China: Kasachischer Schriftsteller in geheimer Haft
Schriftsteller Zhengis Reskhan aus der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang in China (undatiertes Foto)
© Privat
Der kasachische Schriftsteller Zhengis Reskhan aus der zu China gehörenden Uigurischen Autonomen Region Xinjiang wird seit dem 19. März 2026 von den Behörden festgehalten. Zuvor wurde er über Monate hinweg von der Polizei verhört. Seine Familie wurde weder offziell über seine Inhaftierung informiert noch über seinen Rechtsstatus oder die Gründe für die Festnahme in Kenntnis gesetzt. Es besteht kein Kontakt zu ihm. Offenbar haben ihm Sicherheitskräfte in der Vergangenheit mündlich vorgeworfen, "extremistisches Gedankengut zu verbreiten" und "extremistische Ansichten zu vertreten". Es liegt jedoch keine offizielle Anklage gegen ihn vor. Familienangehörige in China und im Ausland werden Berichten zufolge überwacht und eingeschüchtert.
Bitte setzt euch für Zhengis Reskhan ein!
Hier kannst du deinen Brief ausdrucken, um ihn per Post oder Fax an die Behörden zu senden, oder ihn direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken.
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Appell an
Minister für Öffentliche Sicherheit
Ministry of Public Security
Minister Wang Xiaohong
14 Dongchangan Avenue
Dongcheng District, Beijing, 100741
VOLKSREPUBLIK CHINA
Sende eine Kopie an
Botschaft der Volksrepublik China
S. E. Herrn Hongbo Deng
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: 030-27 58 82 21
E-Mail: presse.botschaftchina@gmail.com
Amnesty fordert:
- Bitte lassen Sie Zhengis Reskhan (杰恩斯·热斯汉) umgehend und bedingungslos frei, sofern kein ausreichend belastbares und zulässiges Beweismaterial dafür vorliegt, dass er eine international als Straftat anerkannte Handlung begangen hat.
- Sorgen Sie bis zu seiner Freilassung bitte dafür, dass er umgehend regelmäßigen Zugang zu seiner Familie, einem Rechtsbeistand seiner Wahl und medizinischer Versorgung erhält. Er muss zudem vor Folter und anderer Misshandlung geschützt werden.
- Hören Sie damit auf, seine Familienangehörigen einzuschüchtern, zu überwachen oder zu bestrafen, weil sie Informationen über seinen Fall einholen oder ihre Menschenrechte friedlich ausüben.
Sachlage
Es besteht große Sorge um den inhaftierten kasachischen Schriftsteller Zhengis Reskhan (杰恩斯·热斯汉) aus der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang. Er ist Mitglied des chinesischen Schriftsteller*innenverbands und des Schriftsteller*innenverbands von Xinjiang und war einige Zeit lang Vorsitzender eines regionalen Verbunds von Schriftsteller*innen in der Stadt Hami. Zhengis Reskhan hat 13 literarische Werke veröffentlicht, vor allem Kinderliteratur und humoristische Texte, von denen einige offiziell aus dem Kasachischen ins Chinesische übersetzt wurden.
Seit seiner Festnahme am 19. März 2026 haben die chinesischen Behörden weder seinen rechtlichen Status offiziell bekannt gegeben noch seine Familie schriftlich über die Inhaftierung informiert.
Amnesty International vorliegenden Informationen zufolge war Zhengis Reskhan ab Ende Dezember 2025 wiederholt von der Polizei zur Vernehmung vorgeladen worden. Berichten zufolge haben die Behörden ihm mündlich vorgeworfen, er habe "extremistisches Gedankengut verbreitet" und "extremistische Ansichten vertreten", doch bisher wurde er weder angeklagt noch wurde die Rechtsgrundlage für seine Inhaftierung offengelegt.
Da nichts über den Inhaftierungsort von Zhengis Reskhan und seinen Rechtsstatus bekannt ist, besteht große Sorge, dass er in geheimer Haft und ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten wird. Dadurch ist er in besonders großer Gefahr, gefoltert oder anderweitig misshandelt zu werden. Möglicherweise ist er gar dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen. Zhengis Reskhan leidet unter Bluthochdruck und psychischen Erkrankungen, was die Sorge um seine Gesundheit noch verstärkt.
Familienangehörige in China und im Ausland wurden Berichten zufolge überwacht und eingeschüchtert, weil sie sich nach ihm erkundigt hatten.
Hintergrundinformation
Der 58-jährige Zhengis Reskhan (杰恩斯·热斯汉) ist ein kasachischer Schriftsteller aus dem Kasachischen Autonomen Kreis Barkol in der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang. Xinjiang ist eine ethnisch äußerst vielfältige Region in China. Ungefähr die Hälfte der Bevölkerung gehört ethnischen Gruppen an, die mehrheitlich muslimisch sind, z. B. Uigur*innen und Kasach*innen.
Berichten zufolge haben die Behörden bereits seit etwa zehn Jahren den Reisepass von Zhengis Reskhan konfisziert. Darüber hinaus unterlag er offenbar weiteren Einschränkungen hinsichtlich seiner Bewegungsfreiheit und seiner Online-Aktivitäten. Ab dem 28. Dezember 2025 wurde Zhengis Reskhan wiederholt von der Polizei zu Verhören vorgeladen und dabei für Zeiträume von einem Tag bis zu einer Woche festgehalten. Am 19. März 2026 wurde der Schriftsteller erneut abgeführt. Seitdem wurde die Familie nach Angaben seines Sohnes weder offiziell über seine Inhaftierung und seinen Rechtsstatus informiert, noch hat sie irgendwelche rechtlichen Unterlagen erhalten. Der Familie liegen jedoch inoffizielle Informationen vor, wonach Zhengis Reskhan im Gefängnis der Stadt Hami festgehalten wird, doch die Behörden haben seinen Haftort nie offiziell bestätigt. Die Tatsache, dass die Behörden seinen Haftort und seinen rechtlichen Status nach wie vor nicht offiziell bestätigen, lässt befürchten, dass seine Inhaftierung dem Verschwindenlassen gemäß internationaler Menschenrechtsnormen gleichkommen könnte.
Laut Angaben seines Sohnes, der in Kasachstan wohnt, sind in China lebende Verwandte Überwachungsmaßnahmen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Außerdem habe er selbst Drohungen erhalten, in denen er aufgefordert wurde, sich nicht mehr öffentlich zu dem Fall zu äußern und aufzuhören, Informationen über den Verbleib seines Vaters einzufordern.
Amnesty International hat in der Uigurischen Autonomen Region Xinjiang großflächige und systematische Menschenrechtsverletzungen gegen Uigur*innen, Kasach*innen und andere Angehörige überwiegend muslimischer ethnischer Minderheiten dokumentiert. In ihrem Bericht Like We Were Enemies in a War aus dem Jahr 2021 kam Amnesty International zu dem Schluss, dass die chinesischen Behörden schätzungsweise eine Million Menschen willkürlich inhaftiert, gefoltert oder anderweitig misshandelt, politisch indoktriniert oder aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder Religion verfolgt haben.