vier Jahre alt. Laut Angaben seiner Ehefrau belastet die Ungewissheit über seinen Verbleib die Familie stark.

Journalist*innen, Menschenrechtler*innen, Andersdenkende sowie Angehörige von Minderheiten, insbesondere aus der Region Belutschistan und der Provinz Chaibar Pachtunchwa, laufen in Pakistan Gefahr, Opfer des Verschwindenlassens zu werden. Es gibt in Pakistan kein Gesetz gegen das Verschwindenlassen, und es mangelt an Rechenschaftslegung seitens der Behörden. Familienmitglieder, die fordern, dass das Schicksal ihrer "verschwundenen" Angehörigen aufgeklärt wird, werden regelmäßig von den Behörden schikaniert, überwacht und eingeschüchtert. Die Praxis des Verschwindenlassens verstößt gegen das Recht auf Freiheit der Person, das Recht auf ein faires Gerichtsverfahren sowie das Recht auf Freiheit vor Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe. Pakistan hat den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte sowie das Übereinkommen gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe (UN-Antifolterkonvention) ratifiziert.

Ahmad Farhad kommt aus der von Pakistan verwalteten Region Asad Jammu und Kashmir, wo kurz vor seinem Verschwindenlassens Massenproteste gegen die hohen Lebenshaltungskosten stattfanden. Auf den von dem zivilgesellschaftlichen Bündnis JAAC (Jammu Kashmir Joint Awami Action Committee) organisierten Protestkundgebungen forderten die Menschen die Wahrung ihrer wirtschaftlichen Rechte, niedrigere Stromkosten, Subventionen für Weizen und eine stärkere Besteuerung einkommensstarker Gruppen. Die Demonstrationen wurden gewaltsam niedergeschlagen, wobei die Ordnungskräfte auch Tränengas und tödliche Munition einsetzten. Seit dem 11. Mai 2024 wurden so drei Personen getötet und beinahe Hundert verletzt. In der betroffenen Region wurde das mobile Internet komplett blockiert.