Amnesty Journal 07. Januar 2011

Raise Your Voice!

Musik und Menschenrechte ist eine erfolgreiche Verbindung.
Das zeigen die zahlreichen Konzerte und Aktionen, mit denen Künstler
weltweit Amnesty International unterstützen.

Von Peter Litschke

Das erste Konzert der irischen Rockband U2 in Russland war mit Spannung erwartet worden. Gemeinsam mit Amnesty setzten sich Bono und seine Bandkollegen auf ihrer 360°-Tour für die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ein. Doch während es auf den Konzerten zuvor keine Probleme mit der Polizei gab, wurden Ende August in Moskau fünf Amnesty-Aktivisten, die vor dem Auftritt Unterschriften sammelten, vorläufig festgenommen.

So nervös sind die Behörden bei Amnesty-Konzerten eher selten. Und es gab im Laufe der mittlerweile fast 50-jährigen Amnesty-Historie viele Kooperationen mit Musikern, Produzenten und Künstlern, um Musik und Menschenrechte miteinander zu verbinden. Meist waren es Benefizkonzerte, die die Botschaft von Amnesty verbreiteten und Menschenrechte in den Fokus der Medien rückten. Die Veranstaltung "The Secret Policeman’s Ball" aus dem Jahr 1979 kann als die erfolgreichste Amnesty-Konzertreihe gelten, die von der britischen Sektion veranstaltet wurde. Gastgeber war Monty-Python-Comedian John Cleese; musikalische Gäste waren u.a. Sting, Peter Gabriel, Bono und Bob Geldorf. Der ersten Show folgten im Laufe der Jahre weitere, zuletzt der Secret Policeman’s Ball 2008.

Das musikalisch-menschenrechtliche Engagement von Amnesty beschränkt sich aber nicht nur auf Konzerte. So wurde im Juni 2007 der Musiksampler Make Some Noise – Save Darfur veröffentlicht, der aus einer Kooperation von Amnesty, Yoko Ono sowie nationalen und internationalen Künstlern hervorging. Die Bandbreite reichte von Tokio Hotel über die Flaming Lips und Snow Patrol bis hin zu The Cure, U2, R.E.M. und Aerosmith. Die Musiker coverten für die Compilation John-Lennon-Songs, der Reinerlös geht an Amnesty, um auf die Menschenrechtslage in Darfur aufmerksam zu machen.

Im Rahmen der Make Some Noise-Kampagne wurden zahlreiche Petitionen, Eilaktionen sowie Appelle unterzeichnet und verschickt. Es fanden auch Benefizkonzerte statt, so zum Beispiel im vergangenen Jahr in Hamburg. Andere Musiker versteigern Devotionalien und spenden die Erlöse an Amnesty. So hat die britische Indie-Band The XX Anfang Oktober zugunsten von Amnesty zwei Lichtboxen auf eBay versteigert.

Konzerte bieten eine gute Möglichkeit, Musik mit Aktionen zu verknüpfen. So können bei einem Konzert neben Unterschriften auch Spendengelder gesammelt werden. Eine der größten Musikveranstaltungen war die Human Rights Now!-Tournee, die 1988 sechs Wochen lang durch 15 Länder auf vier Kontinenten führte. Headliner waren unter anderem Tracy Chapman, Bruce Springsteen sowie Youssou N’Dour.
Zwei Jahre zuvor gab es während einer US-Benefizkonzertreihe für Amnesty unter dem Namen "A Conspiracy of Hope" ein Reunion-Konzert von The Police. Größere internationale Musikveranstaltungen werden meistens von Art for Amnesty koordiniert. Nicht zu unterschätzen sind aber neben den internationalen Großveranstaltungen die zahlreichen Kooperationen, die ­regelmäßig auf lokaler Ebene stattfinden und meist von ehrenamtlichen Amnesty-Mitgliedern veranstaltet werden, in Berlin z.B. zuletzt im SO36 mit lokalen Bands.

Die erfolgreiche Verbindung von Musik und Menschenrechten wird auch zukünftig von Amnesty fortgesetzt. Besonders für das Jubiläumsjahr 2011 sind national und international viele interessante Projekte in Planung. Bis dahin gilt: Raise your voice for human rights! Die fünf russischen Amnesty-Aktivisten sind übrigens nach kurzer Zeit wieder freigelassen worden. Noch während des Konzerts rief Bono den Besuchern zu: "Amnesty, keep up the campaign!"

Der Autor ist Politikwissenschaftler und lebt in Berlin.

Mehr unter: www.amnesty.de/musik

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