Mali 2012
Amtliche Bezeichnung: Republik Mali Staatsoberhaupt: Amani Toumani Touré Regierungschefin: Cissé Mariam Kadama Sidibé (löste im April Modibo Sidibé im Amt ab) Todesstrafe: in der Praxis abgeschafft Einwohner: 15,8 Mio. Lebenserwartung: 51,4 Jahre Kindersterblichkeit: 191,1 pro 1000 Lebendgeburten Alphabetisierungsrate: 26,2%
Mali beteiligte sich 2011 an Operationen der Nachbarstaaten gegen Al-Qaida im islamischen Maghreb (AQIM). Drei der sieben Geiseln, die AQIM im Jahr 2010 entführt hatte, wurden freigelassen. Ein Mann wurde getötet, fünf weitere Personen entführt. Die Nationale Menschenrechtskommission empfahl der Regierung, die Todesstrafe abzuschaffen. Zehn Menschen wurden zum Tode verurteilt.
Hintergrund
Im Mai 2011 trafen sich Vertreter aus vier benachbarten Subsahara-Staaten, u.a. aus dem Niger und Mauretanien, in der malischen Hauptstadt Bamako, um ihre Zusammenarbeit gegen AQIM zu verstärken. Mali und Mauretanien führten an der Grenze gemeinsame Militäroperationen gegen einen Stützpunkt mutmaßlicher AQIM-Milizen durch. Dabei wurden im Juni mehrere Menschen getötet, unter ihnen auch mauretanische Soldaten. Im Oktober äußerte sich der Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für Westafrika besorgt über die Gefährdung der Sicherheit durch Kämpfer, die aus Libyen in den Norden von Mali zurückkehrten. Die Nationalversammlung nahm im Dezember eine Neufassung des Familienrechts an, mit der die Diskriminierung der Frauen festgeschrieben wurde.
Nationale Menschenrechtskommission
Die Nationale Menschenrechtskommission legte im März 2011 ihren ersten Bericht vor. Sie empfahl die Annahme eines Gesetzentwurfs zur Abschaffung der Todesstrafe, der von der Regierung 2007 gebilligt worden war. Die Kommission riet der Regierung eindringlich, die weibliche Genitalverstümmelung zu verbieten, die Zustände in den Gefängnissen zu verbessern und Maßnahmen zur Verhinderung von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung zu ergreifen.
Tod nach Militärübung
Im Oktober 2011 starben in einem Ausbildungslager der malischen Streitkräfte in der Region Koulikoro fünf Offiziersanwärter nach einem althergebrachten Ausdauertest. Drei hochrangige Offiziere und mehrere Angehörige des Trainingsstabs wurden verhaftet. Das Verteidigungsministerium ordnete eine Untersuchung an.
Menschenrechtsverstöße durch bewaffnete Gruppen
Im Januar 2011 ließ ein tunesischer AQIM - Milizionär am Eingang der französischen Botschaft in Bamako eine Gasflasche explodieren. Dabei wurden zwei Menschen verletzt.
Im gleichen Monat kamen bei einem fehlgeschlagenen Befreiungsversuch an der Grenze zu Mali zwei Franzosen ums Leben, die von AQIM in Niamey, der Hauptstadt von Niger, entführt worden waren.
Im Februar ließ AQIM drei im September 2010 in Niger verschleppte Menschen nach der Zahlung von Lösegeld frei. Vier Menschen befanden sich in Nord-Mali weiterhin in den Händen von AQIM.
Im März wurde Hamma Ould Mohamed Yahya freigelassen. Er war 2010 von AQIM entführt worden.
Im November wurden bei einem Überfall von AQIM fünf Personen entführt und eine weitere getötet. Zwei Franzosen wurden aus einem Hotel in Hombori verschleppt. Außerdem wurden in Timbuktu drei Staatsangehörige aus den Niederlanden, Südafrika und Schweden entführt. Ein Deutscher wurde getötet, als er sich gegen die Entführer zur Wehr setzte.
Todesstrafe
Im Jahr 2011 wurden in Mali zehn Menschen zum Tode verurteilt, darunter im Juli Mariam Sidibé, weil sie 2008 ihre Nebenfrau Mariam Traoré ermordet haben soll, und im November der Tunesier Bachir Simoun wegen eines versuchten Anschlag auf die französische Botschaft in Bamako. Am 15. Dezember wurde Bachir Simoun von Präsident Touré begnadigt, nachdem der tunesische Präsident Marzouki beantragt hatte, ihn in sein Heimatland zu überstellen.