Iran: Zwei Baha'i droht nach Folter die Todesstrafe
Die Cousins Peyvand Naimi (links) und Borna Naimi gehören der Religionsgemeinschaft der Baha’i an (undatierte Fotos).
© Privat
Peyvand Naimi und Borna Naimi, zwei Cousins, die zur verfolgten religiösen Minderheit der Baha'i gehören, könnte die Todesstrafe drohen. Die Behörden werfen ihnen Kapitelverbrechen im Zusammenhang mit den Protesten im Januar 2026 vor. Sicherheitskräfte haben Peyvand Naimi und Borna Naimi Folter und anderen Misshandlungen wie Schlägen, Scheinhinrichtungen und Elektroschocks unterzogen, um sie zu einem "Geständnis" zu zwingen. Außerdem wurde ihnen der Zugang zu einem Rechtsbeistand und zu medizinischer Versorgung verwehrt.
Bitte verhindert, dass Peyvand Naimi und Borna Naimi zum Tode verurteilt werden.
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
Du hast Probleme beim Ausdrucken des Briefes? Dann klicke bitte hier.
Achtung: Bitte prüfe bei der Deutschen Post ob die Briefzustellung in das Zielland ungehindert möglich ist.
Appell an
Oberste Justizautorität
Gholamhossein Mohseni Ejei
c/o Embassy of Iran to the European Union
Avenue Franklin Roosevelt No. 15
1050 Bruxelles
BELGIEN
Sende eine Kopie an
Botschaft der Islamischen Republik Iran
S.E. Herrn Majid Nili Ahmadabadi
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Fax: 030–843 53 133
E-Mail: info@iranbotschaft.de
Amnesty fordert:
- Hiermit bitte ich Sie eindringlich, Peyvand Naimi und Borna Naimi freizulassen, weil ihre Inhaftierung willkürlich ist angesichts der Schwere der Verstöße gegen ihre Rechte auf ein faires Gerichtsverfahren. So wurde gegen ihre Rechte auf Zugang zu einem Rechtsbeistand ab dem Zeitpunkt der Festnahme und auf die Unschuldsvermutung verstoßen, sie wurden Opfer des Verschwindenlassens und waren Folter und anderen Misshandlungen ausgesetzt, um sie dazu zu bringen, sich selbst zu beschuldigen. Falls Peyvand Naimi und Borna Naimi allein wegen ihrer Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft der Baha'i festgehalten werden, müssen sie unverzüglich freigelassen werden.
- Sorgen Sie bitte dafür, dass sie bis zu ihrer Freilassung vor weiterer Folter und anderen Misshandlungen geschützt sind und dass ihre Foltervorwürfe unverzüglich, unabhängig, unparteiisch und wirksam untersucht werden. Stellen Sie außerdem alle mutmaßlich Verantwortlichen in fairen Verfahren vor Gericht und gewährleisten Sie den Opfern Zugang zur Justiz und zu einem wirksamen Rechtsbehelf.
- Sorgen Sie außerdem dafür, dass Peyvand Naimi aus der Isolationshaft entlassen wird und beide Zugang zu ihren Familien, zu Rechtsbeiständen ihrer Wahl sowie zu angemessener medizinischer Versorgung erhalten. Bitte verhängen Sie umgehend ein offizielles Hinrichtungsmoratorium als ersten Schritt hin zur vollständigen Abschaffung der Todesstrafe.
