Aktuell 13. Januar 2016

Interview mit Anne-Catherine Paulisch

Amnesty-Jury auf der Berlinale 2017
Interview mit Anne-Catherine Paulisch

Anne-Catherine Paulisch, Leiterin des Kommunikationsteams der deutschen Amnesty Sektion

Anne-Catherine Paulisch leitet seit 2011 das Kommunikationsteam von Amnesty International. Mit ihrem Team ist sie immer auf der Suche nach geeigneten Wegen und Kanälen, um Menschen für Menschenrechtsthemen zu interessieren und sie zu bewegen, Position zu beziehen.

Warum verleiht Amnesty International den Amnesty-Filmpreis?
Amnesty zeichnet Filme aus, weil es wichtig ist, dass nicht nur Nichtregierungsorganisationen, Menschenrechtsverteidigerinnen und -verteidiger, Journalistinnen und Journalisten und Medien - die üblichen Verdächtigen also – auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam machen. Filme sind hierfür ein sehr gutes Medium. Denn Filme haben die Kraft, uns das Leben anderer Menschen nahe zu bringen und uns zu berühren. Sie können Geschichten erzählen, die weit weg von unserem Alltag sind und so Menschenrechtsverletzungen bekannt machen. Daher haben wir vor über zehn Jahren den Filmpreis ins Leben gerufen und wollen mit ihm den Einsatz von Filmschaffenden würdigen. Wir hoffen, dass sie sich ermutigt fühlen, diesen für sie oft steinigen, manchmal mitunter auch gefährlichen Weg weiterzugehen.

Wie können Filme zum Schutz der Menschenrechte beitragen?
Licht ins Dunkel zu bringen, d.h. über Verbrechen, Missstände, Probleme und Zusammenhänge aufzuklären steht immer am Anfang von Schutz. Und hierbei helfen Filme. Ihre zentrale Aufgabe ist Informationen zu geben und Erfahrungen zu teilen. Sie veranschaulichen das Thema Menschenrechte und ihre Bedeutung für das Leben von Menschen sowie mitunter sogar die zugrundeliegenden globalen Zusammenhänge. Sie machen Menschenrechtsthemen also konkret erlebbar und schaffen damit die Grundlage dafür, dass Menschen Empathie und Verantwortung empfinden und sich im besten Fall im nächsten Schritt für den Schutz der Menschenrechte einsetzen.

Was erwarten Sie von einem guten Menschenrechtsfilm?
Ein guter Film, der sich vielleicht sogar einer in der Öffentlichkeit bisher unbekannten Menschenrechtsthematik annimmt, sollte sauber recherchiert und authentisch sein, er sollte eine Geschichte erzählen, die spannend ist und Raum lässt für eigene Ideen und Identifikationsmöglichkeiten mit ihren Protagonistinnen und Protagonisten und Themen. Angesichts des Ernstes des Themas Menschenrechte, bei dem Zynismus und Hoffnungslosigkeit nahe liegen und zugleich nicht hilfreich sind, zeigt ein guter Menschenrechtsfilm Perspektiven und Chancen auf oder schafft es vielleicht sogar mit Humor zu arbeiten, um trotz schwerer Sujets positiv aufzurütteln.

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