Hurra
Mit der Compilation "Our dreams are our weapons" ist nun so etwas wie der Soundtrack zur Revolution in Tunesien und Ägypten erschienen.
Von Daniel Bax
Eine Revolution ist kein Event wie eine Fußball-Weltmeisterschaft, zu dem es automatisch einen Soundtrack gibt. Doch auch die Aufstände in Tunesien und Ägypten hatten ihre Protesthymnen, welche die Bewegung inspiriert, besungen und beflügelt haben. Es ist das Verdienst des rührigen Network-Labels aus Frankfurt, die wichtigsten davon auf einer Compilation versammelt zu haben. "Unsere Träume sind unsere Waffen" lautet der etwas pathetische Titel, der noch ganz von der Euphorie über die Ereignisse geprägt ist.
Unter den ausgewählten Stücken ist "Rayes Lebled", jene wütende Attacke des tunesischen Rappers El Général gegen Präsident Ben Ali. Viele westliche Zeitungen berichteten in jenen Tagen über den unerschrockenen Rapper, dessen grobkörniges Video in den Tagen vor Ben Alis Sturz im Internet zirkulierte und dazu führte, dass der Musiker sogar kurzzeitig inhaftiert wurde. Auch weniger bekannte, aber nicht weniger wichtige Songs aus Tunesien sind darauf zu finden – etwa das elegische "Tounis Hurra" ("Freies Tunesien") der Sängerin Zorah Lajnef oder das getragene "Iktallem Ya Tounis" ("Sprich, mein Tunesien") des Sängers Skander Guettari – die den mutigen Demonstranten des Januars 2011 ein Denkmal setzen.
Früh solidarisierten sich in Ägypten die Rockmusiker Amir Eid, Hany Adel und Sherif Mostafa aus Kairo mit den Demonstranten auf dem Tahrir-Platz. Ursprünglich aus verschiedenen Rockbands stammend, formierte sich das Trio zu einer Art neuer "Supergruppe". Ihre melodiöse Rockballade "Sout al-Hurriya" ("Die Stimme der Freiheit") wurde das "Winds of Change" der ägyptischen Revolte, dessen Refrain nach dem Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak in aller Munde war. Das Musikvideo, das im Internet mehr als eine Million Mal angeklickt wurde, setzte die Proteste – etwas geschönt – als friedliches, fröhliches und verbindendes Volksfest in Szene.
Mohamed Mounir, einer der Granden der ägyptischen Gegenkultur, wollte da nicht abseitsstehen. Mit der Rockband Wust el Balad spielte er den Song "Ezzay" ein – eine rockige Ode an die "Bewegung des 25. Januar", wie die Proteste in Ägypten genannt werden. Der dazugehörige Videoclip ruft die Dramatik und Gefahr jener Tage noch einmal ins Gedächtnis.
HipHop aus Tunesien und Rock aus Ägypten sind aber nur zwei Klangfarben, die diese Compilation prägen, und sie sind noch nicht einmal dominant. Denn die arabische Revolte zeigt, dass auch traditionelle Töne und revolutionäre Botschaften ganz gut zusammengehen können. Mit dem tunesischen Oud-und-Zither-Duo Amine und Hamza hatte der Network-Labelchef Christian Scholze erst jüngst ein Album produziert, das im Januar erschien. Dieser Kontakt half ihm dabei, auch mit den anderen musikalischen Protagonisten der sogenannten Facebook-Revolten in Tunesien und Kairo in Verbindung zu treten. Aus diesem Grund sind die beiden Brüder gleich mit zwei Songs vertreten. Denn mit ihrer Hilfe entstand dieses eindrucksvolle Dokument, das den Umbruch in der arabischen Welt feiert.
"Our dreams are our weapons": From the Kasbah/Tunis to Tahrir Square/Cairo and back (Network Medien)