Sachlage
Den beiden Cousins Peyvand Naimi und Borna Naimi, die der verfolgten religiösen Minderheit der Baha’i in Iran angehören und derzeit im Gefängnis von Kerman in der Provinz Kerman inhaftiert sind, droht die Todesstrafe. Die Behörden beschuldigen sie, im Zuge der landesweiten Proteste am 8. Januar 2026 an der Tötung von Sicherheitskräften beteiligt gewesen zu sein. Damals wurden Tausende von Protestierenden und Passant'innen von den Sicherheitskräften getötet. Sicherheitskräfte nahmen Peyvand Naimi am 8. Januar 2026 an seinem Arbeitsplatz fest und weigerten sich wochenlang, seiner Familie Auskunft über sein Schicksal oder seinen Verbleib zu geben, wodurch Peyvand Naimi Opfer des Verschwindenlassens wurde. Dies ist ein Straftatbestand nach internationalem Recht. Einer gut informierten Quelle zufolge teilte er seiner Familie während eines 30-sekündigen Telefonats 19 Tage nach seiner Festnahme mit, dass er vom Geheimdienst der Islamischen Revolutionsgarden festgehalten werde, ohne jedoch den Ort zu nennen. Er fügte hinzu, dass er aufgrund des Drucks alles tun werde, was beim Verhör von ihm verlangt würde. Nachdem im März Dutzende Gefangene anlässlich des persischen Neujahrsfestes aus dem Gefängnis von Kerman entlassen wurden, teilte die Staatsanwaltschaft in Kerman der Familie von Peyvand Naimi mit, dass keine Bahá’i freigelassen würden. Peyvand Naimi wurde von seinem unbekannten Aufenthaltsort später ins Gefängnis von Kerman verlegt, wo er sich seither in Isolationshaft befindet. Sicherheitskräfte nahmen Borna Naimi am 1. März 2026 fest und ließen ihn mehrere Tage in einem Haftzentrum der Revolutionsgarden verschwinden, bevor sie ihn ins Gefängnis von Kerman brachten.
Laut einer gut informierten Quelle wurden beide Cousins von Angehörigen der Revolutionsgarden gefoltert und anderweitig misshandelt, um "Geständnisse" zu erzwingen. Peyvand Naimi wurde Scheinhinrichtungen, Schlägen und Isolationshaft ausgesetzt sowie an Händen und Füßen aufgehängt. Außerdem wurde ihm die Nahrung verweigert. Die Behörden verwehrten ihm auch die medizinische Versorgung wegen seiner Magen-Darm-Probleme und anderer Erkrankungen, unter denen er seit seiner Inhaftierung leidet. Am 1. Februar 2026 strahlten die Behörden ein Propagandavideo über ein angeblich von ihnen zerschlagenes "Bahá’i-Netzwerk" aus, in dem auch das von ihm erzwungene "Geständnis" zu sehen war. In dem Video ist zu hören, wie Peyvand Naimi angibt, an einer Demonstration teilgenommen zu haben. Diese Videoaufnahme stellt einen Verstoß gegen sein Recht auf die Unschuldsvermutung dar und sein Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen. Borna Haimi wurde von Sicherheitskräften geschlagen, Scheinhinrichtungen und Elektroschocks ausgesetzt, wodurch er Verbrennungen an den Füßen erlitt. Außerdem drohten sie ihm, seiner Frau und seiner Tochter etwas anzutun, falls er nicht kooperieren sollte. Er wurde unter Folter und Drohungen gezwungen, ein vorgefasstes "Geständnis" zu unterschreiben, in dem er sich und Peyvand Naimi belastete, an der Tötung von Basidsch-Milizionären während der Proteste am 8. Januar 2026 beteiligt gewesen zu sein, was die beiden jedoch bestritten haben. Einer gut informierten Quelle zufolge haben die Behörden keine Beweise vorgelegt, die die beiden Cousins mit den Tötungen in Verbindung bringen. Die beiden wurden bisher noch nicht angeklagt, doch derartige Anschuldigungen könnten zu Anklagen führen, die die Todesstrafe nach sich ziehen. Der Zugang zu einem Rechtsbeistand wurde ihnen bislang verwehrt. Laut einer informierten Quelle war Peyvand Naimi bereits zuvor wegen seiner Zugehörigkeit zu den Baha'i ins Visier geraten und sein Unternehmen geschlossen worden.
