Amnesty Journal Mali 28. Mai 2013

Musikalischer Frieden

­Vierzig der bekanntesten Musiker Malis – von der Songwriterin Fatoumata Diawara bis zur Tuareg-Band Groupe Anemar de Kidal – haben sich zusammen­getan, um auf einer gemeinsamen CD den Frieden im Land zu beschwören.

Von Daniel Bax

Das Prinzip des All-Star-Chors ist seit den Zeiten von »Band Aid« und »USA for Africa« gut bekannt. Zum ­ersten Mal haben nun auch Künstler auf dem afrika­nischen Kontinent dieses Konzept kopiert. Dabei ging es allerdings weniger um Charity, als darum, ein Statement zu setzen. Mit ihrem Song »Mali-Ko« hat eine Riege der vierzig ­bekanntesten Musiker aus Mali einen flammenden Appell für Frieden in ihrem Land verfasst.

Zusammengebracht hatte sie die Songwriterin Fatoumata Diawara, die in den vergangenen Jahren mit introvertierten Balladen im Stile einer afrikanischen Billie Holiday bekannt geworden war. Beteiligt haben sich fast alle, die in Malis Musikszene Rang und Namen haben: Unter den Mitwirkenden finden sich das blinde Sängerpaar Amadou und Mariam, die Sängerin Oumou Sangaré, die als Stimme der Wassoulou-Region im Südwes­ten gilt, der Kora-Virtuose Toumania Diabaté, ein Star an der westafrikanischen Langhalsharfe, mit Vieux Farka Touré und Afel Boucoum auch die Bluesmänner aus der Nigerregion um Timbuktu sowie der Reggae-Sänger Tiken Jah Fakoly aus der Elfenbeinküste, der einst vor dem Bürgerkrieg in seinem Land ins Nachbarland geflohen war. Das Lied ist ein Aufruf zu nationaler Einheit und Frieden, aber auch ein klares Statement gegen die islamistische Besetzung des Nordens. »Wir müssen zusammenstehen und Stärke zeigen«, heißt es in dem vielstimmigen Chor. Aber auch: »Der einzige Weg aus der Krise ist der Pfad der Verständigung.«

Viele der beteiligten Musiker sind auf westlichen Bühnen wohlbekannt, denn Mali nimmt, aufgrund seiner enormen musikalischen Vielfalt, auf der Landkarte der Weltmusik einen prominenten Platz ein. Um so schockierender waren daher die Berichte, wonach die islamistischen Milizen im vergangenen Jahr in den von ihnen eroberten Gebieten, wie vor ihnen die Taliban in Afghanistan, einen Bann gegen jede Musik verhängt haben sollen. Das Mundtotmachen von Musikern war ein barbarischer Anschlag auf die traditionelle Kultur des Landes, so wie die Zerstörung von Heiligengräbern und der Bibliothek in Timbuktu.

»Mali gehört diesen Leuten nicht«, singt Doussou Bakayoko aus Bougouni nun dazu und seine Kollegin Soumaila Kanouté ergänzt: »Sie möchten uns fremde Kleidung aufzwingen. Sagt ihnen, das Mali unteilbar ist.«

Von besonderer symbolischer Bedeutung ist, dass sich auch die Tuareg-Band Groupe Anemar de Kidal an dem Song beteiligte, in ihren indigoblauen Gewändern und Turbanen stechen sie auf dem Video deutlich heraus. Die bekanntesten Tuareg-Bands aus der Sahara wie Tinariwen und Tamikrest aber waren nicht dabei. Offen ist, ob aus Angst vor Repressalien gegen ihre Angehörigen durch islamistische Banden im Norden des Landes oder aus grundsätzlicher Skepsis. Es zeigt aber: Ganz so einfach ist es mit Aussöhnung und nationaler Einheit in Mali also nicht.

Veröffentlicht wurde die Aufnahme Ende Januar – da waren französische Truppen bereits auf malischem Boden gelandet, um die radikalen Islamisten aus dem Norden zu vertreiben. Die Intervention wurde von weiten Teilen der Bevölkerung Malis begrüßt. Auch Fatoumata Diawara zeigte sich auf ihrer Facebook-Seite dankbar für das militärische Eingreifen.

Voices United for Mali: »Mali-ko« (Peace / La Paix)

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