Aktuell Vereinigte Arabische Emirate 15. Dezember 2023

Weltklimakonferenz in Dubai: "Es liegt noch viel Arbeit vor uns"

Das Bild zeigt viele Menschen mit Protestplakaten

Aktivist*innen demonstrieren bei der diesjährigen Klimakonferenz (COP28) in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten für eine Abkehr von fossilen Energieträgern (12. Dezember 2023).

Mehr als zwei Wochen lang verhandelten Staats- und Regierungschef*innen bei der diesjährigen Weltklimakonferenz (COP28) in den Vereinigten Arabischen Emiraten, um Antworten auf die Klimakrise zu finden. Klimaaktivistin und Amnesty-Mitglied Tina Taylor-Harry nahm an der Konferenz in Dubai teil. Im Interview berichtet sie über ihre persönlichen Erfahrungen während der Konferenz und inwiefern zivilgesellschaftliche Stimmen Einfluss auf die Verhandlungen nehmen konnten.

Du hast vom 6. bis 12. Dezember am Weltklimagipfel in Dubai teilgenommen. Wie waren deine Eindrücke?

Der Veranstaltungsort war beeindruckend. Ich hatte fast den Eindruck, dass man von der Tatsache ablenken wollte, dass die Vereinigten Arabischen Emirate als Gastgeber der Klimakonferenz ein großer Ölproduzent sind. Während der Konferenz hatte ich die Gelegenheit, an vielen Veranstaltungen und Treffen teilzunehmen. Dazu gehörten Podiumsdiskussionen, Workshops, Pressekonferenzen, Vorbereitungstreffen und Verhandlungen. Ich habe einen Einblick bekommen, wie vielfältig die Zusammenarbeit im weltweiten Einsatz für den Klimaschutz sein kann. Es war ein Privileg, Klimaaktivist*innen aus der ganzen Welt zu treffen und mich mit ihnen über viele Fragen auszutauschen. Welche Strategien verfolgen sie in ihren Ländern, um die Folgen des Klimawandels zu bekämpfen? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Ihre Erfahrungen und ihr Enthusiasmus, Lösungen für dieses globale Problem zu finden, haben bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Das Bild zeigt das Porträtfoto einer Frau

Tina Taylor-Harry, Klimaaktivistin und Amnesty-Mitglied, nahm vom 6. bis zum 12. Dezember an der Klimakonferenz (COP28) in Dubai teil.

Welche Bedeutung hat die am ersten Konferenztag getroffene Entscheidung, einen Hilfsfonds ("Loss and Damage") für die vom Klimawandel besonders betroffenen Länder einzurichten?

Die Einrichtung dieses Hilfsfonds ist ein deutliches Zeichen der weltweiten Einigkeit und der kollektiven Verantwortung bei der Bewältigung der Klimakrise. Generell ist die Entscheidung, einen Hilfsfonds für die vom Klimawandel betroffenen Länder einzurichten, ein entscheidender Schritt, um der Dringlichkeit und Schwere der globalen Klimakrise zu begegnen. Der nächste entscheidende Schritt wird die Umsetzung sein, um die von Umweltzerstörung betroffenen Länder finanziell besser zu unterstützen.

Wie beurteilst du die Ergebnisse des Klimagipfels? Vor allem im Hinblick auf die Vereinbarung, die einen "Übergang weg von fossilen Energien" für Staaten vorsieht?

 Der Klimagipfel hat sowohl positive als auch negative Ergebnisse gebracht. Viele Länder verpflichteten sich, bis 2050 aus fossilen Energien auszusteigen und sagten erhebliche Mittel für die Klimafinanzierung zu. Die Vereinbarung zum Kohleausstieg war jedoch nicht so ehrgeizig wie erhofft, und es gab keinen Konsens über den Umgang mit Verlusten und Schäden, die durch den Klimawandel verursacht werden. Trotz dieser Einschränkungen war der Gipfel ein Schritt in die richtige Richtung, da die Emissionsreduktionsziele ehrgeiziger wurden und die Anpassung an den Klimawandel in den Mittelpunkt gerückt wurde. Die Herausforderung besteht nun darin, diesen Verpflichtungen Taten folgen zu lassen und für eine effektive Umsetzung zu sorgen. Auch wenn insgesamt noch viel zu tun bleibt, hat der Gipfel gezeigt, dass sich die Welt bei der Bekämpfung des Klimawandels in die richtige Richtung bewegt.

Amnesty-Posting auf X (ehemals Twitter):

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Bei vergangenen Weltklimagipfeln ging die Zivilgesellschaft zu Tausenden auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Wie konnte sich die Zivilgesellschaft an der COP28 beteiligen?

Die Zivilgesellschaft brachte ihre Anliegen einerseits durch Lobbyarbeit zum Ausdruck. Zu Beginn der Konferenz gab es weniger Proteste, da es auch positive Nachrichten gab, wie z. B. die Einigung über den Hilfsfonds. In der zweiten Woche nahmen die Proteste jedoch zu. Proteste waren möglich, aber begrenzt und eingeschränkt – oft an Orten, die für die Öffentlichkeit schwer einsehbar waren. Vertreter*innen aus Ländern des globalen Südens waren zwar stark vertreten. Dennoch wäre ein besseres Gleichgewicht zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden notwendig. Es ist wichtig, dass die Zivilgesellschaft ihren Forderungen weiterhin Nachdruck verleiht und sich noch stärker mit konkreten Vorschlägen in die Konferenz einbringt.

Was kann die Zivilgesellschaft außerdem tun, um die Länder zu ermutigen, mehr für den Schutz des Klimas zu tun?

Zivilgesellschaftliche Initiativen sollten sich weiterhin in ihren Ländern dafür einsetzen, dass sich auf nationaler und lokaler Ebene etwas ändert. Darüber hinaus muss die Bedeutung von Naturschutz, Artenschutz und Biodiversität in den Diskussionen hervorgehoben werden. 

 

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