Hintergrundinformation
(auf Englisch)
Following Peyvand Naimi’s arrest, his family sought information about his fate or whereabouts from various official bodies in Kerman province but authorities repeatedly dismissed them and denied holding him. After three days, the family received a 30-second call from Peyvand Naimi during which he did not say where he was being held. He made another 30-second call 19 days after arrest during which he stated that he had not been charged but that he was being held by the Intelligence Organization of the IRGC without specifying the location. When the family followed up with the prosecutor’s office, an official told them that his detention was not related to a serious issue and that they should not be alarmed or raise concerns. In subsequent calls to family, he sounded highly distressed. On 1 February 2026, authorities broadcast a propaganda video about arrests made in relation to a purported "Baha’i network" during the January 2026 protests in Kerman province featuring several people with blurred faces making "confessions" about alleged involvement in organized online groups and foreign-orchestrated acts of violence. Peyvand Naimi, identified by his voice, appeared briefly in the video to say that participants in his online group agreed to meet in the town square and to "stay among protesters". Following this, he made another brief call his to family in which he sounded distressed and told them that he has not done anything wrong.
Peyvand Naimi was later transferred from the IRGC detention facility to Kerman prison. However, on the first day of the Israeli-US attacks on Iran on 28 February 2026, agents removed him from the prison yard and returned him to the IRGC detention facility for 10 days. According to an informed source, during this period, agents subjected him to torture and other ill-treatment to compel him to make false "confessions" again. For the first two days, agents suspended him from his hands and feet, beat him repeatedly and denied him food. Interrogators told him that because it was a period of fasting for Baha’is, he "should not be eating", in a discriminatory targeting of his religious identity. For the next three days, agents beat him repeatedly. Agents also subjected him twice to mock execution by simulating hanging. Interrogators accused him of involvement in the killing of three agents from the IRGC’s Basij battalions during protests in Kerman on 8 January 2026. Agents also accused him of "celebrating" while in prison the death of the late Supreme Leader Ali Khamenei, who was killed during US-Israeli attacks on 28 February 2026. According to an informed source, agents subjected him to torture and other ill-treatment to compel him to accept these accusations, but he refused and has denied them. His health has deteriorated in detention with gastrointestinal problems and an involuntary eye twitch, both of which he developed in detention. He was returned to Kerman prison after 10 days and is now being held in solitary confinement in the prison. No written charges or other formal documentation have been provided to his family.
Following Borna Naimi’s arrest on 1 March 2026, he was held in a detention centre controlled by the Intelligence Organization of the IRGC when, according to an informed source, agents subjected him to mock executions, electric shocks causing burns to his feet and legs, and repeated beatings including on his ribs and back. After days of torture and other ill-treatment, as well as threats to harm his wife and child, he was forced to sign a false "confession" pre-written by interrogators implicating both himself and Peyvand Naimi in killing members of Basij forces on 8 January 2026. According to information gathered by Amnesty International, authorities have not presented any evidence implicating the cousins in any internationally recognizable offences. Borna Naimi was later transferred to Kerman prison where he is now held.
On 17 January 2026, the Ministry of Intelligence announced that a "32-member espionage network linked to the Baha’i sect, which was active in the unrest and acts of destruction, has been identified", with 12 people arrested and another 13 summoned. The statement accused the individuals, based on "intelligence and confessions", of forming a "spy network" in multiple provinces, including Kerman, and claimed they were involved in "attacking government buildings and inciting and encouraging rioters to attack police and military centres" during the January 2026 protests. The IRGC also issued a statement on 20 January 2026, stating that a "network of elements from the deviant Baha’i sect in Kerman was identified and dismantled". The statements made no claims that any of the individuals were arrested in relation to the killings of Basij agents.
The Iranian authorities have intensified their persecution of the Baha’i religious minority in recent years. Since the 12-day war in June 2025, authorities have used the securitized climate to intensify this persecution, including through a coordinated state campaign of incitement to hostility, violence, discrimination and disinformation falsely accusing Baha’is as spies and collaborators for Israel.