Amnesty Journal Senegal 11. Januar 2011

Schule des Lebens

Ein soziales Gewissen und politische Haltung sind das Markenzeichen der senegalesischen HipHop-Band Daara J Family. Nun haben sie ihr zweites internationales ­Album veröffentlicht.

Von Daniel Bax

Daara J zählen zu den Veteranen des »Senerap«, wie die westafrikanische Spielart des HipHop genannt wird. Dank vieler junger Nachwuchs-MCs, die sich in Dakar tummeln sollen, gilt die Hauptstadt des Senegal als ­HipHop-Hochburg des afrikanischen Kontinents. Neben anderen Rap-Combos wie Positive Black Soul und Pee Frois avancierten Daara J schon in den neunziger Jahren zur Spitze der Szene.

Daara J bedeutet auf Wolof, der meistgesprochenen Sprache des Senegal, soviel wie »Schule des Lebens«. Ihrem zweiten Album, das auch außerhalb des Senegal erscheint, haben N’Dango D und Faada Freddy, die beiden Köpfe hinter Daara J, nun genau diesen Titel gegeben: »School of Life«. Schon im Opener »Bayi Youn«, einem glamourösen Afro-R’n’B-Schmachtfetzen, formulieren sie ihren Stolz auf Afrika als Wiege der Zivilisationen. Im Titelsong »School of Life« dagegen gießen sie ihre Wut über 400 Jahre Sklaverei in selbstbewusste Rap-Lyrics, während sie in dem im Roots-Reggae gehaltenen Song »Children« über das Los vieler Kinder auf dem afrikanischen Kontinent klagen, die unter Kriegen und Armut leiden.

Das soziale Gewissen und eine politische Haltung sind das Markenzeichen von Daara J. Für ihre klare Positionierung im politischen Alltag werden sie im Senegal auch schon mal kritisiert. So stieß ihre Entscheidung, bei den Wahlen im Jahr 2000 den damaligen Oppositionskandidaten Abdoulaye Wade und seine Anti-Korruptions-Plattform zu unterstützen, nicht überall auf Gegenliebe. Nicht jeder ist der Meinung, dass sich die Dinge im Senegal seitdem grundlegend verbessert haben. Auf »School of Life« haben Daara J gleich mehrere potentielle Dancefloor-Füller aneinander gereiht. Ihre treibenden Grooves paaren sie auch mal mit reinen Party-Appellen (»Celebrate«) oder der Aufforderung, die Dinge durch die rosarote Brille zu betrachten (»Positif«). Das schafft einen Ausgleich zu den ernsten Themen und politischen Botschaften, mit denen sie sonst aufwarten.

16 Jahre ist es nun her, dass Daara J ihre erste Kassette veröffentlichten. Seitdem haben sie auch im Ausland Karriere gemacht. Vor sechs Jahren gewannen sie den renommierten World Music Award der BBC, traten im Vorprogramm von Wyclef Jean und Mos Def und als Headliner beim WOMAD-Festival auf. Spurlos ist dieser Rummel nicht an ihnen vorbei gegangen. Einerseits sind Daara J seitdem vom Trio zum Duo geschrumpft, ihr langjähriger Mitstreiter Aladji Man geht nun eigene Wege.

Andererseits nennen sie sich nun »Daara J Family«, um auf ihr breites Umfeld aus Unterstützern und Begleitmusikern zu verweisen. Abgehoben von den Realitäten im eigenen Land sind Faada Freddy und N’Dango D nicht. Und wenn, wie kürzlich, ihr Antrag auf ein Einreisevisum für Großbritannien abgelehnt wird, obwohl sie dafür eigens zur britischen Botschaft nach Ghana gefahren sind und dort drei Tage lang gewartet haben, dann geht es ihnen nicht anders als vielen anderen Afrikanern.

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