Papua-Neuguinea 2011
Amtliche Bezeichnung: Unabhängiger Staat Papua-Neuguinea Staatsoberhaupt: Königin Elizabeth II., vertreten durch Generalgouverneur Paulias Matane Regierungschef: Sam Abal (ab Dezember geschäftsführend für Michael Somare) Todesstrafe: in der Praxis abgeschafft Einwohner: 6,9 Mio. Lebenserwartung: 61,6 Jahre Kindersterblichkeit (m/w): 70/68 pro 1000 Lebendgeburten Alphabetisierungsrate: 59,6%
Gewalt gegen Frauen und Tötungen wegen angeblicher Hexerei blieben 2010 weit verbreitet. Die Regierung ließ durchgreifende Maßnahmen zur Unterbindung derartiger Praktiken vermissen. Folter und Misshandlungen an Untersuchungshäftlingen und Strafgefangenen waren ebenfalls an der Tagesordnung. Polizisten schlugen Häftlinge oft mit Gewehrkolben und Buschmessern; außerdem vergewaltigten sie inhaftierte Frauen oder missbrauchten sie sexuell.
Gewalt gegen Frauen und Mädchen
Gewalt gegen Frauen war nach wie vor weit verbreitet und hielt aufgrund des niedrigen gesellschaftlichen Status von Frauen und der traditionellen Praxis der Polygamie und des Brautpreises unvermindert an. Es herrschte ein Klima des Schweigens und der Straflosigkeit vor. Frauen hatten Angst, bei den Behörden Meldung über sexuelle und physische Gewaltanwendung zu machen.
Im April 2010 berichtete eine Klinik in Lae, dass sie monatlich zwischen 200 und 300 neue Patienten – zumeist Frauen – aufnehme, die vergewaltigt, geschlagen oder mit Messern angegriffen worden seien.
Im Mai besuchte der UN-Sonderberichterstatter über Folter das Land. Er stellte fest, dass Frauen einem hohen Risiko ausgesetzt waren, im privaten und öffentlichen Bereich Übergriffe zu erleiden. Während der Festnahme und im Gewahrsam kam es zu Folterungen, Misshandlungen und sexuellem Missbrauch von Frauen durch Polizeibeamte. Es hatte den Anschein, als würde die Polizei Frauen oft wegen geringfügiger Vergehen festnehmen, um sie sexuell missbrauchen zu können. Die Polizei bestrafte in Gewahrsam genommene Frauen, indem sie sie in mit Männern belegte Zellen sperrte oder ihnen dies androhte. In solchen Zellen wurden Frauen häufig Opfer von Gruppenvergewaltigungen.
Im Juli gab der UN-Ausschuss zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau während der Überprüfung der von Papua-Neuguinea eingegangenen Verpflichtungen seiner tiefen Besorgnis über die im familiären und öffentlichen Bereich fortbestehende sexuelle Gewalt und das Fehlen von Daten über ihre Erscheinungsformen, ihr Ausmaß und ihre Ursachen Ausdruck. Eine Regierungsvertreterin sicherte dem Ausschuss zu, dass die Regierung Gesetze zum Schutz gegen häusliche Gewalt erarbeiten werde.
Tötungen wegen angeblicher Hexerei
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Nachdem eine Mutter von vier Kindern im September 2010 in den Western Highlands der "Hexerei" beschuldigt worden war, wurde sie gefesselt, verhört, gefoltert und bei lebendigem Leib verbrannt. Ihr Ehemann und ihre Kinder suchten bei Verwandten Unterkunft, da sie Angst hatten, nach Hause zurückzukehren.
- Im Oktober 2010 wurden in der Provinz Chimbu vier der "Hexerei" beschuldigte Personen, darunter ein älteres Ehepaar, gefoltert und in einen Fluss mit starker Strömung geworfen.
Folter und andere Misshandlungen
Im Februar 2010 weigerte sich die Polizei, Anschuldigungen zu überprüfen, denen zufolge Angehörige der mobilen Einsatzgruppe der Polizei Personen, die nahe der Porgera-Mine lebten, geschlagen und vertrieben hatten.
Im Mai stellte der UN-Sonderberichterstatter über Folter fest, dass Folter und andere Misshandlungen in Gefängnissen und Polizeistationen verbreitet waren. Inhaftierte, die zu fliehen versuchten, wurden oft brutal mit Buschmessern und Gewehrkolben geschlagen. Einige von ihnen wurden aus nächster Nähe erschossen oder ihre Sehnen mit Äxten und Buschmessern durchtrennt. Die Polizei bestrafte Inhaftierte oft mit Schlägen; viele Jugendliche wurden zusammen mit Erwachsenen in Gewahrsam gehalten.
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In der Nordprovinz schoss ein Polizist im September 2010 einem mutmaßlichen Dieb, den er festgenommen hatte, ins Bein und ließ ihn blutend zurück. Ein anderer Polizist half dem Verletzten später, in ein Krankenhaus zu gelangen.
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Im Oktober 2010 tötete ein alkoholisierter Polizist einen 15-jährigen Jungen, der in einer Polizeizelle festgehalten wurde, aus nächster Nähe mit einem gezielten Schuss.
- Im November 2010 erschossen Wärter fünf Häftlinge, die aus dem Gefängnis zu fliehen versuchten. Fünf weitere Gefangene wurden durch Schüsse verletzt.